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Keine neuen russischen Studierenden mehr - Uni Mannheim reagiert auf Ukraine-Krieg

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Von: Franziska Vystrcil

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Studierende sitzen während einer Vorlesung im Hörsaal
Die Universität Mannheim wird als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine keine neuen russischen Studierenden mehr aufnehmen (Symbolbild). © Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

Die Universität Mannheim hat auf den Ukraine-Krieg reagiert und beschlossen, dass vorerst keine neuen russischen Studierenden mehr aufgenommen werden.

Mannheim - Der Krieg in der Ukraine scheint weit weg zu sein und doch ist er ganz nah. Auch im Alltag in Baden-Württemberg sind die Auswirkungen zu spüren - egal ob in der Wirtschaft, beim Einkaufen oder anhand der Bilder, die uns tagtäglich aus dem Krisengebiet erreichen.

Viele Menschen im Land stehen auf der Seite der ukrainischen Bürger. Die Solidarität nimmt dabei unterschiedliche Formen und auch Ausmaße an. Der Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers spielte statt in blauen Trikots in „Gelb-Blauen“. Viele Städte in Baden-Württemberg denken unter anderem darüber nach, die Beziehungen zu russischen Partnerstädten zu beenden. Die Landeshauptstadt Stuttgart etwa prüft eine mögliche Städtepartnerschaft mit einer ukrainischen Gemeinde.

Die Universität Mannheim geht nun einen Schritt weiter und beschränkt den Austausch mit Russland. Das heißt konkret: Es sollen vorerst keine neuen russischen Studierenden mehr aufgenommen werden.

Uni Mannheim nimmt keine russischen Studierenden mehr auf: Rektor zeigt sich solidarisch mit der Ukraine

In einer Videobotschaft auf der Seite der Universität äußerte sich Rektor Thomas Puhl zur aktuellen Situation. „Es dreht mir den Magen um, wenn ich in diesen Tagen an die Ukraine denke“, beginnt er seine Ansprache. Der Überfall Russlands auf die Ukraine sei durch nichts zu rechtfertigen. Auch die Universität sieht sich in der Pflicht, den Ukrainern zu helfen. „Wir haben an unserer Universität über hundert russische, weißrussische und ukrainische Staatsangehörige“, so der Rektor. Viele von ihnen seien Doktoranden, Austauschstudierende, Wissenschaftler oder auch Verwaltungsmitarbeiter.

Dabei sei der Anteil der Russen höher als der Anteil der Ukrainer. Ihnen allen gegenüber habe die Universität eine Fürsorgepflicht, betont der Rektor. Gleichzeitig sehe man sich aber auch in der Pflicht, sich mit den Opfern des Krieges zu solidarisieren. „Wir helfen praktisch und sind mit vielen Betroffenen dazu schon in Kontakt. Wir haben eine Koordinationsstelle im akademischen Auslandsamt gegründet, für die Studierenden, aber auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.“

Die Hilfe der Universität ist dabei vielseitig. Man kümmere sich um Aufenthaltsverlängerungen, helfe bei der Wohnungssuche, Finanzierungen oder bei einem Studiengebührenerlass. Gemeinsam mit dem Studierendenwerk bietet die Universität Betroffenen auch psychologische Hilfe in einer Beratungsstelle an. Auch auf Kriegsflüchtlinge stellt sich die Universität Mannheim ein, will Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. „Wir bereiten uns vor auf eine wirklich große Flüchtlingskrise. Insbesondere für Ukrainer, aber auch für Drittstaatler, die aus der Ukraine zu uns kommen.“ Mithilfe von Sprach- und Brückenkursen wolle man ihnen unter die Arme greifen.

Mannheimer Rektor betont: Man wolle „ermutigen, Türen für eine gemeinsame Zukunft offenzuhalten“

Doch wie die Universität mit russischen Studenten und Beziehungen zu Russland umgehen wolle, musste die Bildungseinrichtung lange abwägen. Inzwischen ist eine Entscheidung gefallen. „Ein besonders schwieriger Umgang ist der mit unseren russischen und belarussischen Partnern“, erklärt Thomas Puhl. „Brechen wir mit denen abrupt ab, um in Solidarität mit der Völkergemeinschaft, mit vielen Wirtschaftsunternehmen und der Gesellschaft, ein klares Zeichen gegen diesen verbrecherischen Krieg zu setzen?“, stellt er als Frage in den Raum. Statt die Beziehung komplett abzubrechen, wolle man russischen Studierenden „unser Verständnis näher bringen“ und diese „ermutigen, Türen für eine gemeinsame Zukunft offenzuhalten“, so Thomas Puhl weiter.

Alle Umstände seien dabei noch nicht geklärt. „Wir sind bei all diesen Fragen noch nicht am Ende angelangt und noch in Abstimmung mit vielen Partnern.“ Denn eine Rolle spiele dabei auch, wie sich die russischen und belarussischen Partner zum Krieg positionieren werden. Die vorläufige Antwort lautet jedoch: „Bestehende Aufenthalte russischer und belarussischer Staatsbürger, Degree-Seeking-Students, Austauschstudierende, Doktoranden, Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter usw., sollten in aller Regel fortgesetzt werden. Das sind unsere Gäste, das sind Mitglieder unserer Universität. Sie werden nicht diskriminiert, nicht geächtet, es gibt keine Sippenhaft und keine Kollektivschuld“, stellt Thomas Puhl klar.

Anders wolle man aber neue Studierende aus Russland handhaben. „Ein neuer Austausch soll auf Eis gelegt werden. Das heißt, wir nehmen grundsätzlich neue Studierende nicht rein, nehmen nicht neue Partnerschaftsabkommen in Angriff.“ Mit Nachdruck betont er nochmals: „Wichtig ist mir: Wir legen auf Eis, aber wir kündigen nicht endgültig die Abkommen, die wir haben. Bedeutet: Wir wollen Anknüpfungspunkte für die Zukunft offen halten. Und das muss gut kommuniziert werden.“ Thomas Puhl will den Austausch und die Diskussion weiter am Leben halten. Aus diesem Grund findet am Freitag (11. März) eine Podiumsdiskussion an der Uni Mannheim statt.

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