Kritik an Drogeriemärkten

„Absurd“: dm erregt mit Service im Lockdown die Gemüter - Drogerieboss schlägt zurück

Einkäufer stehen in einer Schlange vor dem Drogeriemarkt dm und werden durch das Sicherheitspersonal nur einzeln eingelassen.
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Die Märkte der Drogeriekette dm aus Karlsruhe sind auch im Lockdown geöffnet (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Debatte um Schließungen im Lockdown trifft auch dm. Die Regelung zu Drogeriemärkten sei absurd, schimpfen Einzelhändler. Nun meldet sich der dm-Chef zu Wort.

Ludwigsburg/Karlsruhe - Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt auch im neuen Jahr für allerhand Einschränkungen. Aufgrund der hohen Zahl an Neuinfektionen wurde der ursprünglich bis zum 10. Januar angesetzte Lockdown bis Ende des Monats verlängert.

Zeitgleich verschärfte die Landesregierung auch die aktuellen Corona-Regeln für Baden-Württemberg. Durch den harten Lockdown dürfen aktuell nur noch Läden und Geschäfte öffnen, die den täglichen Bedarf der Bevölkerung decken. Dazu zählen beispielsweise Supermärkte und Drogerien. Während der Drogerieriese dm aus Karlsruhe größtenteils Drogerieartikel und Bio-Lebensmittel anbietet, fährt Müller mit Hauptsitz in Ulm ein Mischsortiment auf und verkauft so ziemlich alles.

Durch ihr Sortiment sorgte die Drogeriekette Müller bereits für Empörung. Kritik übten vor allem die regionalen Einzelhändler, die im Lockdown ihr Geschäft geschlossen halten müssen, während Müller dieselbe Ware anbietet. Aufgrund geschlossener Fotostudios geriet nun jedoch auch dm in die Kritik, da die Kette ebenfalls einen Fotoservice anbietet - auch im Lockdown. Der Chef der Drogeriekette aus Karlsruhe zeigte Verständnis für die Lage der Einzelhändler, verwies jedoch auch auf die Ausgleichszahlungen, wie die Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) berichtet.

dm: Fotostudio-Betreiber aus Ludwigsburg bemängeln unfaire Behandlung

Durch den zweiten Lockdown gerieten viele Einzelhändler in finanzielle Not. Gerade der nahezu komplette Wegfall des Weihnachtsgeschäfts im vergangenen Jahr war für viele ein harter Schlag. Die Wochen vor Weihnachten seien „die mit Abstand stärkste Umsatzzeit des Jahres für Bildprodukte“, sagte der Geschäftsführer eines Familienbetriebs für Fotografie in Ludwigsburg der LKZ.

Dass Drogerieketten wie dm auch im Lockdown ihren Fotoservice anbieten können, empfindet er als absurd. In den Filialen „stehen die Leute dicht an dicht an den wenigen Terminals für Bildbestellungen, während wir unsere Fachgeschäfte geschlossen halten müssen“.

Auch ein anderer Inhaber eines Fotostudios in Ludwigsburg ärgert sich laut der LKZ über den Fotoservice von dm und Co.. Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres seien „auch alle Aufträge zu Veranstaltungen wie Abibällen, Hochzeiten und Schulfotografien“ weggefallen. Die Ausgleichszahlung der Landesregierung halte er für unzureichend. „Größere Ketten wie Müller und dm [haben] kaum oder keine Einschränkungen. Sie können einfach Ersatzleistungen anbieten, deren Umsatz uns Fotografen so leider verloren geht“, sagte er der LKZ. Das sei vor allem für von der Schließung betroffene Selbstständige eine große Benachteiligung.

dm: Geschäftsführer der Drogeriekette meldet sich zu Wort

Als Reaktion auf die Kritik an der Drogeriekette dm aus Karlsruhe, die trotz des Lockdowns weiterhin ihren Fotoservice anbietet, sagte Geschäftsführer Christoph Werner auf Anfrage der LKZ: „Wir bei dm haben Verständnis dafür, dass durch die Verordnungen geschlossene Einzelhändler sich ungerecht behandelt fühlen“. Er verwies jedoch auch auf die Ausgleichszahlungen der Landesregierung, mit der für den entstanden wirtschaftlichen Nachteil aufgekommen werden soll.

In der Corona-Verordnung des Landes sei geregelt, welche Einzelhändler öffnen dürfen und welche nicht, sagte Christoph Werner weiter. „[Dort] ist auch geregelt, unter welchen Voraussetzungen der Verkauf von Sortimentsteilen möglich ist, die nicht unmittelbar zu Waren des täglichen Gebrauchs zählen.“

In Bezug auf die Kritik sprach der Vorsitzende der Geschäftsführung von dm auch über die Möglichkeit des Onlinehandels. „Bei der Frage nach der Gerechtigkeit, welche Einzelhändler geöffnet bleiben dürfen und wer was verkaufen darf, sollte auch nicht vergessen werden, dass online ohne Beschränkungen alle Sortimente weiterhin verkauft werden dürfen“, sagte Werner der LKZ.

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