Ungewohnte Freiheit

17-Jähriger schenkt Hühnern aus Massentierhaltung ein neues Leben: „Sie hatten sich aufgegeben“

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Mit eiternden Abszessen und traumatisiert kamen 25 Hühner aus Massentierhaltung auf den Hof einen 17-Jährigen - jetzt zeigt er ihnen, wie es ist, in Freiheit zu leben.

Tettnang/Bodenseekreis - Man muss kein Vegetarier sein, damit einem beim Anblick von Bildern, wie sie jüngst in einem Betrieb in Baden-Württemberg unweit von Stuttgart entstanden sind, der Appetit auf Fleisch zumindest kurzzeitig vergeht. Ein Video von Tierschützern zeigte schockierende Szenen aus einem Schlachthof in Gärtringen. Um den immens hohen Bedarf an Fleisch und anderen tierischen Produkten zu decken, gehört die industrielle Massentierhaltung in Deutschland zwischenzeitlich zum Standard.

Auch ohne die besonders grausamen Fälle von Tierquälerei, wie sie immer wieder öffentlich werden, bedeutet diese für die betroffenen Lebewesen jedoch eine unglaubliche Belastung. Für Schweine etwa, die als hochintelligente Tiere gelten, ist die Haltung in Mastbetrieben extrem qualvoll. Die Tiere leben eng aneinander gepfercht, haben Krankheiten oder Verletzungen - viele sehen nie das Sonnenlicht. Aus diesem Grund möchte ein 17-Jähriger aus Tettnang (Bodenseekreis) nun 25 Hühnern aus Massentierhaltung zeigen, wie ein schönes Leben aussieht.

Massentierhaltung: 17-Jähriger nimmt 25 Hühner auf seinem Hof auf - und zeigt ihnen was Freiheit bedeutet

Ein 17-Jähriger zeigte Hühnern wie ein schönes Leben aussieht - zuvor waren sie in Massentierhaltung.

Insgesamt 130 Hühner und zwei Gockel leben auf Nic Dilgers Hof, der zwischen Tennenmoos und Gornhofen liegt. Bei den Tieren handelt es sich wohl um das, was man im Volksmund als „Glückliche Hühner“ bezeichnet. Sie dürfen frei herumlaufen, während sich der Jugendliche hingebungsvoll um sie kümmert, sie füttert und die Ställe säubert. Seit ein paar Wochen haben die Vögel jedoch ein paar neue Mitbewohner, für die so viel Freiheit etwas völlig Neues ist.

Vom Verein „Rettet das Huhn“ übernahm Nic Dilger 25 Hühner, die zuvor in einem mittlerweile stillgelegten Legebetrieb gelebt hatten und mit zum Teil schlimmen Verletzungen auf den Hof kamen. „Alle Hühner haben gebrochene Brustbeine, da sie im Stress immer wieder gegen Gitter oder Stäbe geflogen sind“, erzählte der 17-Jährige dem Südkurier. Gemeinsam mit seiner Mutter versorgte er die eiternden Abszesse der Tiere. „Sie standen nur im Kot und mussten über andere tote Hühner drüber steigen, die einfach im Stall rumlagen“.

Die angeschlagenen Tiere zurück ins Leben zu führen, scheint jedoch nicht einfach zu sein - quasi „aufgegeben“ hätten sie sich, wie der ambitionierte Landwirt berichtet. Als Beispiel nennt er, dass er die Hühner beim Eierlegen sogar hochheben könne - „Ein normales Huhn pickt nach einem, wenn es ein Ei legt“.

25 Hühner aus Massentierhaltung lernen auf Hof von 17-Jährigem, wie ein schönes Leben aussieht

Das Bio-Siegel bekommen die etwa 80 Eier, die Nic Dilger täglich auf seinem Hof findet, übrigens nicht. Der Grund: Früher habe er immer gedacht, dass Bio-Eier die besten seien, „aber viel wichtiger ist es, dass sie aus Freilandhaltung sind“, wird er vom Südkurier zitiert.

Das ist bei den Tieren auf dem Hühnerhof des Jugendlichen definitiv der Fall - die Vögel bewegen sich dort so frei, dass er die Eier manchmal an den „unmöglichsten Orten“ findet. Die 25 Hühner aus der Massentierhaltung müssen sich an so viel Freiheit jedoch vermutlich erstmal gewöhnen.

Rubriklistenbild: ©  Fotomontage: Sebastian Gollnow/dpa, Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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