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Im Oberrhein versteckt sich Rohstoff für 400 Millionen E-Autos

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Von: Berkan Cakir

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Im Südwesten steckt das wohl größte Lithium-Reservoir in Europa. Ein Karlsruher Unternehmen will den Schatz für die Autoindustrie bergen.

Karlsruhe - Die Strategie von Mercedes-Benz, den vollen Fokus auf die E-Mobilität zu legen, geriet 2021 zunächst in ein schlechtes Licht, als Ingenieure unangenehme Ergebnisse über E-Autos veröffentlichten, die Mercedes unter Druck setzen. In der Studie des Vereins Deutscher Ingenieure wurde deutlich, wie schlecht die CO2-Bilanz von Batterien ist, die Fahrzeughersteller etwa in China produzieren. Das Land gehört neben Chile, Argentinien und Bolivien zu den größten Lithium-Förderländern auf der Welt. Wie im Reich der Mitte gilt die Förderung des Rohstoffs, das wichtiger Bestandteil der E-Auto-Batterien ist, auch in den südamerikanischen Ländern als umweltschädigend: Für eine Tonne Lithium werden rund 170.000 Liter an Grundwasser verbraucht. Ein Umweltproblem, das auch am Image der sonst als umweltfreundlich geltenden E-Autos hängt.

Karlsruher Unternehmen will im Oberrhein umweltschonend Lithium gewinnen

Ein Unternehmen aus Karlsruhe will das ändern und umweltschonend Lithium gewinnen - und das direkt vor Ort, im Oberrhein, wo sich das größte Lithium-Reservoir Europas befindet. Horst Kreuter, Mitgründer der Vulcan Energy Resources, sieht in den Tiefen der Oberrheins großes Potenzial. „Das Lithium-Vorkommen, über das wir hier reden, ist gigantisch und von seiner Beschaffenheit ideal für unser Ziel, hochqualitatives Lithium im industriellen Maßstab in Deutschland zu gewinnen“, sagte er dem Manager Magazin. Schätzungen von Geologen zufolge birgt die Region im Südwesten genug Lithium, um 400 Millionen E-Autos herzustellen.

Konkrete Pläne gibt es bereits. Bis 2024 könnten in zwei Anlagen 15.000 Tonnen Lithium-Hydroxid gewonnen werden. Von 2025 an plant die Firma weitere Anlagen, um 40.000 Tonnen zu produzieren. Die Investition dafür würden sich laut Horst Kreuter auf 1,7 Milliarden Euro belaufen.

Lithium wird aus dem Thermalwasser aus den Tiefen gewonnen

Die Lithium-Gewinnung in Deutschland biete laut Horst Kreuter einige Vorteile, vor allen Dingen ökologischer Natur. In Chile etwa wird das Lithium durch Verdunstung aus hochgepumpten Salzwasser gewonnen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Grundwasserpegel, worüber sich die chilenischen Bauern seit Jahren beschweren. Im Vergleich dazu könnte im Oberrhein extrem heißes Thermalwasser, das Lithium enthält, an die Oberfläche gefördert werden. Der Rohstoff für die Batterien würde aus dem Wasser direkt extrahiert, zusätzlich sollen dabei - laut Horst Kreuter - sogar noch Wärmeenergie und Strom gewonnen werden. Bei einer Förderung vor Ort wäre zudem der klimaschädliche Transport aus Übersee nicht mehr nötig.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 5. Mai 2021. Da er für unsere Leser noch immer eine Relevanz hat, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Die Geothermie-Methode, mit der die Förderung bewerkstelligt werden soll, ist allerdings nicht unproblematisch. Im Schwarzwald wurden 2007 dabei zahlreiche Häuser beschädigt, weil bei den Arbeiten in den Tiefen unter der Erde Gips entstand, der sich schließlich ausdehnte. „Überall, wo man neue industrielle Anlagen plant, muss man als Unternehmen zunächst Überzeugungsarbeit in den Kommunen leisten und die Bevölkerung informieren“, sagte Horst Kreuter dazu zum Manager Magazin.

Deutsche Autoindustrie könnte das Lithium-Projekt unabhängiger machen

Für die deutsche Autoindustrie, die künftig immer mehr Lithium für die Batterien ihrer E-Autos benötigen wird, bietet der Standort zudem gewisse Freiheiten. Mercedes-Benz, VW und BMW wären unabhängiger von Importen aus dem Ausland. Mercedes etwa erklärte, bereits im Kontakt mit dem Unternehmen aus Karlsruhe zu stehen. Sobald Vulcan Energy Produktionsmengen in Aussicht stelle, werde der Konzen die Situation neu bewerten, so eine Sprecherin.

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