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Pannenstart auf Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm - „Tut uns selber Leid“

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Ein ICE auf der Neubaustrecke Wendlingen - Ulm
Die Bahn machte am Montagmorgen eine Rolle rückwärts: Wegen einer technischen Panne mussten Züge Richtung Stuttgart zurück nach Ulm geführt und über die alte, langsamere Strecke über die Alb geleitet werden. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Mit viel Bohei und Prominenz haben Bund, Land und Bahn die neue Schnellstrecke zwischen Wendlingen und Ulm gefeiert. Ein Lokführer hat nun gleich am zweiten Tag ohne Absicht den Fahrplan ordentlich durcheinandergebracht.

Stuttgart (dpa/lsw) - Eine Viertelstunde Zeit sollte gewonnen werden bei der Fahrt über die neue Schnellstrecke zwischen Wendlingen und Ulm. Allerdings hat es bereits einen Tag nach dem Auftakt auf der Neubaustrecke zwischen Wendlingen und der Münsterstadt erhebliche Verzögerungen gegeben.

Die Bahn machte am Montagmorgen (12. Dezember) eine Rolle rückwärts: Wegen einer Panne mussten mehrere Züge Richtung Stuttgart zurück nach Ulm geführt und über die alte, langsamere Strecke über die Alb geleitet werden. „Wir können uns nicht auf der neuen Strecke einwählen“, sagte ein Zugführer. „Am ersten Tag tut uns das selber leid.“ Ein Zug brauchte für die Strecke von Ulm nach Stuttgart mitunter knapp drei Stunden. Ein Einzelfall betonte eine Bahnsprecherin danach.

Deutsche Bahn nennt Fehler eines Lokführers als Grund für die Panne

Der Grund für die Panne: Nach Angaben der Bahn hat ein Lokführer einen Fehler gemacht beim Start der neuen Zugleittechnik, des European Train Control System (ETCS). Deshalb konnte sich sein ICE auf der Neubaustrecke zwischen Ulm und Wendlingen nicht mit dem Steuerungssystem des Zuges verbinden, wie eine Sprecherin der Bahn der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Die Sicherheitssysteme verhinderten die Weiterfahrt und der Zug musste umkehren.“

Der Zug hing im Tunnel fest, die Strecke war nach Angaben der Bahn für knapp zwei Stunden blockiert. Mehrere Regional- und Fernverkehrszüge seien über die alte Strecke umgeleitet worden. „Mittlerweile rollen die Züge wieder planmäßig“, sagte die Sprecherin am Mittag. Die Lokführer würden noch einmal sensibilisiert.

Deutsche Bahn spricht von einer Ausnahme

Nach Angaben des Unternehmens handelte es sich um eine Ausnahme: „Seit Betriebsstart am Sonntag sind 99 Prozent der Züge problemlos über die neue Strecke gefahren“, hieß es. Auf Nachfrage erklärte eine Bahnsprecherin aber, dass bei diesen 99 Prozent nur die Züge berücksichtigt würden, die auch wirklich über die Neubaustrecke gefahren sind - die umgeleiteten wurden demnach also nicht einberechnet. Bereits am Sonntag habe man laut Bahn zwei Züge umleiten müssen auf die alte Alb-Strecke - aufgrund von Verspätungen, damit man die Neubaustrecke nicht verstopfe, hieß es.

Am Montagabend dann kam es von Stuttgart nach Ulm immer noch zu Zugausfällen und zahlreichen Verspätungen auf der Strecke, das lag aber nicht an der Neubaustrecke, sondern etwa an Fahrzeugstörungen und einem Lokführerausfall, hieß es bei der Bahn. Die rund vier Milliarden Euro teure Neubaustrecke war nach zehn Jahren Bauzeit erst am Freitag feierlich von politischer Prominenz eingeweiht worden und läuft seit Sonntag mit dem neuen Fahrplan im Regelbetrieb.

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