Waffenhersteller aus Oberndorf

„Eindeutig Diskriminierung“: Heckler & Koch versetzt Mitarbeiter mit russischem Hintergrund

Das Sturmgewehr G36 steht beim Waffenhersteller Heckler & Koch in einem Ausstellungsraum.
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Der Waffenhersteller Heckler & Koch steht in der Kritik: Mitarbeiter mit russischem Hintergrund wurden in andere Abteilungen versetzt.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat Mitarbeiter mit russischem Hintergrund „aus Fürsorgegründen“ in andere Abteilungen versetzt. Viele der Angestellten wollen nun rechtlich dagegen vorgehen.

Oberndorf - Die Ukrainekrise hat immer mehr Auswirkungen auf Baden-Württemberg. Die Menschen in Stuttgart reagierten geschockt auf Russlands Angriff auf die Ukraine. Auch im Alltag bekommen wir in Deutschland die Krise zu spüren. Der Ukraine-Krieg treibt die Spritpreise nach oben. Über sechs Cent mehr werden seit dem Einmarsch der Russen fällig.

Doch auch in der Wirtschaft in Baden-Württemberg kriselt es. Die deutsche Autoindustrie ist wegen des Ukraine-Kriegs besorgt. Besonders rücken in Kriegszeiten aber die Waffenhersteller in den Fokus der Öffentlichkeit. Wie der Waffenhändler Heckler & Koch nun allerdings mit der Krise umgeht, hat einen Aufschrei in der Bevölkerung und bei den Betroffenen ausgelöst: Das Oberndorfer Unternehmen versetzt Mitarbeiter - allerdings nur die mit russischem Hintergrund.

Diskriminierung bei Heckler & Koch? Mitarbeiter sind fassungslos

Dieser Schritt wurde vom Unternehmen kurzfristig veranlasst. Dabei sollen Mitarbeiter mit „russischem“ Hintergrund aus der Qualitätssicherung aus dem Bereich „Beschuss“ weg versetzt werden, berichtet der Schwarzwälder Bote. Am Freitag (4. März) seien die Mitarbeiter in Einzelgespräche gerufen und über die Entscheidung informiert worden, so die Zeitung.

Alle betroffenen Mitarbeiter arbeiteten im Bereich Qualitätssicherung, hatten dort mit Munition und Waffen zu tun. Beim „Beschuss“ testen die Mitarbeiter Waffen am betriebseigenen Schießstand. Wegen bestehender „Gefahren“ und „Interessenskonflikte“ werde man die „russischen“ Mitarbeiter von der Qualitätssicherung abziehen und neuen Abteilungen zuweisen, hieß es vonseiten des Unternehmens.

Einen Grund nannte Heckler & Koch seinen Angestellten nicht. Doch ein Betroffener vermutet, dass die Mitarbeiter nach Namen ausgesucht wurden. Wessen Namen russisch war oder auch nur so klang, wurde zum Gespräch gebeten, erklärte der Angestellte.

Oberndorfer Waffenhersteller Heckler & Koch: Versetzung in andere Abteilungen soll Mitarbeiter schützen

Gegenüber dem Schwarzwälder Boten äußerte sich Heckler & Koch zur Versetzung der Mitarbeiter. Seitens des Unternehmens wird betont, die Entscheidung diene dem Schutz der Mitarbeiter. Schon in anderen früheren Krisen-Situationen habe man mit Versetzungen reagiert. „Um unsere Mitarbeiter vor Anwürfen von außen zu schützen, haben wir aus Fürsorgegründen Maßnahmen eingeleitet.“ Auch der Betriebsrat wisse über die Vorgehensweise und Entscheidung Bescheid, so ein Pressesprecher.

Heckler & Koch: Betroffene fühlen sich strafversetzt - Klagen vor Gericht geplant

Die Angestellten sind jedoch fassungslos, fühlen sich diskriminiert und strafversetzt. Einige wollen daher gegen die Entscheidung von Heckler & Koch vorgehen und haben sich bereits Rechtsbeistand geholt. Auch auf Social Media hagelt es Kritik. „Das ist eindeutig Diskriminierung“, schreibt ein Nutzer. „Sammelklage einreichen“, fordert ein anderer.

Immer häufiger kommt es seit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine zu Diskriminierungen von Russen oder Russland-Deutschen. So verweigerte etwa ein Restaurant im badischen Bietigheim Russen den Zutritt.

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