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Vermisste Scarlett S.: Bietigheimer organisiert seit 1,5 Jahren ehrenamtliche Suche

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Von: Sina Alonso Garcia

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Scarlett S. und Joschka Hackl
Joschka Hackl aus Bietigheim-Bissingen begibt sich seit über einem Jahr auf Spurensuche nach der vermissten Scarlett S. © Polizeipräsidium Freiburg/ Joschka Hackl (Fotomontage BW24)

Als er im September 2020 vom Verschwinden der 26-jährigen Scarlett S. im Schwarzwald erfuhr, bot Joschka Hackl aus Bietigheim seine Hilfe an. Bis heute koordiniert er ehrenamtlich die Suche.

Bietigheim-Bissingen - In Baden-Württemberg werden jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen als vermisst gemeldet. Die Hälfte der Fälle klärt sich innerhalb einer Woche, manche beschäftigen Polizei und Angehörige jedoch über Monate oder sogar Jahre. Bislang ungeklärt ist auch das Verschwinden der 26-jährigen Scarlett aus Nordrhein-Westfalen, von der seit ihrer Wanderung im Schwarzwald im September 2020 jede Spur fehlt.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 4.01.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Von Scarletts rätselhaftem Verschwinden erfuhr zum damaligen Zeitpunkt auch Joschka Hackl aus Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg). „Ich wandere privat sehr viel und bin deshalb auf Facebook in einigen Wandergruppen unterwegs“, sagt der 27-Jährige im Gespräch mit BW24. „In einer der Gruppen postete Scarletts Schwester eine Woche nach dem Verschwinden einen Suchaufruf.“ Schnell seien die Kommentare unübersichtlich geworden, weshalb er der Schwester anbot, eine eigene Facebookseite für die Suche einzurichten. Seither koordiniert er gemeinsam mit einer weiteren Ehrenamtlichen die Suche und informiert freiwillige Helfer über die Entwicklungen.

Nach Scarletts Verschwinden: Familie ist dankbar für die Hilfe

Scarletts Familie, die in Nordrhein-Westfalen lebt, zeigte sich für die Hilfe aus Baden-Württemberg sehr dankbar. „Durch die enorme Entfernung von NRW aus können sie nicht einfach regelmäßig nach ihr suchen“, erklärt Hackl. Obwohl er selbst die junge Frau vor ihrem Verschwinden nicht kannte, spürte der Veranstaltungstechniker eine Motivation, der Familie zu helfen. „Es gibt nichts Furchtbareres, als wenn eine Familie diese Ungewissheit durchmachen muss.“ Mittlerweile hat der Bietigheimer immer wieder telefonisch Kontakt zu Scarletts Angehörigen - „auch persönlich haben wir uns schon mehrmals vor Ort bei der Suche getroffen.“

Wer am 10. September 2020 - es war ein Donnerstag - zwischen Todtmoos und Wehr oder auch zwischen Wehr und Stühlingen unterwegs gewesen ist und irgendwas Auffälliges wahrgenommen, Video oder Bildaufnahmen hat, oder sogar Scarlett gesehen haben will, soll sich bitte bei uns melden.

Joschka Hackl

Anfangs glaubte Hackl noch, man würde Scarlett bei den unzähligen Suchaktionen finden. „Dass es so lange gehen würde und so schwierig würde, hätte ich niemals gedacht.“ Dennoch will er die Hoffnung nicht aufgeben. „Es ist zwar sehr schwierig, aber nicht unmöglich. Wir können Scarlett finden und das spornt alle an, weiterzumachen.“ Immer noch gebe es Menschen, die fast jede Woche nach ihr suchen. Auch er selbst hat weiterhin Gebiete auf seiner To-Do-Liste, die er unbedingt noch absuchen möchte.

„Bitte findet Scarlett“: Handfeste Hinweise fehlen bislang

Mit der offiziellen Gruppe „Bitte findet Scarlett“ auf Facebook und Instagram haben Hackl und die Helfer bereits tausende Menschen mobilisiert. Dennoch muss er feststellen: „Leider ist Scarletts Vermisstenfall in Deutschland oder auch in anderen Nachbarländern kaum bekannt - was die Suche sehr erschwert, da es eben keine handfesten Hinweise gibt.“ Dennoch ist er überzeugt: „Je mehr Aufmerksamkeit der Fall bekommt, desto größer ist die Chance, etwas Brauchbares zu erfahren.“ Gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Patricia Lindinger war Hackl erst kürzlich in der SWR-Landesschau zu Gast, wie auch unser Partnerportal Echo24.de* berichtete.

Viele der ehrenamtlichen Helfer nehmen unzählige Kilometer auf sich, um bei der Suche dabei zu sein. Allein in einem Jahr sind dabei schon mehrere tausend Euro an Spritgeld ausgegeben worden. Um die Such-Aktionen finanziell zu stemmen, haben Joschka Hackl und Patricia Lindinger eine Spenden-Plattform eingerichtet. Unter www.gofundme.com/bitte-findet-scarlett besteht die Möglichkeit, die Suche zu unterstützen. Das Geld wollen die Ehrenamtlichen unter anderem für professionelle Drohnen oder private Mantrailer aufwenden, um eine bessere Einsicht in die Suchgebiete zu bekommen.*Echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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