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Notarztwagen „Felix“ rettet Frühchen - „Der Dank der Eltern ist das allerschönste“

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Von: Franziska Schuster

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Ein frühgeborenes Baby liegt in einem Brutkasten in einem Krankenhaus
Frühchen brauchen eine intensive medizinische Versorgung. Für ihren Transport werden spezielle Notarztwagen, wie etwa von der Björn Steiger Stiftung, eingesetzt. © Jochen Tack/imago images

Das Baby-Notarztwagen-System „Felix“ ist speziell für Frühchen konzipiert. BW24 hat mit der Björn Steiger Stiftung über das besondere Fahrzeug gesprochen.

Winnenden - Im Brutkasten scheint das Baby beinahe unterzugehen. Eigentlich ist es noch gar nicht bereit für diese Welt. Doch die Wehen setzten ein, das Kleine musste geholt werden. Die Zahlen der Frühgeburten in Baden-Württemberg sind zwar rückläufig, 2021 sogar um fast zehn Prozent zurückgegangen, doch es gibt sie noch immer.

Von einer Frühgeburt spricht man bei einer Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche. Oft sind die Babys an der Grenze zur Überlebensfähigkeit. Organe, wie die Lunge, sind in vielen Fällen noch nicht vollends ausgebildet. Die Gefahren und Risiken für das Frühchen sind größer, je früher und unreifer das Kind geboren wird. Eigentlich sollen Frühgeborene nicht transportiert werden. Doch was, wenn in der Geburtsklinik nicht die nötige Technik und das Know-how vorhanden ist, um das Baby versorgen zu können?

Jährlich werden in Deutschland ungefähr 640 Frühgeborene transportiert. Ein möglichst ruhiger und erschütterungsfreier Transport kann für das Neugeborene lebensentscheidend sein. In solchen Fällen wird der Babynotarztwagen „Felix“ gerufen. BW24 hat bei der Björn Steiger Stiftung nachgefragt, was „Felix“ so besonders macht.

Baby-Notarztwagen „Felix“: Der Unterschied liegt in der Art des Transportes

Auf den ersten Blick scheint „Felix“ sich nicht von einem herkömmlichen Notarztwagen zu unterscheiden. Doch das Geheimnis des Wagens liegt in seinem Innern. „Der Unterschied liegt unter anderem in der Art des Transportes“, erklärt Béla Anda, Leiter der Kommunikation der Björn Steiger Stiftung. Das Fahrzeug wurde eigens für Neugeborene entwickelt und soll sie möglichst schonend an ihr Ziel bringen, zum Beispiel in eine andere Klinik. „Das Kind liegt dabei quer zur Fahrtrichtung. Normalerweise werden Patienten, inklusive Kinder und Babys, längs zur Fahrtrichtung transportiert. Das ist der sichtbarste Unterschied“, so Béla Anda weiter.

Ein Baby wird mit dem Notarztwagen der Björn Steiger Stiftung in Stuttgart verlegt.
Der Baby-Notarztwagen „Felix“ von der Björn Steiger Stiftung ist speziell für den Transport von Frühgeborenen ausgerüstet. © imago images

Studien haben gezeigt, dass solch ein Transport in Querlage für den Säugling weitaus schonender ist. Denn so wirken Beschleunigungs- und Fliehkräfte nicht nur auf den Kopf des Babys, sondern auf die gesamte Körperfläche. Das ist wichtig, denn die Fontanelle am Kopf ist bei Frühgeborenen noch nicht zugewachsen und empfindlich. „Wenn das Kind quer zur Fahrtrichtung und zwischen den Achsen des Fahrzeugs liegt, ist es in einer Gefahrensituation, etwa wenn der Notarztwagen stark bremsen oder auch beschleunigen muss, am sichersten“, sagt Béla Anda.

Zudem hat der Wagen ein besonderes Dämpfungssystem, welches das Baby in eine Art „Schwebezustand“ versetzt. Schlaglöcher oder ähnliches spürt der Säugling dadurch nicht.

