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Nutria-Plage in Südwest-Gemeinde: „Gefährliche Schädlinge“ zum Abschuss freigegeben

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Von: Sina Alonso Garcia

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Nutrias auf einer Wiese
Die Nutria-Population in Kuppenheim nimmt seit geraumer Zeit Überhand (Symbolbild). © Imago/VIADATA

In Kuppenheim haben sich Nutrias über längere Zeit unkontrolliert ausgebreitet. Da die gefräßigen Nager mittlerweile zur Plage wurden, dürfen Jäger die Population jetzt bekämpfen.

Kuppenheim - Eigentlich sehen Nutrias sehr putzig aus und wollen auch grundsätzlich niemandem etwas Böses. In der Gemeinde Kuppenheim in Baden-Württemberg haben sich die Nager im vergangenen halben Jahr jedoch derart vermehrt, dass sie dort wie Schädlinge bekämpft werden müssen. Innerhalb der sechs Monate hat ein Stadtjäger bereits 25 Nutrias, 37 Bisamratten, einen Marder und einen Iltis erlegt.

Die kleinen, pelzigen Nager kommen laut dem SWR aus einem Gewerbekanal neben der Gemeinde. Während die Tiere sich rasant vermehrten, fielen sie immer häufiger über die Wohngebiete her. Ein Bewohner berichtet, wie gefräßige Bisamratten und Nutrias Sumpfpflanzen in seinem Gartenteich vernichtet hätten. Über den gesamten Ort verteilt gibt es Stellen, an denen Ansammlungen von Schilfgewächsen von den Nagern zerstört wurden.

Nutria-Plage in Kuppenheim: Ein einziges Weibchen wirft bis zu 18 Junge im Jahr

Das Landratsamt hat in Kuppenheim nun eine Sondergenehmigung für die Jagd erteilt. Da der Stadtjäger im Wohngebiet kein Gewehr benutzen darf, muss er Lebend-Fallen stellen. Mit Apfel-Schnitzen lockt er die Nager in die Kisten, die zuschnappen, sobald sich ein Tier nähert. Das Landesjagdgesetz schreibt vor, dass die Nutrias und Bisamratten erlegt werden müssen, da sie in diesem Fall als Schädlinge gelten und den Gewerbekanal in Kuppenheim gefährlich unterhöhlen könnten.

Laut dem SWR liegt das Problem bei den Nutrias vor allem darin, dass sie - einmal angelockt durch Brot oder andere Leckereien - schnell sehr zutraulich gegenüber Menschen werden können. Sind sie einmal angefixt, kommen sie immer wieder - und bringen andere Nutrias mit. Hinzu kommt, dass Nutriaweibchen bis zu dreimal im Jahr werfen können - mit jeweils fünf bis sechs Nachkommen. Ein einziges Weibchen kann im Jahr also bis zu 18 Kinder bekommen. Nach wenigen Monaten werden auch die weiblichen Nachkommen geschlechtsreif.

Nutria-Jagd: „Kaum waren Fallen abgestellt, saß auch schon das erste Tier darin“

„Man hat die Tiere und ihre Ausbreitung in Kuppenheim viel zu lange nicht beachtet“, sagt der Stadtjäger gegenüber dem SWR. So eine Jagdsaison wie die vergangene hatte er nach eigenen Angaben noch nie. „Der Stadtjäger hat eine Falle an unserem Gartenzaun abgestellt“, berichtet auch ein Anwohner. „Und er war kaum wieder weg, da saß auch schon die erste Nutria drin.“

In Kuppenheims Nachbarort Gaggenau sind die Nutrias zwar noch nicht zur Plage geworden. Damit es nicht so weit kommt wie in Kuppenheim, hat die Gemeinde allerdings ein Verbot erlassen, laut dem die Nutrias nicht gefüttert werden dürfen. Manche Menschen hätten die Tiere zuvor mit tütenweise Brötchen gefüttert, so die Leiterin der städtischen Umweltabteilung, Elke Henschel. „Beobachten Sie die Tiere einfach nur aus der Ferne“, heißt es jetzt auf entsprechenden Schildern.

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