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Tiertafel kümmert sich um Haustiere von Bedürftigen: „Wir unterstützen, wo wir können“

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Von: Sina Alonso Garcia

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Die Tiertafel in Oberstenfeld sammelt Futter und andere Spenden für Tiere von Bedürftigen. 35 tierliebe Ehrenamtliche sorgen dafür, dass die Regale gefüllt sind und die Spenden rechtzeitig ankommen.

Oberstenfeld - Es kann jeden treffen: Man wird schwer krank, verliert seine Arbeit oder rutscht in eine mickrige Rente und plötzlich reicht das Geld nicht mehr zum Leben - geschweige denn, um ein Haustier zu versorgen. Wer plötzlich mit Hartz IV oder einer kleinen Altersvorsorge auskommen und zudem eine Katze, einen Hund oder ein Kleintier ernähren muss, steht vor einem Dilemma. „Für viele dieser Menschen sind ihre Haustiere ihr einziger Halt im Leben“, sagt Bettina Reichel, erste Vorsitzende der Tiertafel in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg), im Gespräch mit BW24.

Auf einer Fläche von 75 Quadratmetern sammelt die Tiertafel Futter, Körbchen, Fressnäpfe, Leinen, Halsbänder - und alles andere, was Tiere eben so brauchen. Ehrenamtliche Tafel-Mitglieder verpacken kiloweise Säcke Futter für 40 Tierhalter aus den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn. Insgesamt 80 Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen und Kaninchen bekommen so regelmäßig genug zu fressen.

„Alle drei Wochen fahren wir die Pakete an die Besitzer aus - die meisten von ihnen haben kein eigenes Auto“, erklärt Michaela Bakowski, zweite Vorsitzende des Vereins. Im dreiwöchigen Turnus liefert die Tiertafel zwei Drittel der durchschnittlich benötigten Futtermenge an die Bedürftigen aus. Ein Drittel muss der Tierhalter selber aufbringen. Auch Kosten für den Tierarzt übernimmt der Verein zu einem Großteil.

Tiertafel Ludwigsburg-Heilbronn: „Die meisten Spenden kommen vom Fressnapf in Ilsfeld“

Fast täglich steht Michaela Bakowski im Lager, sortiert die Spenden und packt Pakete. „Ein Fitnessstudio brauche ich bei der Schlepperei hier nicht mehr“, lacht sie. Alleine das Futterpaket für eine Besitzerin von drei Hunden, das Bakowski gerade verpackt hat, wiegt mehr als 26 Kilogramm. Insgesamt kommt für die 100 Tiere in drei Wochen eine Menge von fast 300 Kilogramm an Futter und Spendenmaterial zusammen.

„Die meisten Spenden hier kommen vom Fressnapf in Ilsfeld“, erklärt Bakowski. Auf einer Aktionsfläche würden Kunden dort gezielt angesprochen, neben ihren regulären Einkäufen auch etwas für die Tiertafel zu kaufen. „Für den Fressnapf und für uns ist das eine Win-Win-Situation“, so Bakowski. Auch die Kaufland-Filiale in Ilsfeld kooperiert mit der Tiertafel. Dort können Kunden ihre Pfandflaschen in eine Sammelbox werfen, deren Erlös später direkt an die Tafel geht.

Die Vereinsvorsitzenden der Tiertafel, Bettina Reichel (links) und Michaela Bakowski, im Lager der Tafel in Oberstenfeld.
Die Vereinsvorsitzenden der Tiertafel, Bettina Reichel (links) und Michaela Bakowski, zeigten BW24 ihr Lager. © Sina Alonso Garcia/BW24

Tiertafel auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten - altes Gelände wird abgerissen

Auch Privatleute geben regelmäßig Spenden bei der Tiertafel ab. „Wir haben eine Familie, die regelmäßig ein mit Tierbedarf vollgeladenes Auto bei uns vorbeischickt - sie möchten allerdings anonym bleiben“, sagt Bakowski. Immer wieder finden Mitarbeiter der Tiertafel vor ihrer Haustüre Spenden vor - „auch hier wissen wir nicht immer, von wem sie kommen.“ Viele Spender melden sich zudem über die Website des Vereins oder soziale Netzwerke.

Ein tierlieber Mensch ist offenbar auch der Vermieter des Lagers auf dem Fabrikgelände in Oberstenfeld, der dem Verein die Räumlichkeiten für einen „symbolischen Betrag“ zur Verfügung stellt. Aktuell muss sich die Tiertafel leider nach einer neuen Bleibe umschauen. „Das Gelände wird abgerissen, weil die Firma pleite gegangen ist“, erklärt Bettina Reichel. Wann genau der Abriss vollzogen wird, wisse man nicht. „Natürlich müssen wir uns jetzt schon nach neuen Räumen umschauen, um rechtzeitig etwas Neues zu finden.“ Am liebsten wäre dem Verein ein Standort inmitten der Landkreise Ludwigsburg und Heilbronn, ähnlich wie das Bottwartal.

Tiertafel-Vorsitzende: Menschen helfen, damit sie ihr geliebtes Tier nicht abgeben müssen

„Wichtig zu erwähnen wäre, dass wir nur Tierhalter bei uns annehmen, die ihr Haustier schon besessen haben, bevor sie bedürftig wurden“, erklärt Reichel. „Das wird von uns im Voraus genau geprüft. Der Hintergedanke soll nicht sein: Ich schaffe mir ein Haustier an und lasse andere die Kosten übernehmen.“ Vielmehr sei es wichtig, Menschen, die bereits ein Haustier hatten, bevor sie finanziell abrutschten, zu unterstützen, damit sie ihr geliebtes Tier nicht abgeben müssen. Zudem prüft der Verein vorab, ob die Tiere artgerecht gehalten werden.

Die Arbeit der 35 Ehrenamtlichen, Bettina Reichel und Michaela Bakowski mit eingeschlossen, geht weit über das hinaus, was man unter „ein bisschen Ehrenamt“ verstehen würde. Alleine Bakowski arbeitet jede Woche 20 Stunden im Lager. Die Vereinsvorsitzende Reichel ist praktisch Tag und Nacht für die 40 Tierhalter erreichbar und springt ein, wenn es Notfälle für den Tierarzt gibt. „Alle unsere Mitglieder sind sehr sozial und unglaublich aktiv - wir helfen, wo wir können“, so Bakowski. Oft gehe es nicht nur darum, die Tierhalter mit Futter für ihre Vierbeiner zu versorgen, sondern ihnen auch bei anderen Aspekten unter die Arme zu greifen - beispielsweise, wenn es um kleinere Wartungsarbeiten an Gehegen geht.

Wer die Tiertafel mit einer Spende unterstützen möchte, hat auf der Spendenplattform www.betterplace.org die Möglichkeit dazu. Weitere Informationen finden sich unter www.tiertafel-lb-hn.de sowie auf Facebook und Instagram.

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