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Nur zwei Wochen nach seiner Frau: Visionär Siegfried Steiger gestorben

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40 Jahre Björn Steiger Stiftung - Siegfried und Ute Steiger
Rund zwei Wochen nach dem Tod seiner Frau Ute ist Siegfried Steiger im Alter von 92 Jahren gestorben. © Bernd Weißbrod

Sein Einsatz hat unzähligen Menschen das Leben gerettet. Siegfried Steiger hat nach einer persönlichen Tragödie die Lebensrettung in Deutschland revolutioniert. Jetzt ist der Kämpfer kurz nach dem Tod seiner Mitstreiterin und Ehefrau Ute gestorben.

Winnenden (dpa) - Rund zwei Wochen nach dem Tod seiner Frau Ute ist der unermüdliche Kämpfer für ein modernes Rettungswesen, Siegfried Steiger, im Alter von 92 Jahren gestorben. Die von ihm gegründete Björn Steiger Stiftung teilte am Freitag mit, der Architekt sei am Donnerstag zu Hause im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) würdigte das Paar aus Winnenden für dessen bahnbrechende Ideen für den Rettungsdienst.

Die Björn Steiger Stiftung setzt sich dafür ein, die Notfallhilfe und das Rettungswesen in Deutschland zu verbessern. Auf ihr Engagement gehen etwa die bundesweiten Notrufnummern 110/112, Notruftelefone an deutschen Straßen, der erste Baby-Notarztwagen sowie die Verbreitung von Laien-Defibrillatoren gegen den Herztod zurück. Der Babynotarztwagen „Felix“ rettet bis heute Frühgeborenen das Leben.

Tragischer Todesfall seines Sohnes war Start für Björn Steiger Stiftung

Siegfried und Ute Steiger initiierten die Stiftung im Jahr 1969 kurz nach dem Tod ihres Sohnes Björn und benannten sie nach ihm. «Wir wollten die Hilfsbereitschaft unseres Kindes, seine herausragende Eigenschaft, nicht sterben lassen», sagte Steiger einmal. Der damals Achtjährige war bei Winnenden von einem Auto erfasst worden. Es dauerte fast eine Stunde, bis ein Krankenwagen eintraf. Der Junge war zwar nur leicht verletzt, starb aber in Folge eines Schocks vor den Augen seines Vaters auf dem Weg zur Klinik. Er hätte nach Überzeugung der Steigers eine Chance gehabt, wäre nur der Krankenwagen früher eingetroffen. Bald merkten die Eltern, dass ihr Sohn nicht einfach Pech gehabt hatte, sondern stundenlanges Warten auf Hilfe die Regel war.

Damit war die Idee grundlegend verbesserter Notfallhilfe geboren, die 1973 in die flächendeckende Einrichtung der Notrufnummern mündete. Ende der 60er Jahre gab es nur in einigen Großstädten die 110 und 112. Andernorts mussten Unfallmelder das Telefonbuch wälzen, um die Nummer der zuständigen Polizei zu erfahren.

Der gebürtige Sachse kaufte mit seiner Stiftung - statt dem Bund - etwa auch den Zivilschutzhubschrauber Christoph 2, um ihn anschließend der Stadt Frankfurt zu übergeben. Dabei scheute er auch kein persönliches Risiko: Zur Absicherung der Anschaffungskosten verpfändeten die Steigers ihr Wohnhaus.

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