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Muslim zeigt Mohammed-Karikatur auf Social Media - und erhält Morddrohungen

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Von: Valentin Betz

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Ein Mann benutzt Whatsapp auf dem Handy vor einem Laptop
Mohammed Ali Slim postete auf Social Media ein Bild von sich und einer Karikatur des Propheten Mohammed. In der Folge bekam er Morddrohungen und musste fliehen (Symbolbild). © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein junger Muslim aus Offenburg wollte mit einer Mohammed-Karikatur auf Social Media für Weltoffenheit werben. Stattdessen zwangen ihn Morddrohungen zur Flucht.

Offenburg - Baden-Württemberg* gibt sich nicht erst seit der neuen „The Länd“-Imagekampagne als weltoffenes und multikulturelles Bundesland. Allerdings bildet nicht alles, was von der Politik forciert und vorgelebt wird, auch die Realität ab. Diese Erfahrung musste unlängst ein 22-jähriger Muslim aus Offenburg machen.

Wie die Badische Zeitung (BZ) berichtet, nutzte Mohammed Ali Slim bis vor kurzem seine Accounts auf sozialen Medien, um seine Standpunkte zu diversen Themen zu vertreten. Der junge Mann ist Mitglied der FDP, vertritt Werte der Aufklärung und setzt sich für eine demokratisch-laizistische Gesellschaftsordnung ein. Inzwischen sind seine Social-Media-Accounts offline. Ein Foto, auf dem er sich mit einer Mohammed-Karikatur zeigte, war dafür ausschlaggebend.

Junger Muslim zeigt Mohammed-Karikatur auf Social Media und wird dafür massiv angefeindet

Die Vorfahren von Mohammed Ali Slim sind aus dem Libanon nach Deutschland eingewandert, haben also arabische Wurzeln. Der 22-Jährige stärkt dennoch das Existenzrecht Israels, laut BZ ist er Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Schon dieser Standpunkt wird von vielen fanatischen Muslimen als Provokation verstanden. Leider ist auch in Deutschland Antisemitismus nach wie vor ein Problem. Zuletzt wurde sogar dem Antisemitismus-Beauftragen von Baden-Württemberg Judenhass zur Last gelegt (BW24* berichtete).

Auch islamistischen Tendenzen trat Slim auf Social Media entschieden entgegen - und warnte gleichzeitig vor zu viel Toleranz gegenüber ebendiesen. All diese Standpunkte dürften dem jungen Mann die ein oder andere Kritik und Anfeindung in den sozialen Medien eingebracht haben. Das Fass zum Überlaufen brachte aber wohl ein Bild, das er bereits im Oktober postete. Es zeigt ihn mit einer Karikatur des Propheten Mohammed - dargestellt als nackten Mann mit Lederstiefeln und Regenbogenfahne.

Muslim wird nach Bild von Mohammed-Karikatur bedroht - und muss fliehen

Das Bild sollte eigentlich veranschaulichen, dass Slim für einen weltoffenen Islam steht. „Wenn wir auch in Zukunft in Harmonie mit allen muslimischen Zuwanderern leben wollen, müssen sie im europäischen Denken angekommen sein und einen menschlichen Liberalismus leben können“, erklärte der 22-Jährige der BZ.

Allerdings sehen viele gläubige Muslime Karikaturen des Propheten Mohammed nicht gerne - ganz zu schweigen radikale Islamisten. Dem Bild in den sozialen Medien folgten Belohnungen für die Beschaffung der Adresse des 22-Jährigen. Auch Todesdrohungen wurden gegenüber Mohammed Ali Slim ausgesprochen, berichtet die BZ. Der junge Muslim reichte diese dem Staatsschutz und der Staatsanwaltschaft mit Anzeigen weiter.

Weil er sich dennoch nicht ausreichend geschützt fühlte, floh Slim Ende November. Er tauchte unter anderem in Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt, Kassel und Berlin unter. Dabei baute er unter anderem auf die Unterstützung von Parteimitgliedern der FDP. Inzwischen geht ihm allerdings das Geld aus, weshalb er darauf hofft, dass die Justizbehörden durch medialen Druck stärker gegen diejenigen vorgehen, die ihn bedrohen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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