Sternenhimmel mit Milchstraße

Wegen Corona? Hobbyfotograf fängt faszinierendes Himmelsphänomen über Pforzheim ein

In einer sternenklaren Nacht zeigt sich die Milchstraße deutlich über Pforzheim
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Hobbyfotograf Silas Kollmann gelang dieses Foto der Milchstraße über Pforzheim ganz spontan.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg können viele Menschen ihre Hobbys nicht ausüben. Silas Kollmann hat als Hobbyfotograf Glück: Ihm gelang ein Foto der Milchstraße über Pforzheim.

Pforzheim – Tolle Fotos der Milchstraße kennt man eher nicht aus Pforzheim - sondern aus menschenleeren Regionen, in denen wenig Lichtverschmutzung durch die Beleuchtung von Städten und Siedlungen herrscht. Selbst dann braucht es bestenfalls ein Stativ und Windstille, damit nichts verwackelt. Aber manchmal reicht es auch, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um den Sternenhimmel in einem Foto einzufangen. Zum Beispiel in Pforzheim.

So ging es dem Fotografen Silas Kollmann Anfang Mai, als er mit einem Freund ins Autokino nach Kornwestheim fuhr, das durch das Coronavirus in Baden-Württemberg ungeahnt beliebt ist. Auf dem Rückweg schoss Kollmann das Foto der Milchstraße in Pforzheim. Die Kino-Vorstellung begann erst um 00:30 Uhr. „Da kam mir die Idee, das ganze mit einer Fotosession zu verbinden“, erzählt Kollmann gegenüber BW24. Normalerweise wäre er zu so einer späten Uhrzeit gar nicht wach gewesen.

Wallberg in Pforzheim: Perfekte Bedingungen für Milchstraßen-Foto

Der Hobbyfotograf hat seine Kamera oft dabei. Vor dem Besuch des Autokinos hatte Silas Kollmann schon recherchiert, dass der Mond in dieser Nacht nicht sichtbar sein würde. Verbunden mit einem klaren Sternenhimmel erhöht das die Chancen für ein Foto der gut sichtbaren Milchstraße.

Wo er sein Foto schießen möchte, wusste Kollmann allerdings nicht so richtig: „Das ist eigentlich ganz schlecht und führt oft zu Reinfällen.“ Auf dem Rückweg vom Autokino fuhren Silas Kollmann und sein Freund über Land, kurz vor Pforzheim stellte er sich einfach auf die Straße und machte sein erstes Foto der Milchstraße. Erst danach kam ihm die Idee, es noch auf dem Pforzheimer Wallberg zu versuchen, liebevoll "Monte Scherbelino" genannt. Der Wallberg ist aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttet und bietet einen Rundumblick über ganz Pforzheim und den Sternenhimmel. Den Spitznamen teilt sich der Wallberg übrigens mit Stuttgarts höchster Erhebung: dem Birkenkopf.

Trotz Lichtverschmutzung und technischen Schwierigkeiten: Milchstraße gut sichtbar

Auf dem Wallberg gelang Kollmann schließlich die Aufnahme der Milchstraße über Pforzheim. Dafür muss das Foto möglichst lange belichtet werden, was durch die Lichtverschmutzung der Stadt Pforzheim gar nicht so einfach ist. Zu lange darf die Belichtungszeit allerdings nicht sein, sonst verschwimmt der Sternenhimmel durch die Erdrotation. Da hilft dann laut Kollmann ein „Star Tracker“, der die Kamera entgegen der Erdrotation dreht. Kollmann kam in seinem Foto allerdings ohne dieses Hilfsmittel aus.

Ein weiteres Problem ist - wer hätte es gedacht - die Dunkelheit. Denn ohne Licht kann keine Kamera fokussieren. Für scharfe Fotos muss man daher den manuellen Fokus wählen. Kollmann konnte sich für seine Aufnahme zum Glück das hell erleuchtete Pforzheim als Fixpunkt aussuchen. Ansonsten hilft nur eine Taschenlampe, um auf einen Punkt in der Nähe scharf zu stellen. Notfalls muss man Versuchen, auf einen hellen Stern der Milchstraße zu fokussieren.

Gute Bedingungen haben keinen Zusammenhang mit Corona

Für das Foto der Milchstraße mussten die Wetterbedingungen stimmen. Die klaren Nächte mit Sternenhimmel, die es seit März immer wieder gibt, haben übrigens nichts mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu tun. Zwar sind durch weniger Autos auf den Straßen und den geringeren Flugverkehr die sonst eher hohen Feinstaubwerte in Stuttgart und Region zurückgegangen.

Die gute Sichtbarkeit der Milchstraße über Pforzheim hat aber vor allem mit trockenen Luftmassen aus Skandinavien zu tun, wie Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes gegenüber BW24 erklärt. Bei einer derzeit geringen Luftfeuchtigkeit in Stuttgart und Region zwischen 15 und 16 Prozent würden sich beispielsweise auch nicht die typischen Kondensstreifen der Flugzeuge bilden.

Astrofotografie: Auch Anfänger können tolle Aufnahmen gelingen

Silas Kollmann bezeichnet sich selbst übrigens als Gelegenheitsfotograf und Anfänger. Die Aufnahme der Milchstraße über Pforzheim war erst sein vierter Versuch, den Sternenhimmel zu fotografieren. Auf Instagram veröffentlicht er unter „sikofotografie“ Landschafts- und Naturfotos. Dort hat er auch andere Fotos veröffentlicht, die auf dem Wallberg über Pforzheim entstanden sind.

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