Laden, aber nicht einkaufen

Wegen dreister Strom-Schnorrer: Bauen Lidl und Co. kostenlose E-Auto-Ladestationen ab?

Ein Smart wird elektrisch aufgeladen.
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Das kostenlose Aufladen an E-Ladestationen bei Lidl und Co. könnte bald der Vergangenheit angehören.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Lidl, Aldi, Ikea bieten an einigen Filialen in Deutschland Ladesäulen für E-Autos an, aber nicht alle werden allein von Kunden genutzt. Weil die kostenfreien Stationen Schnorrer anlocken, haben die Anbieter ein Problem.

Neckarsulm/Ludwigsburg - Bei vielen Unternehmen ist es gang und gäbe mit kostenlosen Angeboten neue Kunden anzuwerben. Manchmal kann diese Marketing-Strategie aber auch nach hinten losgehen. Sehr zum Leidwesen von Supermärkten und Möbelhäusern entwickeln sich derzeit immer häufiger die kostenfreien E-Ladestationen für E-Autos, die meist auf deren Parkplätzen zu finden sind.

Eigentlich sind diese E-Ladesäulen für die Kundschaft gedacht, die mit dem E-Auto anreist: Während der Wagen auflädt, können die Besucher ihre Zeit mit Einkaufen verbringen - so die Idee. Der Vorteil für die Kunden von Lidl und Co. liegt auf der Hand. Das Tanken an den Stromtankstellen kostet im Schnitt fünf bis zehn Euro für eine volle Aufladung. Bei den E-Ladesäulen der besagten Unternehmen ist das Angebot dagegen gratis. Auf der anderen Seite erhoffen sich die Unternehmen dadurch mehr Kunden und damit freilich auch mehr Umsatz.

Lidl: E-Auto-Fahrer nutzen die E-Ladestation, betreten den Laden aber gar nicht

Mit dem E-Auto-Boom in Baden-Württemberg lockt das Angebot nur offenbar leider auch immer mehr Schnorrer an zu Lidl, Ikea und Aldi, die die Ladesäulen an ihren Filialen zur Verfügung stellen. Sie zapfen den Strom für ihr E-Auto ab und verschwinden sogleich wieder - ohne den Laden zu betreten und einzukaufen. So vorgefallen beispielsweise in Ludwigsburg, wie das Online-Portal t3n berichtet.

Dort sollen sich eine Stunde vor Ladenöffnung von Ikea die Fahrer eines Tesla Model 3 und eines Renault Zoe auf den Parkplatz des Möbelhauses gestellt und ihre Autos an die dortige E-Ladestation angeschlossen haben. Keine von beiden habe je die Absicht gehabt, für einen Einkauf in den Laden zu gehen. Während der Tesla-Fahrer sich mit einem Netflix-Film vergnügte, vertrieb sich die Zoe-Fahrerin derweil mit einem Spaziergang die Zeit.

Lidl: Discounter-Ketten stehen vor einem Dilemma

Das Schauspiel habe sich mit zwei weiteren Autos, einem Tesla Model S und einem BMW i3, die sich nach kurzer Zeit dazugesellten, so fortgesetzt. Die Fahrerin des Model S hätte entnervt mit dem Kopf geschüttelt, als sie feststellte, dass andere schneller gewesen waren als sie. Der i3-Fahrer übte sich hingegen in Geduld und wartete, bis die Ladesäule frei wurde.

Die Ladestrom-Schnorrer tanken auf diese Weise letztlich auf Kosten des Möbelhauses und der Discounter wie Lidl mit ähnlichem Angebot, was natürlich nicht in deren Interesse ist. Die Unternehmen stehen jedoch vor einem Dilemma. Weil immer mehr Menschen auf ein E-Auto umsteigen, werden die Forderungen nach mehr Ladestationen vor Einkaufszentren und öffentlichen Plätzen immer lauter. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat mittlerweile auf den Trend reagiert und einen neuen Schnellladepark für E-Autos in Zusammenarbeit mit der EnBW im Stadtzentrum eröffnet. Im Gegensatz zum Angebot von Lidl, Ikea und Co. ist dieses aber kostenpflichtig.

Lidl will Nutzung der E-Ladestation an E-Charge-App koppeln

Ganz abschaffen können die Unternehmen die Ladesäulen also nicht. Vor diesem Hintergrund arbeiten sie stattdessen an Einschränkungen des Angebots. Der Discounter Lidl hat vor Monaten begonnen, die Abgabemenge des Stroms zu begrenzen. Bereits jetzt baut das Unternehmen aus Neckarsulm auch seine digitalen Angebote aus.

In Heilbronn beispielsweise testet Lidl eine völlig neue Bezahlmethode per App. Im Zusammenhang mit den E-Ladestationen arbeitet der Discounter nun an einer E-Charge-App, für die sich die Kunden erst registrieren müssen, bevor sie aufladen dürfen. Ein Autohersteller geht ganz andere Wege. Porsche plant ein Ladestationen-Netz ausschließlich für ihre eigenen Autos.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Ikea und Aldi gegen die Stromschnorrer vorgehen. Kostenlose E-Strom-Ladestation gehören damit womöglich bald der Vergangenheit an.

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