Tierquälerei im Südwesten

„Horror-Schweinezucht“: Gegen Mastbetrieb wird nach schockierenden Aufnahmen ermittelt

Eine Szene aus heimlich gefilmten Aufnahmen aus einem Mastbetrieb bei Ulm zeigen mehrere Schweine mit blutigen Ohren.
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Aufgrund von schockierenden Aufnahmen von Tierquälerei wurden Ermittlungen gegen einen Mastbetrieb bei Ulm eingeleitet.
  • Julian Baumann
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Eine Tierschutzorganisation deckte erneut grausame Tierquälereien in einem Schlachtbetrieb in Baden-Württemberg auf. Nun wurden Ermittlungen gegen den Betreiber eingeleitet.

Ulm - In den Supermarktfilialen von Kaufland, Lidl und Co. werden immer mehr Fleischersatz-Produkte angeboten. Dennoch essen nach wie vor viele Menschen gerne und oft Fleisch. Kaufland nahm deshalb Fleisch mit einem neuen Label ins Sortiment, für mehr Tierwohl. Obwohl inzwischen vermehrt auf Bioqualität und ein artgerechtes Halten der Schweine und Hühner geachtet wird, werden immer wieder Schlachtvorgänge aufgedeckt, bei denen die Tiere alles andere als gut behandelt werden. Im vergangenen Jahr zeigte ein Video schockierende Szenen aus einem Schlachthof in Gärtringen. Der Betrieb wurde wenig später temporär geschlossen.

Nur wenige Monate später wurde in Baden-Württemberg ein weiterer Fall von Tierquälerei in einem Schlachtbetrieb bekannt. Heimliche Aufnahmen brachten den Schlachthof in Biberach in Erklärungsnot. In beiden Fällen filmte die Tierschutzorganisation SOKO Tierschutz aus München heimlich in den Betrieben und forderte erschreckende Bilder zutage. Die Münchener Organisation deckte nun offenbar einen weiteren Schlachthof-Skandal im Südwesten auf. In einer Pressemitteilung fordert die SOKO Tierschutz die „sofortige Schließung“ der „Horror-Schweinezucht“. Gemeint ist ein Betrieb im Alb-Donau-Kreis nahe Ulm. Am gestrigen Mittwoch wurde auch die Polizei aktiv und leitete Ermittlungen gegen den Betreiber ein, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Schlachthof bei Ulm: Videos und Bilder zeigen erschreckende Zustände

Die von der SOKO Tierschutz heimlich gefilmten Aufnahmen aus der Schweinezucht in Berghülen bei Merklingen zeigen zum wiederholten Mal in wenigen Monaten erschreckende Zustände in einem baden-württembergischen Schlachtbetrieb. Kadaver von toten Tieren, die in den Fluren liegen, schwer verletzte und im Sterben liegende Schweine, Tiere mit Wunden die bis auf die Knochen reichen und tote Tiere die von ihren Artgenossen aufgefressen werden, zeigen die seit Februar gefilmten Aufnahmen über die zuerst der Südwestrundfunk (SWR) berichtet hatte. Im SWR-Fernsehen wurden zudem am Mittwoch Szenen aus dem Schlachthof gesendet. Die Horror-Aufnahmen aus dem Schweinebetrieb schockieren, wie auch echo24* berichtet.

Die SOKO Tierschutz bemängelt neben den schrecklichen Misshandlungen der Tiere auch die mangelnde Hygiene in dem Betrieb. „Man musste dort über mehrere Kadaver steigen, um überhaupt zu den Tieren zu kommen und Tiere mit schrecklichen Verstümmelungen wurden zum Sterben im Gang abgelegt“, berichtet Friedrich Mülln, Sprecher der SOKO Tierschutz. „Der Boden wimmelte vor Kakerlaken und starte vor Dreck und sogar Nagetierkadavern.“ Die Organisation habe bereits während den Ermittlungen das Veterinäramt eingeschaltet.

Das Landratsamt habe nach dem Bekanntwerden der Tierquälereien in der Schweinezucht bei Ulm Kontrollen durchgeführt. Bereits im Februar sei ein Tierhalteverbot geprüft worden, es sei jedoch nicht rechtlich gedeckt gewesen, berichtet der SWR. Laut der Pressemitteilung der SOKO Tierschutz sei es jedoch auch nach der Kontrolle bei „dem Chaos aus Leid und Tod“ in den Betrieb geblieben. „Dass sich die Zustände trotz Einsatz des Veterinäramts verschlimmerten und es zu neuen Straftaten kam, zeigt, dass die Tierhalter die Behörde nicht fürchten müssen“, so Mülln.

Nach Horror-Aufnahmen aus Schweinzucht: Polizei leitet Ermittlungen gegen Betreiber ein.

Am Mittwoch, 30. Juni, führten Beamte der Polizei Ulm eine Durchsuchung der Schweinezucht in Berghülen durch, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Ein sofortiges Handeln sei nicht erforderlich gewesen, man habe die Zustände jedoch dokumentiert und Beweismittel sichergestellt. Ein Sprecher des Alb-Donau-Kreises bestätigte laut der dpa jedoch, dass im Februar „gravierende Mängel vor allem im Hinblick auf die artgerechte Haltung der Tiere“ in dem Betrieb festgestellt wurden.

Seitdem habe es wiederholt Kontrollen gegeben, doch auch am 7. Mai hätten Amtstierärzte gemeinsam mit Vertretern des Landwirtschaftsministeriums und der Stabsstelle Tiergesundheit, Tierschutz und Verbraucherschutz keinen sofortigen Handlungsbedarf gesehen.

Laut dem Landratsamt habe sich die Lage in der Schweinezucht bei Ulm inzwischen gebessert. Der Betreiber habe den Bestand halbiert und angekündigt, die Zucht vollständig aufgeben zu wollen. Die SOKO Tierschutz fordert jedoch, dass der Betrieb sofort geschlossen wird und es zu harten Konsequenzen in der Behörde kommt, heißt es in der Pressemitteilung. „Dieser Tierarzt und sein Chef gehören sofort entlassen und die Landwirte müssen ein lebenslanges Tierhalteverbot bekommen“, sagte Mülln. Zudem fordert die Tierschutzorganisation aus München einen grundsätzlichen Umbau der Veterinär-Überwachung in Baden-Württemberg. *echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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