OB im Visier der Kritiker

Tübingen: Boris Palmer bekommt Morddrohungen - „Modellprojekt unter Druck“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kämpft mit aller Macht darum, die Inzidenzen in seiner Stadt gering zu halten. Doch nicht alle heißen sein Projekt gut.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Tübingen steigt. Oberbürgermeister Boris Palmer steht zunehmend unter Druck - und erhält sogar Morddrohungen.

Tübingen - Das Tübinger Projekt „Öffnen mit Sicherheit“ steht aktuell stark unter Beobachtung. Da die Modellstadt mit ihrer Testpflicht für Shoppen, Restaurantbesuche und Co. exemplarisch für Städte in ganz Deutschland steht, wird jede Entwicklung genauestens verfolgt - nicht nur von Befürwortern. So sprach sich beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen weitere Modellregionen aus. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) versteht dies auch als indirekte Kritik am Pilotprojekt in seiner Stadt.

Doch der Tübinger Oberbürgermeister hat aktuell nicht nur mit der Kritik der Kanzlerin zu kämpfen. „Das Modellprojekt steht seit heute sehr unter Druck“, sagte Palmer in einer Online-Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern am Montagabend in Tübingen. Viele wünschten sich, dass das Projekt scheitere. Wegen Morddrohungen gegen ihn gebe es bereits eine dreistellige Zahl an Verfahren bei der Staatsanwaltschaft.

Modellprojekt in Tübingen: Zahl der Neuinfektionen im Landkreis hat sich in wenigen Tagen fast verdreifacht

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte Tübingens Modellprojekt bereits für gescheitert. „Auch Tübingen schafft es nicht“, kommentierte der auf seinem Twitter-Kanal mit Blick auf die steigende Inzidenz im Landkreis. Tatsächlich hat diese in kürzester Zeit um ein Vielfaches zugenommen. Mit 98,8 Neuinfektionen pro 100.00 Einwohnern (Stand 30. März) hat sich die Inzidenz seit Beginn des Modellprojekts vor rund zwei Wochen nahezu verdreifacht.

Auf Facebook appellierte Boris Palmer an die Vernunft der Menschen: „Lasst uns bitte alle daran arbeiten, dass wir die Infektionszahlen unter Kontrolle halten. Und an die Tagestouristen habe ich eine Bitte: Wer letztes Jahr nicht in Tübingen war, sollte jetzt auch nicht kommen. Eine nette Frau aus Schorndorf hat mir heute gesagt, sie sei nach vielen Jahren wieder hier. Sie dachte erkennbar, das freut mich. Nein, tut es nicht. Im Sommer wieder. Aber nicht jetzt.“

Modellstadt Tübingen: Kritiker werden lauter

Da die Modellstadt Tübingen zunehmend ins Visier von Kritikern gerät, fasst Boris Palmer drastischere Corona-Maßnahmen in Tübingen* ins Auge. Eine Obergrenze bei den Schnelltests für auswärtige Besucher hat er bereits verhängt. In einer Online-Gesprächsrunde der Bild zog er jetzt sogar Ausgangssperren in Betracht.

Tagsüber könne geordnet in der Außengastronomie gesessen oder mit Maske eingekauft werden. „Und nachts sind alle daheim - warum nicht“, so Palmer. Der Oberbürgermeister erklärte gegenüber der Bild, dass auch in Tübingen häufig nach 20 Uhr große Gruppen von „Halbstarken“, wie Palmer Jugendliche nennt, auf innerstädtischen Wiesen Partys* feierten. Da gebe es keinen Abstand, sondern Alkohol, sagte der Grünen-Politiker. *Echo24 und Heidelberg24 sind Angebote von IPPEN.Media.

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