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Netzentgelte in Baden-Württemberg steigen

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Netze BW erhöht Netzentgelte
Wie die EnBW-Tochter „Netze BW“ mitgeteilt hat, sollen die Netzentgelte teils im zweistelligen Prozentbereich erhöht werden. © picture alliance / Christoph Schmidt/dpa/Archivbild

Wie ein Puzzle setzt sich der Strompreis aus vielen Teilen zusammen. Einer davon sind die sogenannten Netzentgelte. Wie sehr die in Baden-Württemberg im kommenden Jahr steigen dürften, zeichnet sich nun ab. Das letzte Wort ist aber nicht unbedingt gesprochen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Dass Strom- und Gaskunden im kommenden Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen, steht fest. Wie viel teurer Energie wird, zeichnet sich nach und nach ab. Nun hat die EnBW-Tochter Netze BW mitgeteilt, die sogenannten Netzentgelte voraussichtlich teils im zweistelligen Prozentbereich erhöhen zu wollen. Allerdings handele es sich um vorläufige Zahlen, sagte Geschäftsführer Christoph Müller der Deutschen Presse-Agentur. Bis Jahresende könnten diese noch angepasst werden. Es wäre das erste Mal, dass das passiert - dieses Jahr aber nicht unwahrscheinlich.

Netzentgelte sind ein Bestandteil des Strompreises. Energieanbieter zahlen sie für die Nutzung der Strom- und Gasinfrastruktur an Netzbetreiber - und geben sie in der Regel an die Verbraucher weiter. Die Bundesnetzagentur reguliert und kontrolliert die Netzentgelte, die sich zum Beispiel je nach Abnahmemenge unterscheiden oder danach, ob es sich um Hoch- oder Niedrigspannung handelt.

Es gibt weitere regulierte Bestandteile des Strompreises wie Entgelte für Messung und Messstellenbetrieb. Insgesamt machten sie für Haushaltskunden bislang etwa ein Viertel des Preises aus. Angesichts von Steigerungen auch bei anderen Faktoren könnte der Anteil der Netzentgelte am Gesamtpreis nach Müllers Einschätzung bald sinken.

Im Detail plant Netze BW, den Grundpreis für einen Haushaltsanschluss von 40 auf 80 Euro für das kommende Jahr anzuheben, während der sogenannte Arbeitspreis von 7,55 Cent je Kilowattstunde auf 7,21 Cent sinken soll. Die Kosten für die Netznutzung eines typischen Haushaltsanschlusses mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden dürften einer Beispielrechnung zufolge beim Strom unterm Strich um rund 9 Prozent steigen. Beim Gasnetz seien es sogar fast 30 Prozent.

Als Gründe nannte Müller für den Strom vor allem höhere Kosten für den Ausgleich des Verlusts beim Transport durch die Netze. Dieser sei technisch nicht vermeidbar. Zudem hebt der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW seine Netzentgelte an. Der Anstieg sei bei der wiederum für das Verteilnetz verantwortlichen Netze BW dann eingerechnet.

Ein Effekt für den Anstieg beim Gas ist krisenbedingt: Weil weniger Gas durchs Netz fließen soll, werden die Kosten auf weniger Kilowattstunden verteilt. Die Netzentgelte steigen quasi automatisch.

Netze BW beliefert rund die Hälfte der Gemeinden im Südwesten. Die lägen vor allem in ländlichen Regionen, sagte Müller. Wiederum beziehen Stadtwerke Energie von der Netze BW und geben ihn - in der Regel samt der Kosten - an die Endverbraucher weiter.

Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, darunter Transnet BW, hatten am Mittwoch die geplante Höhe ihrer Nutzungsgebühren genannt: Sie sollen 2023 im Schnitt bei 3,12 Cent je Kilowattstunde liegen - erstmals bundesweit einheitlich. Der Bund will mit einem Zuschuss von 13 Milliarden Euro einen weiteren Anstieg der Strompreise bremsen. Wirtschaftsverbände fordern weitere Schritte. «Die hohen Energiepreise sind eine erhebliche Belastung für unsere Wirtschaft und haben das Potenzial, zu großen sozialpolitischen Verwerfungen zu führen», hatte die Chefin des Branchenverbandes BDEW, Kerstin Andreae, gesagt.

Die Netzbetreiber investieren die Einnahmen in die Infrastruktur. Darauf könne man nicht einfach wegen der Belastungen infolge des Krieges in der Ukraine verzichten, sagte Geschäftsführer Müller von Netze BW. «Wir haben die Energiewende, die politisch gewollt ist und die wir als Netzbetreiber umsetzen müssen.» Gerade der Krieg habe noch einmal gezeigt, dass die Abkehr von fossilen Energien gerade aus Russland das Gebot der Stunde sei. Damit das klappe, müssten die Netze ausgebaut werden. «Was wir mit der Energiewende erreichen wollen, braucht Investitionen», betonte der Manager. «Die Puffer der Vergangenheit sind aufgebraucht.»

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