Urlaub daheim

Camping-Kolonie, Techno-Partys, Menschenmassen: Naturpark Schwarzwald wegen Corona überrannt

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Wegen der Corona-Pandemie schrecken viele vor Reisen ins Ausland zurück. Stattdessen freuen sich Urlaubsorte in Deutschland über mehr Besucher, darunter auch der Nationalpark Schwarzwald.

  • Der Nationalpark Schwarzwald freut sich trotz Coronavirus in Baden-Württemberg* über Besucherströme.
  • Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum besuchten 50 Prozent mehr Gäste die Natur im Park.
  • Teilweise ist der Ansturm aber bereits zu groß, besonders die Camper halten sich oft nicht an die Regeln im Park.

Seebach - Der Sommer neigt sich dem Ende und die Zahlen der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen wieder. Das hat vor allem mit Menschen zu tun, die aus dem Urlaub nach Hause kommen. Die Reiserückkehrer haben die Neu-Infektionen in Baden-Württemberg verdoppelt, weshalb vielerorts jetzt ein neuer Lockdown droht (BW24* berichtete). Immer neue Regionen werden deshalb zu Risikogebieten erklärt - so auch teile Kroatiens. Abiturienten hatten nach einem Partyurlaub in Kroatien das Coronavirus eingeschleppt.*

In Baden-Württemberg haben sich deshalb viele entschieden, diesen Sommer zuhause zu bleiben - oder ihren Urlaub in Deutschland zu verbringen. Besonders die Natur und viel Bewegung sind beliebt. Weil viele Menschen in ihrer Freizeit mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß unterwegs sind, hat das Coronavirus erstaunliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Baden-Württemberger.* Doch mit dem Rückzug der Urlauber in die Natur stiegen in Baden-Württemberg auch die Einsätze der Bergwacht. Die Rettungskräfte in Baden-Württemberg hatten trotz Coronavirus viel zu tun und prangerten den fatalen Leichtsinn an*, den viele an den Tag legten. Auch die Ranger im Nationalpark Schwarzwald hatten bislang sehr viel zu tun - allerdings aus anderen Gründen.

Besucherstrom im Nationalpark Schwarzwald: Zunahme um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

Der Naturpark Schwarzwald erlebt in der Coronakrise einen Ansturm an Besuchern

Der Nationalpark Schwarzwald scheint durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zu einem besonders beliebten Ausflugs- und Urlaubsziel geworden zu sein. Wie der Schwarzwälder Bote berichtet, strömten allein zwischen April und Juni 300.000 Menschen in den Nationalpark. Im selben Zeitraum waren es im Jahr zuvor rund 200.000 Besucher weniger wesen. Laut Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller hat die Beliebtheit des Nationalparks Schwarzwald damit zu tun, dass die Menschen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg Entspannung in der Natur suchten. „Wenn wir den Nationalpark nicht hätten, müssten wir ihn jetzt erfinden", so Franz Untersteller laut Schwarzwälder Bote.

Ob die Corona-Pandemie alleine für die gestiegenen Besucherzahlen im Nationalpark Schwarzwald verantwortlich ist, lässt sich allerdings nur schwer sagen - auch wenn an manchen Orten doppelt bis dreimal so viele Ausflügler wie im Vorjahreszeitraum gezählt worden sind. „Vielleicht hat auch das besucherfreundliche Wetter dazu beigetragen“, so Nationalpark-Experte Dominik Rüede zum Schwarzwälder Bote. Im Mai hatte es sogar 80 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr gegeben.

Nationalpark Schwarzwald: Mehr Besucher haben nicht nur positive Auswirkungen

Auch wenn der Besuch des Nationalparks Schwarzwald für jeden einzelnen wahrscheinlich zur Erholung beiträgt - für die Natur und die Ranger im Park bedeuteten die Urlauberströme meist mehr Stress. Besonders die zahlreichen Camper bereiten den Rangern zusehends Kopfzerbrechen.

Entweder campen sie unerlaubt wild oder halten sich trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht an Vorschriften. „Einmal haben wir 14 Campingwagen auf einem Parkplatz entdeckt“, erklärte eine Rangerin gegenüber dem Schwarzwälder Bote. Sogar illegale Technopartys habe es während der Corona-Pandemie schon nachts im Nationalpark Schwarzwald gegeben. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Patrick Seeger/dpa

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