1. bw24
  2. Baden-Württemberg

„Killermichel“: Badener gab Job auf, um Ballermann-Star zu werden

Erstellt:

Von: Sina Alonso Garcia

Kommentare

Killermichel auf der Mallorca Party Baden 2021
Killermichel auf der Mallorca-Party Baden 2021 © Mallorca-Party Baden 2021

Michael Reiner aus Weingarten hatte nie vor, Sänger zu werden. Nachdem er durch Zufall entdeckt wurde, gilt er seit Jahren als feste Größe in der Schlager- und Party-Szene.

Weingarten - Noch vor sechs Jahren arbeitete Michael Reiner aus Weingarten als Außendienstler für einen Mobilfunkanbieter. Dass er einmal vor einem riesigen Publikum stehen und Mallorca-Hits performen würde, hätte er niemals gedacht. Heute ist der 47-Jährige aus Baden-Württemberg ein Star auf dem Ballermann. Mit Hits wie „Auswärts sind wir asozial“ oder „Als Fußballer gescheitert, an der Theke ein Star“ begeistert er die Massen. Seinen alten Job hat er an den Nagel gehängt - und bereut nichts.

Angefangen hat alles mit einem Mannschaftsausflug des VfB Grötzingen zum Ballermann im Jahr 2011. „Wir waren tagelang im Bierkönig“, sagt Michael Reiner gegenüber BW24. „Irgendwann hatten wir die Eingebung: So eine Malle-Party brauchen wir bei uns im Dorf auch.“ Schnell nahm die Idee Gestalt an. „Ich habe den DJ vom Bierkönig gefragt, ob er zu Partys bei uns im Dorf kommen will“, so Reiner. Tatsächlich erschien der DJ kurze Zeit später in Grötzingen, Michael Reiner moderierte die Veranstaltung. „Der DJ hat dann gemeint, ich müsste es mal mit dem Singen probieren. Ich habe gesagt, ich kann gar nicht singen.“ Als er dann doch das Mikro in die Hand nahm und performte, tobte die Party-Menge. „Die Leute haben es gefeiert, weil alle in Grötzingen mich kannten.“

Begegnung mit Ikke Hüftgold am Ballermann: „Er sagte, deine Lieder sind scheiße, aber was du machst, ist witzig“

Angefixt von der breiten Zustimmung in Grötzingen, trat Reiner in den Folgejahren immer wieder als Newcomer auf dem Ballermann auf. Dort blieb der Badener mit seinem Potenzial zum Entertainen auch dem Szene-bekannten Produzenten Ikke Hüftgold nicht verborgen. „Er sagte zu mir: Deine Lieder sind scheiße, aber was du machst, ist witzig.“ Kurze Zeit später gingen die beiden ins Studio, „Killermichel“ erschien zum ersten Mal auf einer CD mit Malle-Hits. Der absolute Durchbruch gelang schließlich 2016 mit „Auswärts sind wir asozial“. Allein auf Spotify hat der Song inzwischen mehr als 16 Millionen Aufrufe und wird besonders von Fußball-Fans gehypt.

Killermichel auf der Bühne, umringt von seinen Fans
Killermichel auf der Bühne, umringt von seinen Fans © Mallorca Party Baden 2021

Während viele am Traum vom Malle-Hit scheitern, hat Reiner einen entscheidenden Vorteil: Er nimmt sich selbst nicht zu ernst. „Ich bin kein professioneller Sänger. Ich bin Entertainer“, sagt er. Gleichzeitig hat er für seine Songs zuerst ordentlich Geld in die Hand nehmen müssen, um sie richtig zu produzieren. „Wer einen Malle-Hit produzieren will, muss schon 3.000 Euro investieren“, sagt er. „Das wissen viele nicht. Deshalb schafft es von 20 Newcomern, die jedes Jahr am Ballermann durchstarten wollen, in der Regel vielleicht einer.“ Die Ideen zu seinen Songs, die er selber schreibt, kommen ihm häufig im Alltag. „Die Idee zu Auswärts asozial hatte ich beispielsweise, als ich einen Typen mit einem T-Shirt mit der Aufschrift ‚Auswärts ist man asozial‘ gesehen habe. Da dachte ich mir: was für ein geiles Thema.“

Killermichel: So war sein Alltag vor Corona

Allein die Malle-Auftritte seien nur Promo, sagt Killermichel. „Manchmal fliegst du einen Tag hin und am selben schon wieder zurück. Viel Geld bekommst du dafür nicht - es ist einfach ein Sprungbrett.“ Deutlich lukrativer seien Auftritte in Diskotheken, beim Karneval oder auf privaten Feiern, für die er gebucht wird. Bevor das Coronavirus den Alltag bestimmte, hatte Michael Reiner 140 bis 160 Auftritte im Jahr. Immer wieder reiste er in die Party-Hochburgen Mallorca, Bulgarien und Lloret de Mar.

Dass die Corona-Pandemie die Party-Szene quasi lahmgelegt hat, ist für Killermichel nur schwer zu ertragen. „Normalerweise läuft unser Geschäft ja so, dass die Leute auf Malle zu einem Hit feiern und ihn nach dem Urlaub immer wieder anhören und sich erinnern. Dieser Effekt fällt jetzt weg“, bedauert er. Wegen zahlreicher gecancelter Auftritte in der Pandemie hat er sich inzwischen ein zweites Standbein aufgebaut: Auf dem Wochenmarkt in Weingarten verkauft er toskanische Spezialitäten - vom Olivenöl über die Salami bis zur Pasta. „Schon vor der Pandemie hatte ich für toskanische Produkte eine große Leidenschaft. Jetzt habe ich das Ganze zu einem Unternehmen ausgebaut und betreibe auch einen Online-Shop.“

Killermichel: Diese frohe Botschaft hat er trotz Pandemie für seine Fans

Bekannt ist Killermichel vor allem beim jüngeren Party-Volk, wie er sagt. Gerade Menschen im Alter von 17 bis 25 würden ihn immer wieder auf der Straße erkennen und um Fotos bitten. Seine große Popularität unter den Jüngeren zeigt sich auch an seinen Follower-Zahlen auf Social Media: Alleine auf Instagram folgen ihm mehr als 28.000 Menschen. Für seine Fans hat Killermichel trotz der unfreiwilligen Ruhepause eine frohe Botschaft: „Neue Lieder habe ich schon in der Hinterhand. Bevor ich die rausbringe, möchte ich aber abwarten, bis das Party-Leben wieder hochfährt.“

Auch interessant

Kommentare