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Mercedes-Benz macht autonomes Fahren schon in drei Jahren für jeden möglich

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Von: Julian Baumann

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Stauassistent von Mercedes
Der „Drive Pilot“ von Mercedes-Benz soll ab 2024 auch in den Massenmodellen des Autobauers zum Einsatz kommen. © Daimler AG

Der fortschrittlichste Autopilot der Welt soll bald auch in die Massenmodelle von Mercedes-Benz eingebaut werden. Bislang ist das nur bei S-Klasse und EQS möglich.

Stuttgart - Die Mercedes-Benz AG steckt mitten in der groß angelegten Transformation zur E-Mobilität. Im vergangenen Jahr leitete der Autobauer mit der Vorstellung der Luxus-E-Limousine EQS eine neue Ära ein, in diesem Jahr soll die elektrische Businesslimousine EQE folgen. Während Mercedes bei den E-Autos in direkter Konkurrenz mit den anderen Herstellern steht, fährt der Konzern aus der Landeshauptstadt Stuttgart den Konkurrenten weltweit bei einer Zukunftstechnologie deutlich davon. Die S-Klasse von Mercedes-Benz darf vollautonom auf der Autobahn fahren. Die Schwaben erhielten als erster und bislang einziger Autobauer der Welt die Freigabe für diese Technik.

Die Stufe drei des autonomen Fahrens bedeutet konkret, dass der Fahrer bei einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h dem Auto komplett das Steuer überlassen kann und nicht mehr eingreifen muss. Bei der Mercedes-Benz AG ist der Einsatz des Autopiloten, „Drive Pilot“ genannt, bislang in der aktuellen Version der S-Klasse und dem elektrischen Pendant EQS möglich. Ab 2024 soll die revolutionäre Technik aber auch in Massenmodellen wie der A-Klasse oder dem CLA Coupé zum Einsatz kommen, berichtet das Handelsblatt. Demnach ist das autonome Fahren in nur drei Jahren für nahezu alle Mercedes-Fahrer möglich.

Mercedes-Benz AG: Autobauer bereitet „Drive Pilot“ für die nächste Autogeneration vor

Die Daimler AG, der Konzern, den es in dieser Form nicht mehr gibt, und dementsprechend auch die inzwischen wirtschaftlich unabhängige Mercedes-Benz AG, gehen bis auf die Erfinder des Automobils, Gottlieb Daimler und Carl Benz, zurück. Das weltbekannte Unternehmen mit dem legendären Mercedes-Stern kann demnach als Erfinder des Autos bezeichnet werden. Mit der Freigabe des autonomen Fahrens der Stufe 3 leistete Mercedes nun eine weitere Vorreiterleistung. „Wir sind Pioniere“, freute sich auch Entwicklungschef Markus Schäfer über den Durchbruch.

Nach der Freigabe für die Modelle S-Klasse und EQS will die Mercedes-Benz AG die Technik auch zügig in anderen Automodellen anbieten. Bislang gibt es den „Drive Pilot“ nur für die hochpreisigen Limousinen und auch nur mit spezieller Sonderausstattung. Das soll sich aber bereits in drei Jahren ändern. Mercedes-Benz bereite den Autopiloten bereits für die nächste Autogeneration mit dem Stern vor, die eben im Jahr 2024 auf den Markt kommen soll, heißt es laut dem Handelsblatt aus Konzernkreisen. „Die Grundsatzentscheidung dafür ist gefallen“, erklärt eine Führungskraft.

Die Plattform, auf der Modelle der Mercedes-Benz AG wie die A-Klasse, der elektrische EQB oder das CLA Coupé basieren, soll so konzipiert werden, dass die aufwendige Technik für das autonome Fahren der Stufe 3 problemlos Platz findet. „Wir werden den Platz für Lidare vorhalten“, bestätigte zudem ein weiterer Manager und verweist damit auf die nötigen Lasersensoren. Deshalb kooperiert Mercedes beim autonomen Fahren mit dem Lidar-Hersteller Luminar. Für die SUV-Versionen von EQS und EQE, die in wenigen Monaten Weltpremiere feiern, ist die Technik laut dem Handelsblatt zunächst nicht vorgesehen.

Mercedes-Benz will auf lange Sicht Freigabe für Roboterautos erreichen

Nicht nur die Modelle von Mercedes-Benz, die aktuell fähig sind, autonom zu fahren, liegen in einer hohen Preisklasse. Auch die entsprechende Sonderausstattung ist mit mehreren Tausend Euro extra vergleichsweise teuer. Insgesamt will Mercedes aber noch stärker auf Luxus setzen, wie Konzern-Chef Ola Källenius bekannt gab. Die Kaufbereitschaft für Hightech-Features sei, vor allem in den wichtigen Märkten USA und China, sehr hoch, so Markus Schäfer laut dem Handelsblatt. In diesen Ländern wollen die Stuttgarter die Freigabe für das Level 3 ebenfalls bald durchsetzen. Diese muss für jedes Land neu beantragt werden.

Noch ist der „Drive Pilot“ der Mercedes-Benz AG durch die Vorgaben des Kraftfahrtbundesamtes sehr limitiert. Der Stuttgarter Konzern hofft jedoch, dass in den kommenden Jahren auch höhere Geschwindigkeiten wie die aktuellen 60 km/h zugelassen werden. Zudem geben sich die Schwaben mit dem Pionier-Erfolg des autonomen Fahrens der Stufe 3 nicht zufrieden, sondern streben auf lange Sicht eine Freigabe für die Stufe 5 an. Diese würde den Einsatz von vollautonomen Roboterautos ermöglichen.

Mit dem fortschrittlichsten Autopiloten der Welt lässt die Mercedes-Benz AG Konkurrenten wie Tesla weit hinter sich zurück. Tesla-Chef Elon Musk verfolgt beim autonomen Fahren allerdings eine radikale Strategie. Laut dem Handelsblatt will der Visionär die Stufe 3 überspringen und den Tesla-Pilot gleich von der aktuellen Stufe 2 auf die Stufe 4 heben. Experten sehen dabei aber eine große Gefahr. „Hier dürfte es schwieriger werden, den Behörden zu beweisen, dass das Fahrzeug in jeder Situation sicher agiert“, erklärte Fabian Brandt, Leiter des Automotive-Teams bei der Strategieberatung Oliver Wyman.

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