Barockes Juwel Ludwigsburg

Ludwigsburg: Geschichte der Barock-Stadt und des Landkreises

Frisch gewässerte Blumenbeete, die im Rahmen des Blühenden Barockes angelegt wurden.
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Das 1704 bis 1733 unter Herzog Eberhard Ludwig erbaute Barockschloss Ludwigsburg.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Ludwigsburgs Geschichte prägt der planmäßige Ausbau zur Residenzstadt mit herrlichem Barockschloss von Herzog Eberhard Ludwig bis hin zu König Friedrich I.

  • Residenzschloss und Barockstadt Ludwigsburg entstanden planmäßig Anfang des 18. Jahrhunderts.
  • Bis 1816 wechselte der Sitz der Residenz Württembergs mehrmals zwischen Stuttgart und Ludwigsburg.
  • Stadt und Landkreis Ludwigsburg profitieren vom barocken Charme und den zahlreichen Sehenswürdigkeiten.

Ludwigsburg - Die Geschichte von Ludwigsburg unterscheidet sich von denen der meisten Städte Europas. Es wuchs nicht über mehrere Jahrhunderte hinweg. Vielmehr ließ der württembergische Herzog Eberhard Ludwig die Stadt ab 1709 am Reißbrett als neuen Herrschaftssitz planen. Sein fünf Jahre vorher in Ludwigsburg erbautes Schloss war ursprünglich lediglich als Jagdsitz vorgesehen. Im Stil der absolutistischen Herrscher erweiterte er die Stadt innerhalb weniger Jahre. Sie wurde zur repräsentativen Residenz außerhalb des mittelalterlich beengten Stuttgarts. Dabei lag das bis heute größte unzerstörte Barockschloss Deutschlands in der Hauptachse der Gesamtanlage in Ludwigsburg.

Um den zentralen Marktplatz in Ludwigsburg westlich davon entstanden planmäßig angelegte Wohngebäude. Rechtwinklige Straßenraster unterteilten sie in regelmäßige Blöcke. Die zweigeschossigen Bürgerhäuser entwarf der Schlossbaumeister von Herzog Ludwig, der aus Italien stammende Donato Giuseppe Frisoni. Er reihte sie in Ludwigsburg ohne Zwischenräume aneinander.

Geschichte von Ludwigsburg: Herzog Ludwig ließ Barockstadt entwerfen

So ergaben sich in Ludwigsburg geschlossene Straßenzüge im Stil des Barocks. Baumalleen lockerten das Straßenbild auf. Ab 1718 erhielt Ludwigsburg Stadtrechte. Im selben Jahr verlegte der Herzog seine Residenz von Stuttgart hierher. Um die Ansiedlung wohlhabender Bürger warb er mit zusätzlichen Privilegien. Dazu zählten

  • Steuerfreiheit für 15 Jahre,
  • Kostenfreies Land und Baumaterialien sowie
  • Religions- und Zollfreiheit.

Während sich die rechtmäßige Frau Johanna Elisabeth von Baden-Durlach in Stuttgart aufhielt, pflegte Eberhard Ludwig eine außereheliche Beziehung in Ludwigsburg. Für seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz baute er bis 1728 das Jagd- und Lustschloss Favorite weiter aus. Nach dem Tod des Herzogs 1733 verlegte sein Nachfolger Karl Alexander den Regierungssitz von Ludwigsburg zurück ins doppelt so große Stuttgart.

Wechselvolle Geschichte von Ludwigsburg als Residenzstadt

1737 übernahm der erst neunjährige Herzog Karl Eugen – zunächst mithilfe seiner Vormunde – die Regentschaft. Unter ihm begann die Geschichte von Ludwigsburg als Garnison. Über 250 Jahre prägte das Militär die Architektur, das Leben sowie Kultur und Kunst mit. Der Volksmund bezeichnete die Stadt als „Schwäbisches Potsdam“. Mit Ende des „Kalten Krieges“ gingen die zahlreichen militärischen Liegenschaften in Ludwigsburg in eine zivile Nutzung über.

Nachdem der Neubau des Residenzschlosses in Stuttgart kurz vor der Fertigstellung niederbrannte, verlegte Karl Eugen den Regierungssitz 1764 erneut nach Ludwigsburg. Dort beauftragte der die Errichtung des seinerzeit größten Opernhauses in Europa (1765). Außerdem ergänzte die prachtvollen Barockgebäude um das Seeschloss Monrepos. Auf Druck der Landstände folgte 1775 der erneute Umzug nach Stuttgart. Die Anlagen in Ludwigsburg verwilderten zusehends bis sie der spätere König Friedrich I. ab 1797 zur Sommerresidenz erklärte.

Residenzstadt Ludwigsburg: Klassizistischer Umbau und königlicher Glanz dank Napoleon

Bis zum Ende seiner Regierungszeit 1816 gestaltete Friedrich I. die Residenz Ludwigsburg um. Mithilfe seines Hofarchitekten von Thouret erhielt das Schloss klassizistische Elemente. Der Park wurde zum Englischen Landschaftsgarten. Die Geschichte von Ludwigsburg wurde auch von Napoleon geprägt: Der Herrscher besuchte die Stadt 1805. Auf Napoleons Drängen wurde Württemberg zum Königreich erhoben. Die daraus resultieren repräsentativen Umbauten wie der Thronsaal verleihen der barocken Residenz zusätzlichen Glanz.

In der historischen Innenstadt von Ludwigsburg finden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten.Bis heute profitieren Stadt und Tourismus von ihrem barocken Charakter. Zu sehen sind beispielsweise die Geburts- und Wohnhäuser berühmter Persönlichkeiten wie

  • dem Lyriker Eduard Mörike,
  • dem Philosophen Friedrich Theodor Vischer,
  • dem Literaten und Theologen David Friedrich Strauß oder
  • dem Arzt und Dichter Friedrich Schiller.

Letzterer besuchte in Ludwigsburg die Lateinschule und arbeitete hier an seinem „Wallenstein“.

Neuere Geschichte der Barockstadt und des Landkreises

Im Jahr 1846 erreichte der erste Zug den Bahnhof Ludwigsburg. Die seit dem 19. Jahrhundert hier lebenden jüdischen Familien erbauten 1884 eine Synagoge. Sie wurde bei den Pogromen der Nationalsozialisten im November 1938 zerstört, die ein dunkles Kapitel in der Geschichte von Ludwigsburg bilden. Die Schäden im II. Weltkrieg fielen in der Barockstadt vergleichsweise gering aus.

Ludwigsburg wurde zur großen Garnison der US-Truppen und ab 1956 der Bundeswehr. 1962 hielt der französische Präsident Charles de Gaulle im barocken Schlosshof seine Rede an die deutsche Jugend - ein bedeutender Moment in der Geschichte von Ludwigsburg. Bis heute sieht der Ludwigsburger Oberbürgermeister Matthias Knecht das Residenzschloss als Herz seiner Stadt.

Der Landkreis Ludwigsburg geht auf das 1718 geschaffene Amt zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgt die Neuordnung Württembergs in Oberämter. 1934 werden sie in Kreise umbenannt. Mit der Gebietsreform 1973 kommen Teile der Landkreise Vaihingen, Leonberg, Backnang und Heilbronn hinzu. Heute leben rund 540.000 Menschen im zum Regierungsbezirk Stuttgart zählenden Landkreis mit der Großen Kreisstadt Ludwigsburg. Für Kurzurlauber bietet er ein breites Spektrum an sehenswerten Zielen.

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