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„Nosferatu-Spinne“ breitet sich aus - Naturschutzbund bittet Bürger um Mithilfe

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Von: Sina Alonso Garcia

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Zahlreiche Bürger aus Baden-Württemberg meldeten in den vergangenen Tagen Sichtungen von Nosferatu-Spinnen. Die Tiere krabbelten in der Spüle, im Bad oder im Garten. Der Naturschutzbund Nabu bittet darum, die Funde gut zu dokumentieren.

Stuttgart - Sie ist sechs Zentimeter groß, braun und trägt ein auffälliges Mal auf dem Rücken: Die giftige Nosferatu-Spinne - auch bekannt als „Zoropsis spinimana“ - ist in Baden-Württemberg derzeit auf dem Vormarsch. Alleine am Morgen des 1. September meldeten 70 Menschen aus dem Ländle dem Naturschutzbund Nabu, das achtbeinige Tier gesehen zu haben. Ein Mann aus Ludwigsburg entdeckte den drahtigen Eindringling laut eigenen Angaben etwa „ruhend“ in seiner Spüle in der Küche, eine Frau aus Rastatt beobachtete die Spinne „umherlaufend“ in ihrem Garten. Andere fanden die Nosferatu-Spinne im Bad, zwischen der Wäsche oder im Schlafzimmer.

Im Nabu-Melde-Register fällt auf: 70 von 100 Sichtungen von Nosferatu-Spinnen in Deutschland am heutigen Morgen (Stand 1. September, 10.07 Uhr) wurden in Baden-Württemberg gemeldet. Auslöser für die vermehrten Einträge war wohl mitunter ein Aufruf des Nabu vom vergangenen Dienstag, in dem der Naturschutzbund die Bürger um aktive Mithilfe bittet. Wer die Spinne entdeckt, soll sie in den Melde-Register eintragen, heißt es dort. „Ziel ist es, mehr über das Vorkommen dieser Art und ihre möglicherweise durch den Klimawandel und andere Faktoren bedingte Ausbreitung in Deutschland zu dokumentieren“, sagt Robert Pfeile vom Nabu Baden-Württemberg. Meldungen mit Fotos seien besonders hilfreich.

Nosferatu-Spinnen in Baden-Württemberg: Tier fühlt sich aufgrund „günstiger Klimabedingungen“ hier wohl

Bis vor etwa 20 Jahren war die Zoropsis spinimana nur aus dem Mittelmeerraum bekannt. Wie das Naturkundemuseum Karlsruhe vermutet, wurde die Spinne wohl aus Südeuropa durch Gütertransport entlang des Rheins sowie im Gepäck von Reisenden eingeschleppt. „Entlang des Rheins und dessen Nebenflüssen hat die Art sich durch die hier herrschenden und für sie günstigen Klimabedingungen etablieren können“, heißt es in einer Pressemitteilung des Museums. „Die Art hat ihre Haupt-Paarungszeit im Herbst, die wenige Wochen später schlüpfenden Jungspinnen wachsen dann in fünf bis sieben Monaten zu Adulten heran.“

Eine Nosferatu-Spinne fängt man am besten mit einem Glas und einem Stück Pappe.
Die Bezeichnung „Nosferatu-Spinne“ kommt von dem charakteristischen Mal auf dem Rücken des Tiers, das viele Betrachter an die Fratze des Vampirs aus dem gleichnamigen Kinofilm Nosferatu erinnert. © membio/imago

In den sozialen Netzwerken sorgen die Meldungen über das vermehrte Aufkommen des giftigen Eindringlings mitunter für Panik. „Ich würde durchdrehen, wenn ich so eine im Haus hätte“, schreibt etwa eine BW24-Leserin auf Facebook. „Da würde ich meine Sachen packen und wäre sofort weg hier. Die ist ja soooo widerlich.“ Andere empfinden die Sichtungen als schlichtweg „schockierend“.

Nosferatu-Spinnen in Baden-Württemberg: Experte erklärt, warum Panik unbegründet ist

Tatsächlich ist die Panikmache jedoch unbegründet, wie Spinnen-Experte Robert Pfeile vom Nabu betont. Zwar verfüge die Spinne - genau wie alle anderen Spinnen - über Gift, um ihre Beute zu betäuben und könne mit ihren Beißwerkzeugen auch die menschliche Haut durchdringen. Die Folgen eines Bisses für den Menschen seien in der Regel, wenn keine Allergie vorliegt, jedoch ähnlich wie bei einem Bienen- oder Wespenstich. „Ist man unsicher, sollte man einen Arztbesuch in Erwägung ziehen“, rät Pfeile.

Nosferatu-Spinne: Lauerjäger überwältigt Beute aus dem Hinterhalt

Obwohl die Nosferatu-Spinne zu den Webspinnen gehört, baut sie keine Netze, sondern ist ein Lauerjäger. Sie wartet bis passende Beute vorbei kommt und jagt und überwältig diese dann aktiv. Ein ausführliches Artporträt der Spinne mit allen Fakten rund um ihr Vorkommen und Jagdverhalten finden Interessierte beim Nabu unter: https://nabu-naturgucker.de/app/natur_nm.dll/.

„Nähert sich etwas so Großes wie ein Mensch, wird auch die Nosferatu-Spinne nicht angreifen, sondern versuchen, zu fliehen“, sagt Pfeile. „Wird sie in die Enge getrieben, kann es vorkommen, dass sie zu beißen versucht.“ Eine übermäßige Angst vor der Spinne sei dennoch nicht angebracht. „Ganz klar, das sieht natürlich anders aus, wenn man unter Arachnophobie leidet.“

Zoropsis spinimana: So fangt ihr sie am besten ein

Wer in der eigenen Wohnung ein Exemplar von Zoropsis spinimana findet, kann es laut des Experten genau wie andere Spinnen nach draußen setzen. Man fängt sie am besten mit einem Glas oder einem anderen, ausreichend großen Gefäß, unter das man ein Stück Pappe schiebt. So kann man die Nosferatu-Spinne sicher nach draußen befördern. Dieser Methode bediente sich kürzlich auch eine Frau aus Ludwigsburg, die eine Nosferatu-Spinne in ihrem Schlafzimmer fand. Wie sie gegenüber der Stuttgarter Zeitung berichtete, habe sie zunächst angenommen, dass es sich um eine simple Hauswinkelspinne handle. Dank Google und einer Bestätigung durch den „Atlas der Spinnentiere Europas“ hatte sie die Gewissheit: Sie hatte eine Nosferatu gefangen. Wie sagt man so schön: Unverhofft kommt oft!

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