Täter schweigt

180 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs: 64-Jähriger aus Bühl steht vor Gericht

Eine Hütte, die mit einem Absperrband begrenzt wird, steht auf einem Gartengrundstück.
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Missbrauch im Kreis Rastatt: 63-Jähriger soll Kinder in 180 Fällen auf seinem Anwesen in Bühl sexuell missbraucht haben (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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  • Julian Baumann
    Julian Baumann
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Ein 64-Jähriger steht seit gestern in Baden-Baden vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Missbrauch von Mädchen im Alter zwischen fünf und elf Jahren vor.

Update vom 22. April 2021, 16.27 Uhr: Über 14 Jahre hinweg soll ein Mann aus Bühl (Kreis Rastatt) kleine Mädchen missbraucht haben. Dabei wird ihm eine hohe Zahl an Kindesmissbrauchsfällen vorgeworfen. Die Rede ist von 180 Fällen im Zeitraum zwischen 2005 und 2019. Der Täter soll sich an einem Nachbarskind sowie fünf Freundinnen seiner Enkelinnen vergangen haben. Erst im Januar 2020 - und damit lange Zeit nach dem Beginn des Missbrauchs - wurden die Taten des 64-Jährigen bekannt. Seither war der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Am Mittwoch, 21. April, begann nun der Prozess am Landgericht Baden-Baden. „Die Ermittlungen gestalteten sich besonders aufwendig, da etliche Kinder richterlich vernommen, Opferberichte erstellt und aussagepsychologische Gutachten eingeholt werden mussten“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Aufgeflogen waren die Taten, als ein Opfer sich Anfang 2020 bei der Polizei meldete. Der Angeklagte selbst schweigt zu den Vorwürfen.

Erstmeldung vom 10. Juni 2020: Bühl - Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden meldete am Donnerstag einen besonders schweren Fall von Missbrauch im Kreis Rastatt. Laut einer Pressemitteilung sitzt ein 63-jähriger Mann aus Bühl im Kreis Rastatt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, über einen Zeitraum von 14 Jahren insgesamt 180 Mal Mädchen im Alter zwischen fünf und elf Jahren sexuell missbraucht zu haben. Bekannt wurden die Taten erst im Januar 2020, als sich eines der Opfer bei der Polizei meldete. Der Mann beging die Taten hauptsächlich auf seinem eigenen Anwesen.

Missbrauch im Kreis Rastatt: 63-Jähriger beging die Taten in einem Zeitraum von 14 Jahren

In dem schweren Fall von Missbrauch im Kreis Rastatt gab die Staatsanwaltschaft Baden-Baden genauere Details bekannt. Die insgesamt 180 Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch an Kindern gliedern sich wie folgt auf:

Dringender Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 165 Fällen
Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 14 Fällen
Verdacht des versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern in einem Fall

Die Taten des Falls von Missbrauch im Kreis Rastatt beging der Täter laut Staatsanwaltschaft im Zeitraum zwischen 2005 und 2019 hauptsächlich auf seinem Anwesen in Bühl. Jedoch fand eine Tat auch mutmaßlich in einem Zoo statt, wie die Zeitung Badische Neuste Nachrichten (BNN) berichtet. Unter den Opfern des Sexualstraftäters sei auch ein Mädchen aus der Nachbarschaft des Täters sowie fünf Freundinnen seiner Enkelinnen gewesen, schreibt die Staatsanwaltschaft Baden-Baden in der Pressemitteilung. „Teilweise kam es bei den Taten zum Eindringen in den Körper der Geschädigten, was als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern bewertet wird". Der Täter schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Missbrauch im Kreis Rastatt: Taten des 63-Jährigen aus Bühl sind erst seit Januar 2020 bekannt

Die Taten im Fall von schwerem Missbrauch im Kreis Rastatt sind laut der Staatsanwaltschaft Baden-Baden erst seit Januar des Jahres 2020 bekannt. Eines der Opfer meldete sich bei der Polizei, wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Erster Staatsanwalt Michael Klose, auf Anfrage der BNN sagte. Laut Klose zeigen Opfer sexuellen Missbrauch inzwischen häufiger an als früher. Zurückzuführen sei dieser Umstand zum einen auf die Tatsache, dass die Öffentlichkeit sich mehr mit dem Thema auseinandersetze. Zum anderen steige auch der Mut der Opfer, die Straftaten anzuzeigen, je mehr in den Publikationen über entsprechende Fälle berichtet werde. „Sie merken, dass sie nicht allein sind“, so Klose.

Im Fall von schwerem Missbrauch im Kreis Rastatt teilen die Staatsanwaltschaft Baden-Baden und die Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht die gleiche Meinung. „[...] Bei dem Beschuldigten [besteht] Wiederholungsgefahr [...], also die Gefahr, dass er vor rechtskräftiger Aburteilung weitere erhebliche Straftaten gleicher Art begehen [wird], sodass zur Abwendung dieser drohenden Gefahr die Anordnung der Untersuchungshaft geboten war“, schreibt die Staatsanwaltschaft in der Pressemitteilung.

Die Polizei Karlsruhe sucht zudem aktuell Zeugen wegen eines Falls von sexueller Belästigung. Zwei Frauen sollen in der Nacht zum Mittwoch innerhalb von nur zehn Minuten von demselben Mann belästigt worden sein.

Missbrauch im Kreis Rastatt: Kommission Kinderschutz in Baden-Württemberg

Der Fall von Missbrauch im Kreis Rastatt ist wegen der hohen Zahl an missbrauchten Kindern besonders erschreckend. Angesichts des schweren Missbrauchsfalls in Staufen im Breisgau setzte das Sozialministerium Baden-Württemberg im Herbst 2018 die Kommission Kinderschutz ein. Den Abschlussbericht stellte Sozialminister Manfred Lucha am 17. Februar 2020 in der Landeshauptstadt Stuttgart vor. In den 15 Monaten seit der Gründung der Kommission wurde eine umfassende Analyse des Kinderschutzes in Baden-Württemberg vorgenommen und Handlungsfelder für dessen Weiterentwicklung und Verbesserung identifiziert. „Die Ergebnisse der Kommission Kinderschutz zeigen, dass alle beteiligten Behörden, Stellen und Institutionen noch intensiver zusammenarbeiten müssen, um Kinder wirksam vor sexuellem Missbrauch zu schützen“, sagte Lucha in Stuttgart. Der Abschlussbericht der Kommission Kinderschutz steht auf der Homepage des Sozialministeriums zur Verfügung.

Eine Erzieherin aus dem Kreis Freiburg beobachtete einen Kollegen mit einem Dreijährigen und hegte einen ungeheuerlichen Verdacht. Sie warf dem Mann Übergriffe auf Kinder in einer Kita vor. Durch die Meldung verlor die Frau ihren Job. Mit ihrem Verdacht ging sie vor das Arbeitsgericht Freiburg, das Gericht wies die Klage letztendlich ab.

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