Händler im Lockdown

Lockdown: Drogeriekette Müller sorgt mit Sortiment für Empörung

Eine Filiale der Drogeriemarktkette Müller in Augsburg.
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Trotz Lockdown haben die meisten Müller-Filialen geöffnet - dort kann man nahezu alles kaufen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Durch den harten Lockdown sind nahezu alle Geschäfte geschlossen. Die Filialen von Müller sind jedoch trotz Mischsortiment weiter geöffnet - das ärgert vor allem die Konkurrenz.

Ulm - Die Coronakrise in Baden-Württemberg ist weiterhin ernst. Seit dem 16. Dezember gilt deshalb ein harter Lockdown mit Ausgangssperre. Geschäfte, Läden und auch Dienstleister wie Friseursalons und Fitnessstudios müssen bis mindestens 10. Januar geschlossen bleiben. Ausnahmen bilden Geschäfte, die den täglichen Bedarf der Bevölkerung abdecken. Dazu zählen neben Supermärkten, Discountern und Apotheken auch Drogerieketten.

Durch die fatalen Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft rechnet der Handelsverband in Baden-Württemberg im schlimmsten Fall mit bis zu 12.000 Insolvenzen und Schließungen in den nächsten zwei Jahren. Für besonderen Unmut bei den Einzelhändlern und Ketten sorgt nun, dass die Drogeriekette Müller mit Hauptsitz in Ulm auch während des Shutdowns weiter geöffnet haben darf. Und das, obwohl es in den Filialen neben Drogerieartikeln nahezu alles zu kaufen gibt.

Müller Drogerie: Konkurrenz kritisiert Öffnung der Filialen trotz Mischsortiment

Trotz des harten Lockdowns dürfen Drogerieketten ihre Filialen weiterhin offen haben. Auch die Parfümeriekette Douglas mit Sitz in Düsseldorf versuchte, unter der Drogerieflagge zu segeln und zumindest einige Läden offenzuhalten. Der Plan ging jedoch schief. Man werde alle Filialen schließen, sagte Firmenchefin Tina Müller laut der Badischen Zeitung (BZ).

Der Drogerieriese dm aus Karlsruhe befürchtet dagegen bereits einen großen Ansturm und wandte sich mit einer Botschaft an die Kunden. Während dm jedoch nahezu vollständig auf eine Produktpalette aus Drogerieartikeln und Biolebensmitteln setzt, fällt das Sortiment von Müller sehr viel größer aus.

Vor allem ansässige Einzelhändler wie Buchläden, Elektronikgeschäfte oder Plattenläden fühlen sich hintergangen. Müller bietet neben Drogerieartikeln nämlich auch Bücher, CDs, Videospiele, Konsolen, Strümpfe und Parfüm an. Das dürfe man, heißt es aus dem Ulmer Unternehmen, wie die BZ berichtet.

Schließlich biete man im Sortiment überwiegend Drogerieartikel an, die nach wie vor verkauft werden dürfen. Ob das rein rechtlich so stimmt, will nun der Einzelhandelsverband Südbaden überprüfen. „Eine Reihe unserer Mitglieder erwartet da eine Überprüfung“, sagte Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der BZ.

Müller Drogerie: Umsatz ist ausschlaggebend, nicht die Verkaufsfläche

Die Überprüfung, ob Müller trotz Mischsortiment im Lockdown seine Filialen weiter geöffnet haben darf, wird die Konkurrenz eher weniger zufriedenstellen. Laut der BZ hieß es bei den Ordnungsämtern in Offenburg, Lahr, Lörrach und Bad Säckingen, dass Müller darlegen konnte, dass der Umsatz mit Drogerieartikeln größer sei als mit dem restlichen Sortiment.

Keine Rolle spiele dabei, dass die Nicht-Drogerieartikel deutlich mehr Verkaufsfläche einnehmen, wie die Zeitung weiter berichtet. Laut der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg in Bezug auf Filialen mit Mischsortiment heißt es: Solange der Drogerie-Anteil überwiegt, darf Müller alles verkaufen. Bereits im ersten Lockdown gab es ein ähnliches Urteil zu einer Müller-Filiale.

Die Debatte im Einzelhandel ist dieselbe wie beim ersten Lockdown im Frühjahr. In Bezug auf Müller wandte sich die Stadt Lörrach mit der Bitte an die Landesregierung, die Verordnung in der entsprechenden Regel zu überarbeiten, wie die BZ berichtet. Diese sei nämlich seit dem ersten Shutdown nicht verändert worden. Eine weitere Kette, die ein Mischsortiment anbietet, profitiert wohl eher nicht von der Verordnung. Das Bundeskartellamt gab am Dienstag die Zerschlagung der kriselnden Lebensmittelkette Real bekannt. Kaufland darf 92 Märkte übernehmen.

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