„Waschechter Eiszeit-Bewohner“

Spektakuläre Entdeckung: Flusspferde lebten noch bis vor 30.000 Jahren im Rhein

Ein Flusspferd schaut aus seinem Wasserbecken im Zoo zu den Besuchern.
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Neue Erkenntnisse zum Vorkommen von Flusspferden im Rhein überraschen die Wissenschaft.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Ein Forscherteam hat nachgewiesen: Flusspferde lebten am Rhein gleichzeitig mit Mammuts. Beweise dafür liefern Untersuchungen von Knochenfunden.

Mannheim - Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass das Flusspferd am Rhein Ende der letzten Warmzeit vor 116.000 Jahren ausgestorben ist. Nun korrigierte ein interdisziplinäres Forscherteam diese Erkenntnis. Wie die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim mitteilten, tummelten sich Vertreter von „Hippopotamus amphibius“ noch vor rund 30.000 Jahren im Rhein - also zur gleichen Zeit, als auch Mammutherden in der Oberrheinregion unterwegs waren.

„Das Flusspferd ist am Rhein also ein waschechter Eiszeit-Bewohner. Das zeigt, dass die Tiere in der Lage waren, sich gut an die entsprechenden Temperaturen und Umweltverhältnisse im kaltzeitlichen Oberrheingraben anzupassen“, erklärte Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).

Flusspferde am Oberrhein: Knochenfunde gaben Aufschluss über ihr Vorkommen

Konkret haben die Experten des Museums gemeinsam mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie und der Universität Potsdam fünf Jahre lang Hunderte von Knochenfunden untersucht. Auf Basis der Radiocarbonmethode haben sie herausgefunden, dass die Flusspferde zwischen 48.000 und 30.000 Jahren vor unserer Zeit noch im Oberrheingebiet lebten. Das Projekt trägt den Titel „Eiszeitfenster Oberrheingraben“.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit revidieren bisher gängige Vorstellungen von der Lebenswelt der letzten Eiszeit in Baden-Württemberg. Der Oberrheingraben erstreckt sich von Basel bis Frankfurt. Auch auf die Ausstellung „Eiszeit-Safari“ in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim hat das Projekt einen Einfluss: Wie die Museumsgruppe mitteilte, stehen die Flusspferde in der Ausstellung jetzt in direkter Nachbarschaft zur Mammutgruppe.

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