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RS-Virus bringt Kinderkliniken im Land an die Grenzen - „stehen vor dem Kollaps“

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Von: Franziska Vystrcil

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Ein Kinderarzt hört am Klinikum Stuttgart ein Kleinkind ab
Immer mehr Kleinkinder werden aktuell mit einer RS-Virus-Infektion in die Kliniken im Kreis Ludwigsburg eingeliefert. © Sebastian Gollnow/dpa

Nicht nur das Coronavirus macht den Kliniken im Land schwer zu schaffen. Aktuell grassiert auch noch der RS-Virus und bringt vor allem Kinderkliniken an ihre Grenzen.

Ludwigsburg - Zwei Jahre hält das Coronavirus in Baden-Württemberg nun schon alle in Atem. Nach Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen und Warnstufen scheint das Virus noch immer Hauptthema Nummer eins zu sein. Doch es lauern noch weitere Gefahren: Aktuell breitet sich auch ein weiterer Virus rasant aus.

Das RS-Virus, das Humane Respiratorische Synzytial-Virus, stellt momentan viele Kinderkliniken im Land vor große Herausforderungen. Vor allem Kleinkinder infizieren sich mit ihm und bringen Ärzte momentan an ihre Grenzen. Noch nie gab es so viele Infektionen mit dem RS-Virus wie in diesem Jahr.

RS-Virus breitet sich rasant aus - Kinder haben durch Corona-Pandemie schwaches Immunsystem

Schuld an der rasanten Ausbreitung des RS-Virus ist ausgerechnet das Coronavirus: Durch Hygienemaßnahmen und Lockdowns sind Kinder während der Pandemie seltener erkrankt. Folglich mussten sich die Körper der Kinder aber auch weniger mit Viren, Erregern und Co. auseinandersetzen; ihre Immunsysteme sind geschwächt. Die Folge: Kinderärzte in Baden-Württemberg werden überrannt, gerade auch wegen Infektionen mit dem RS-Virus. Dieses sollte keinesfalls unterschätzt werden, denn das RS-Virus kann Kindern durchaus gefährlich werden, berichtet auch vita24.de*.

So gefährlich ist das RS-Virus:

Das Respiratorische Synzytial-Virus, abgekürzt auch RS-Virus oder RSV genannt, kommt auf der ganzen Welt vor. Der Erreger befällt die oberen und unteren Atemwege. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion oder durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Gegenständen übertragen. Es gilt zudem als höchst ansteckend und kann auch noch nach mehreren Wochen übertragen werden. Am häufigsten tritt die Infektion mit dem RS-Virus in den ersten beiden Lebensjahren auf. Vor allem bei Säuglingen kann die Erkrankung in den ersten drei Lebensmonaten einen schweren Verlauf haben. Bei Frühgeborenen und Kindern mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens kann die Erkrankung besonders schwere Verläufe annehmen.

„Zwei Winter lang haben die Kinder kaum Infektionen wegen des Lockdowns und der Schließung der Kindergärten bekommen, ihre Immunabwehr ist im Keller“, sagt Jochen Meyburg, ärztlicher Direktor der Kinderklinik im RKH-Klinikum Ludwigsburg, gegenüber der Bietigheimer Zeitung. Viele Kinderkliniken im Kreis Ludwigsburg sind derzeit völlig überlastet. Immer mehr Kinder landen mit Atemwegserkrankungen auf den Stationen. „Wie auch andere Kinderkliniken im Land steht auch unsere kurz vor dem Kollaps“, sagt Jochen Meyburg weiter. Zwar grassiere das RS-Virus mal mehr, mal weniger, doch in diesem Jahr sei es besonders schlimm. „In all den Jahren habe ich es noch nicht erlebt, dass so viele Kinder betroffen sind“, so der Kinderarzt.

Ludwigsburger Klinik-Chef wegen RS-Virus-Infektionen besorgt: „Die Lage ist katastrophal“

Das Klinikum in Ludwigsburg musste bereits Kinder in andere Kliniken verlegen, da zu wenig Betten zur Verfügung stehen. Denn da das Virus hoch ansteckend ist, müssen die Kinder isoliert werden. In der Isolierstation im Ludwigsburger Kinderklinikum können 22 Kinder behandelt werden. Seit zwei Wochen ist diese laut Jochen Meyburg ständig belegt. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Jeden Tag würden zehn Kinder entlassen, doch sofort kämen zehn erkrankte nach. „Die Lage ist katastrophal.“

Ich weiß, dass die Eltern mit kranken Kindern den Kinderärzten gerade die Bude einrennen.

Jochen Meyburg, ärztlicher Direktor der Kinderklinik im RKH-Klinikum Ludwigsburg

Besonders schnell breite sich das Virus zudem aus, da die meisten Kinder nur einen leichten Verlauf hätten. Das Virus bleibe daher oft unbemerkt und werde so weitergetragen. Im Klinikum werden die besonders schweren Verläufe behandelt. Denn vor allem Säuglinge sind bei einer Ansteckung mit dem RS-Virus gefährdet. Infizierte Neugeborene erschöpfen leicht, hören auf zu trinken und müssen daher in den Kliniken Flüssigkeit per Tropf zugeführt bekommen. Infizierte Kleinkinder auf der Station leiden unter Atemnot und Husten. Jochen Meyburg ist besorgt, wie es weitergeht, denn: „Ich weiß, dass die Eltern mit kranken Kindern den Kinderärzten gerade die Bude einrennen.“

Die Ansteckungen mit dem RS-Virus finden in Baden-Württemberg aktuell vor allem in Kindergärten statt. Wie die Bietigheimer Zeitung erfahren hat, gab es in vier Kindertagesstätten im Kreis Ludwigsburg einen großen Ausbruch. Einen Impfschutz gegen das Virus gibt es aktuell nicht, lediglich eine RSV-Prophylaxe wird bei Risikopatienten, also etwa bei Frühgeborenen oder bei Kindern mit Vorerkrankungen, eingesetzt. Gegen die Erreger hilft laut Jochen Meyburg aktuell nur eines: „Hygiene, Hygiene und nochmals Hygiene.“ *vita24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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