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Mehr Schafe als Menschen im Ort – Lämmer-Boom sorgt für Kuriosum auf der Schwäbischen Alb

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Von: Julia Hawener

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Ein Lamm auf einer Wiese.
Seit etwa fünf Wochen grasen die Schafe von Wanderschäfer Stefan Fauser auf den Bleichstätter Weiden. (Symbolbild) © dpa/Horst Ossinger

Ein Lämmer-Boom ist schuld: Im St. Johanner Ortsteil Bleichstetten (Kreis Reutlingen) auf der Schwäbischen Alb leben derzeit mehr Schafe als Einwohner.

Bleichstetten – Flauschig, weich und unglaublich süß: das verbinden viele mit Schafen. Andere denken vielleicht eher direkt an warme Wolle oder das Lammfleisch an Ostern. Für die Bewohner von Bleichstetten im Kreis Reutlingen sind die Tierchen aber vermutlich vor allem eins: Sie sind der ganze Stolz der Gemeinde und der Grund, weshalb der Ort nun auch über die Ortsgrenzen hinweg bekannt ist. Denn in St. Johann-Bleichstetten auf der Schwäbischen Alb leben derzeit mehr Schafe als Menschen.

Seit einigen Wochen lassen es sich die Schafe von Wanderschäfer Stefan Fauser auf den Bleichstätter Weiden gutgehen, wie der SWR berichtet. Nachdem zu seinen 500 Mutterschafen kürzlich 600 Lämmer dazugekommen sind, hat seine Merino-Landschafherde nun insgesamt 1.100 Tiere. Das Dorf zählt dagegen nur 754 Einwohner. Damit sind die Menschen dort jetzt in der Unterzahl.

Mehr Schafe als Menschen: Namen bekommen die Tiere nur im Ausnahmefall

Bei so vielen Tieren fällt es auch dem erfahrenen Schäfer nicht mehr leicht, alle auseinanderzuhalten. Einen eigenen Namen bekommen die flauschigen Tierchen also nur im Ausnahmefall, wie Stefan Fauser dem SWR verrät. „Klar hat man sein bestimmtes Schaf, das immer kommt. Da kann es schon sein, dass es einen Namen bekommt, aber sonst nicht“, sagt Fauser, der bereits in siebter Generation Wanderschäfer ist. Sein Großvater hatte sich 1963 in Pfronstetten (Kreis Reutlingen) sesshaft gemacht. Die Merinoschafe beweiden seitdem Flächen rund um die Gemeinde sowie im Umkreis von Hayingen, Ehestetten und im Truppenübungsplatz in Münsingen.

So unschuldig die Schafe auch aussehen, es sind Nutztiere und der Schäfer verdient mit ihnen sein Geld. Merinowolle etwa ist dafür bekannt, besonders weich und fein zu sein. Das macht sie auch teurer als gewöhnliche Wolle. Den größten Anteil verdient Fauser allerdings, wie er selbst sagt, mit dem Fleisch der Tiere. Das werde zum Teil direkt im Hofladen verkauft. Vorwiegend vermarktet die Schäferei Fauser ihre Ware aber über die geschützte Marke „Württemberger Lamm“ der Baden-Württembergischen Lammfleischerzeugergemeinschaft, schreibt der Betrieb auf seiner Internetseite. Seit 2020 gehört die Schäferei zum Unesco-Kulturerbe.

Wanderschäfer zieht mit seinen Tieren bald weiter

Wanderschäfer ziehen mit ihren Tieren von Weide zu Weide. Das ganze Jahr. Damit spielen sie eine wichtige Rolle bei der Erhöhung der Artenvielfalt. Wie eine Art Taxi transportieren die flauschigen Vierbeiner nämlich in ihrem Fell und über ihren Kot Samen, Insekten und manchmal sogar kleine Tiere wie Schnecken oder Heuschrecken von A nach B. Auch für die eindrucksvolle Herde von Stefan Fauser heißt es bald Abschied nehmen, denn für sie geht es weiter auf die Winterweide in die 4.000-Seelen-Gemeinde Hohentengen im Kreis Sigmaringen - dort dann wieder mit mehr Zwei- als Vierbeinern.

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