Akustikampel und Transportinkubator: Hier sind die Babys bestens aufgehoben

Doch nicht nur die Transportweise des Babys ist anders im Notarztwagen „Felix“. Das Fahrzeug ist auch in seiner Technik besonders ausgestattet. Neben einem Notbehandlungsplatz befinden sich Wärmeschubladen, ein Transportinkubator sowie Gase zur Beatmung des Babys an Bord. „Eben alles, damit man einen möglichst schonenden Transport eines Frühchens durchführen kann.“

Ebenfalls besonders: Der Wagen verfügt über eine „Akustikampel“. „Die Akustik im Wagen ist besonders gedämmt und beträgt etwa 65 dB. In einem normalen Rettungswagen sind es etwa 80 dB“, erklärt Béla Anda. Sollte es doch zu laut für das Baby werden, zeigt dies die Akustikampel an Bord an. „So kann man darauf reagieren, etwa das Tempo drosseln, damit die Geräuschkulisse geringer wird.“

Der Innenraum des Baby-Notarztwagens „Felix“
Im Inneren von „Felix“ finden ein Arzt, eine Krankenschwester sowie ein weiterer Helfer neben dem Baby Platz. © Björn Steiger Stiftung

In „Felix“ finden neben den Fahrern ein Arzt, eine Krankenschwester sowie ein weiterer Helfer Platz. Die Besatzung wechselt je nach Bedarf und Einsatzort. Am meisten werden mit dem Wagen Frühchen in andere Kliniken verlegt, verrät Béla Anda. „Es gibt aber auch besondere Gefahrensituationen, wo eine Frühgeburt sich plötzlich ereignet und es das Kind nicht mehr ins Krankenhaus schafft.“ Auch dann ist „Felix“ für Mutter und Kind da.

Notarztwagen für Frühchen sind in ganz Deutschland im Einsatz

Seit 2003 ist der Babynotarztwagen in ganz Deutschland im Einsatz. Insgesamt rollen vier Stück von der Björn Steiger Stiftung durch die Straßen. Sie werden stetig verbessert. Es ist ein laufender Prozess, so Béla Anda. „Je mehr Babynotarztwagen im Einsatz sind, desto mehr Erkenntnisse gibt es auch daraus. Diese werden dann protokolliert und mit denen, die den Notarztwagen entwickeln, ausgewertet.“ Neben vielen Spezialfirmen, die sich um die Technik und Ausstattung kümmern, ist unter anderem auch die Daimler AG an den Fahrzeugen beteiligt. „Da Mercedes im Rettungswagenbereich eine sehr starke Historie hat, waren sie ganz vorne mit dabei.“

Der Dank gebührt vor allen Dingen den Helfern und Einsatzkräften.

Béla Anda, Leiter der Kommunikation der Björn Steiger Stiftung

Finanziert werden die „Felixe“ durch die Stiftung und Spenden. Krankenkassen übernehmen den Einsatz nicht, da die Wagen bisher nicht im Rettungsdienstgesetz verankert sind. Benzinkosten sowie einen Teil der sonstigen laufenden Kosten übernimmt die Björn Steiger Stiftung in Form eines Servicevertrags.

Die schönste Bezahlung ist jedoch die Rückmeldung, welche die Stiftung von Betroffenen für ihren Einsatz erhält. „Den Dank der Eltern zu hören, das ist das allerschönste. Manchmal kommt das Feedback ganz früh und spontan, manchmal bekommen wir nach Jahren Reaktionen. Wenn die Sorgen des Anfangs weg sind und Alltag eingekehrt ist und man Zeit hat, zu reflektieren, dann melden sich die Eltern bei uns“, erzählt Béla Anda. „Wir versuchen das dann auch immer denjenigen mitzuteilen, die am Einsatz beteiligt und aktiv waren. Denn der Dank gebührt ja vor allen Dingen den Helfern und Einsatzkräften.“

Jede Unterstützung und Hilfe ist willkommen. Wer dem Babynotarztwagen „Felix“ bei seinen guten Taten helfen möchte, kann dies über eine Spende tun. Zum Onlinespendenformular geht es hier.

Spenden für den Baby-Notarztwagen „Felix“

Björn Steiger Stiftung
IBAN DE51 6126 2345 0004 4440 00
BIC GENODES1BBF
Bernhauser Bank

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