Verbindung zur Kolonialzeit

Rassismus-Debatte in Mannheim: Vier Straßen sollen umbenannt werden

  • Valentin Betz
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Rassismus ist auch in Baden-Württemberg noch ein Problem. In Mannheim wird deshalb über Straßennamen diskutiert - mit sehr gegensätzlichen Ansichten.

Mannheim - Leider ist auch im Jahr 2020 Rassismus noch ein Problem. Durch den gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd trat das Thema in diesem Jahr besonders in den Fokus. Menschen auf der ganzen Welt solidarisierten sich und demonstrierten gegen Rassismus, auch in Stuttgart.

Unbekannte gedachten George Floyd in Stuttgart mit einem riesigem Graffiti. In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg wurde daraufhin viel über das Thema diskutiert. Eine Petition forderte, ein rassistisches Symbol eines Stuttgarter Stadtteilwappens zu entfernen.

Doch auch andere Städte stritten über den Umgang mit rassistischen Symbolen. In Freiburg wurde über die Büste eines Judenhassers diskutiert. Selbst die Kirche begann, Traditionen und Bräuche zu hinterfragen. Das Ulmer Münster verbannte wegen der Rassismus-Debatte die Heiligen Drei Könige aus der Krippe. Jetzt ist die Diskussion auch in Mannheim angekommen. Anlass sind Straßennamen, die Persönlichkeiten aus der Kolonialzeit gewidmet sind.

Debatte über Rassismus in Mannheim: Straßennamen würdigen Personen aus der Kolonialzeit

Im Zentrum der Debatte in Mannheim stehen drei Straßen im sogenannten „Viertel der Kolonialpioniere“ in Rheinau-Süd, wie die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) berichtet. Sie alle tragen die Namen von Personen, die in den Kolonien Deutschlands für Gräueltaten verantwortlich gemacht werden, die dortige Bevölkerung unterdrückt und ausgebeutet haben: Adolf Lüderitz, Gustav Nachtigal und Theodor Leutwein.

Rassismus-Debatte: Mannheim will Personen der Kolonialzeit nicht mehr mit Straßenschildern würdigen. Auch in Berlin gibt es eine Lüderitzstraße (im Bild).

Eine weitere Straße außerhalb von Rheinau-Süd ist außerdem nach dem schwedischen Naturforscher und Hitler-Verehrer Sven Hedin benannt. Die Stadt Mannheim will diesen vier Personen deshalb keine Bühne mehr bieten und die Straßennamen ändern. Erstaunlicherweise bekommt die Verwaltung aber deutlichen Gegenwind - von den Bewohnern von Mannheim-Rheinau.

Umbenennung von Straßen in Mannheim: Bewohner wollen die Namen behalten

Laut einer Umfrage sprechen sich über 90 Prozent der Anwohner gegen die Umbenennung aus. „Obwohl wir genau wissen, was die verbrochen haben“, so der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Rheinau-Süd zur RNZ. Die Bürger des Stadtviertels in Mannheim stören sich einerseits daran, dass die Verwaltung die Straßen über sie hinweg umbenennen wollte.

Andererseits geht es bei der Debatte auch um die Geschichte der schon seit 1930 existierenden BASF-Siedlung, in der sich die Straßen befinden. Damals sei es normal gewesen, Straßen nach Persönlichkeiten aus der Kolonialzeit zu benennen, so der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft zur RNZ. „Es handelt sich um Straßen in der Ursiedlung“, erklärt er. Die Namen seien identifikationsstiftend.

Statt der Umbenennung schlagen die Bürger von Rheinau-Süd vor, die Straßenschilder um eine geschichtlich einordnende Plakette zu den Personen zu erweitern - allerdings nicht bei Sven Hedin. „Der Weg befindet sich im Neubaugebiet, den gibt es erst seit 1984“, erklärt der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft der RNZ. „Da würden wir uns nicht gegen eine Änderung stellen, zumal Hedin ein glühender Hitler-Verehrer war.“

Debatte über Straßennamen: Stadtverwaltung von Mannheim bindet Bürger mit ein

Aufgrund des Widerstands gegen die Umbenennung der rassistischen Straßennamen hat die Verwaltung in Mannheim inzwischen beschlossen, die Bürger mit einzubinden. Noch ist aufgrund der Corona-Pandemie allerdings unklar, wann und wie zum Beispiel eine Bürgerinformation stattfinden kann.

Durch eine mögliche Änderung der Straßennamen kämen auf die Bürger und Anwohner auch Kosten zu. Die Adressänderungen in Ausweisdokumenten und Fahrzeugscheinen würde zwar die Stadtverwaltung Mannheim übernehmen. „Arbeitskleidung, Schriftzüge an Firmenfahrzeugen, Visitenkarten, Internetauftritt – das alles muss geändert werden“, erklärt der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Rheinau-Süd allerdings der RNZ. Deshalb soll der Hauptausschuss des Gemeinderats über die Zusatzkosten diskutieren.

Rubriklistenbild: © dpa/Sophia Kembowski

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