1. bw24
  2. Baden-Württemberg

„Mehr Schaden als Nutzen“ - Neun-Euro-Ticket steht auf der Kippe

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nadja Pohr

Kommentare

Reisende warten an der Haltestelle Pragsattel in Stuttgart auf eine einfahrende Stadtbahn.
Der Fahrgastverband PRO BAHN sieht im angekündigten 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr mehr Schaden als Nutzen (Symbolbild). © IMAGO / Arnulf Hettrich

Bund und Länder streiten sich über die Kostenübernahme des 9-Euro-Tickets. Der Fahrgastverband in Baden-Württemberg hält sogar ein komplettes Scheitern für möglich.

Stuttgart - Zum 1. Juni soll in allen Bundesländern das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) kommen. Das Sonderangebot soll es Bürgern ermöglichen, drei Monate lang für je 9 Euro pro Monat in ganz Deutschland unterwegs zu sein. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) veröffentlichte bereits erste Informationen für alle Reisende im VVS-Gebiet.

Nun gibt es allerdings Streit zwischen dem Bund und den Ländern. Der Grund: Ursprünglich sollte das Bundesverkehrsministerium die anfallenden Kosten für das 9-Euro-Ticket komplett übernehmen. Das Ministerium will diese jetzt aber teilweise an die Bundesländer abwälzen und mit dem ÖPNV-Corona-Rettungsschirm verrechnen. Kritiker befürchten, dass die Einführung des Sondertickets an den Streitigkeiten sogar scheitern könnte.

9-Euro-Ticket: Fahrgastverband in Baden-Württemberg ärgert sich über Kostenstreit

Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisierte bereits nach dem Beschluss das 9-Euro-Ticket. Man befürchte überfüllte Bahnen in der Sommerzeit und dadurch die Abschreckung von Neukunden. Stefan Buhl, Sprecher des Fahrgastverbands in Baden-Württemberg, äußerte auf Anfrage von BW24 seinen Unmut über den herrschenden Kostenstreit. „Das 9-Euro-Ticket war ein nächtlicher Schnellschuss, bei dem sich keiner wirklich etwas gedacht hat“, ärgert sich Buhl.

Laut dem Sprecher würden ohnehin Gelder aus dem Fenster geworfen werden, statt sie für sinnvolle und dauerhafte Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Für den Verband in Baden-Württemberg sei ein Scheitern des 9-Euro-Tickets durchaus im Rahmen des Möglichen, aber auch „politisch heikel“. „Besser wäre es wohl, weil mit dem Ticket wahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird“, sagt Buhl gegenüber BW24.

Auch einige Verkehrsminister der Länder verurteilen das Verhalten des Bundes. „Wer bestellt, muss auch zahlen“, sagte unter anderem Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD). Die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, Bremens Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), warnt, dass das 9-Euro-Ticket nicht zum „Strohfeuer“ werden dürfe. Dies entspreche auch der Haltung des Verkehrsministeriums von Baden-Württemberg, wie ein Sprecher auf Anfrage von BW24 mitteilte.

Mögliches Aus des 9-Euro-Tickets sorgt für Zorn in den sozialen Medien

Der Streit zwischen Bund und Länder macht die Community in den sozialen Medien wütend. Einige Twitter-User fordern bereits den Rücktritt von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). „Was für ein inkompetenter Haufen“, schreibt ein User auf Twitter. „Wenn das 9-Euro-Ticket kippt, darf Volker Wissing gern persönlich meinem Sohn erklären, warum all die Sommerferienpläne, die sonst nie leistbar wären, plötzlich kippen“, ärgert sich eine Nutzerin. „Diese Regierung, aka Ampel, entlastet die Bürger nicht, sie belastet sie im hohen Maße“, beurteilt ein anderer.

Viele Nutzer befürchten nun, dass das 9-Euro-Ticket dem Tankrabatt zum Opfer fallen könnte. Die FDP hält nach wie vor an dem Vorhaben fest, das den Bund drei Milliarden Euro kosten würde. „Wir setzen falsche Prioritäten“, kommentiert ein User dazu. „Scheiß auf den Tankrabatt, der eh erst kommt, wenn es schon zu spät ist“, sagt ein Nutzer. Der Tankrabatt würde sich aus Sicht der Community ohnehin an eine bevorzugte Zielgruppe wenden. „Das ist wohl der Preis für eine Koalition mit der Porsche-Partei“, äußert sich ein Nutzer sarkastisch dazu.

Auch interessant

Kommentare