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Sensationsfund in Ludwigsburg: Mehr als 1.300 Jahre alte Skelette unter Haus gefunden

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Von: Franziska Vystrcil

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Archäologischer Fund eines Skeletts
Im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen wurden bei Bauarbeiten Skelette auf einem Privatgrundstück entdeckt (Symbolbild). © Martin Schutt/dpa

Unter einem Haus im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen wurden mehrere Gräber entdeckt. Die Skelette und deren Mitgaben sind über 1.300 Jahre alt.

Ludwigsburg - Egal ob Weltkriegsbombe, Relikte aus dem römischen Reich oder Funde aus dem Mittelalter: Immer wieder werden Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten entdeckt. Auch in Baden-Württemberg wurde schon so manch spektakulärer Fund gemacht. In Freiburg gruben Archäologen rund 400 menschliche Skelette aus, die vermutlich im Mittelalter an Lepra gestorben waren.

Einen ähnlich sensationellen Fund gab es in Ludwigsburg: Auf ein Alter von über 1.300 Jahren schätzen Archäologen die Knochen, die auf einem Grundstück im Stadtteil Neckarweihingen entdeckt wurden. So spektakulär der Fund ist, so gruselig ist er zugleich. Denn dass ausgerechnet auf ihrem Bauplatz ein riesiger Friedhof liegt, damit haben die Bauherren wohl nicht gerechnet.

Sensationsfund in Ludwigsburg: Unter der Erde lagen 38 Gräber verborgen

Bis kurz vor dem Fund stand auf dem Grundstück im Kindergartenweg noch ein Haus aus den 1960er Jahren. Dieses wurde abgerissen, denn dort soll ein Neubau entstehen, wie die Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) berichtete. Bei den Arbeiten entdeckten die Bauarbeiter die Knochen. Dabei handelt es sich nicht um den ersten Fund dort: Auf der anderen Straßenseite wurden in den 1980ern ebenfalls 20 Gräber aus alamannischer Zeit entdeckt. Ein Hinweis darauf, dass sich im Gebiet ein ganzer Friedhof befunden haben könnte. Dorothee Brenner, zuständige Gebietsreferentin vom Landesamt für Denkmalpflege, war sich laut der LKZ sicher, dass auf den umliegenden Grundstücken noch weitere Gräber liegen könnten. „Insgesamt waren es wohl mehrere Hundert Gräber“, sagte sie.

Der Fund im Kindergartenweg ist jedoch um einiges größer als der aus den 1980er Jahren: 38 Gräber legten die Archäologen frei. Bei einigen der Toten handelte es sich wohl um angesehene Männer, denn mit in ihren Gräbern lagen unter anderem Waffen. Ein Schildbuckel, eine Lanzenspitze, ein Kurzschwert sowie ein Langschwert förderten die Ausgrabungen in zwei der vielen Gräber zutage. Sogar eine Schwertscheide und Bronzeverzierungen, die von einem Gürtel stammen könnten, haben die Zeit überdauert. „Das waren keine armen Bauern“, sagte Dorothee Brenner mit Blick auf den Fund.

Verzierte Tongefäße, Schweineknochen und Hühnereier wiesen zudem darauf hin, dass die Toten zahlreiche Gaben mit in die Grabstätten bekommen haben. Speisen und Getränke sollten den Verstorbenen als Proviant für ihre letzte Reise dienen. Auch Werkzeug, ein Kamm oder Schmuck wie Ohrringe oder Ketten wurden in einigen Gräbern gefunden. Besonders war auch ein Fund in Italien: Archäologen entdeckten das Skelett eines Römers, der beim Ausbruch des Vesuvs „verdampft“ ist.

Archäologischer Fund in Ludwigsburg: Kinder- und Säuglingsknochen geborgen

Nicht nur ausgewachsene Männer lagen im Kindergartenweg begraben, auch zahlreiche Säuglinge und Kinder. Nichts Ungewöhnliches, denn im 6. und 7. Jahrhundert herrschte eine hohe Kindersterblichkeit. In einem der Kindergräber fanden die Archäologen ebenfalls eine Beigabe, eine gut erhaltene bunte Glasperlenkette.

Doch nicht jeder der Toten bekam solch reiche Gaben mit auf den Weg. Viele wurden sogar ohne Särge in die Erde gelegt. Vom Holz der Särge ist nach über 1.300 Jahren nichts mehr übrig, jedoch können die Forscher das Holz anhand von Verfärbungen im Boden nachweisen. Auch in Backnang machten Bauarbeiter in einer 900 Jahre alten Kirche einen gruseligen Fund: Bei Grabungen legten sie die Knochen einer Familie frei.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 28. März 2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Im nächsten Schritt werden die geborgenen Knochen sowie Zähne aus Ludwigsburg anthropologisch ausgewertet. Somit können die Forscher genaueres zur jeweiligen Person, deren Alter, Geschlecht und sogar zu Krankheiten oder Verletzungen sagen. Bald wird sich also mehr dazu sagen lassen, wie die Menschen vor 1.300 Jahren im heutigen Neckarweihingen gelebt haben.

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