Für den Tierschutz

Stadt erlässt Katzenschutzgesetz - Freigänger müssen gechippt und kastriert werden

Zwei streunende Babykatzen
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Streunende Katzen vermehren sich ungehindert weiter.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Sie sind scheu, meist abgemagert und krank: streunende Katzen wurden in Ditzingen zum Problem. Um der Situation Herr zu werden und den Tieren zu helfen, hat die Stadt nun ein Katzenschutzgesetz erlassen.

Ditzingen - Als erste Kommune im Landkreis Ludwigsburg hat Ditzingen eine Katzenschutzverordnung erlassen. Wie die Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) berichtet, schreibt die Verordnung vor, dass Katzenhalter ihre Tiere ab sofort kastrieren und chippen lassen müssen. Eine Regelung, die sich vor allem Tierschützer schon lange wünschen. Und das aus gutem Grund: Die Gemeinde kämpft schon länger gegen frei lebende und streunende Katzen. Diese übertragen häufig Krankheiten, sind weder geimpft, gechippt noch kastriert. Das Elend der Tiere will die Stadt Ditzingen nicht mehr länger hinnehmen und ist eingeschritten.

Was auf den ersten Blick nicht auffällt: Die Tiere befinden sich in einem schlechten Zustand. „Um das Katzenleid zu erkennen, muss man schon genau hinschauen“, sagt Julia Stubenbord, Landesbeauftragte für Tierschutz der LKZ. Die freilebenden Streunerkatzen leben auf Bauernhöfen, in Schrebergärten, Campingplätzen und auf Firmengeländen. Häufig sind die Tiere krank und abgemagert. Glück hatte auch eine vermisste Katze aus Fischen in Baden-Württemberg. Nach 26 Tagen Suche erschnüffelte ein Hund die Katze unter einem Schachtdeckel.

Katzen vermehren sich ungehindert - Regelung soll Katzenleid ein Ende setzen

Tierschützer haben sich den Miezen bereits vor Erlass der Verordnung angenommen. Giesela Mayer und ein Team aus Freiwilligen locken jedes Jahr bis zu 40 Streuner an und fangen sie ein. Die Katzen werden anschließend tierärztlich versorgt, kastriert und gechippt. Pro eingefangenem Tier kostet den Tierschutzverein die Behandlung etwa 200 Euro. Doch das Geld ist es den Tierrettern wert. Denn die Streuner vermehren sich unkontrolliert, stecken sich gegenseitig mit Pilzen, Würmern und anderen Krankheiten an. „Die hohe Fortpflanzungsrate verschlimmert ihr Leid“, sagt Giesela Mayer.

Gefährdet sich auch die Freigänger, die abends wieder in ein warmes Heim zurückkehren können. Da sie häufig in Berührung mit den Streunern kommen, können sie sich mit Krankheiten anstecken. Umso wichtiger ist es, dass auch die Hauskatzen gechippt, geimpft und kastriert werden. „Übergeordnetes Ziel ist der Tierschutz“, sagt ein Sprecher des Ditzinger Oberbürgermeisters Michael Makurath. Für das Tierwohl setzte sich auch ein 17-Jähriger aus Tettnang am Bodensee ein. Der Teenager rettete 25 Hühner aus Massentierhaltung und schenkte ihnen ein neues Leben.

Um die weitreichenden Folgen der unkontrollierten Vermehrung der Katzen aufzuzeigen, hat der Deutsche Tierschutzbund eine Rechnung gemacht: Bekommt eine Katze zweimal im Jahr einen Wurf mit drei Jungen und diese sich wiederum in gleicher Rate vermehren, sind das von einem einzigen Katzenpaar rund 240 Millionen Nachkommen in zehn Jahren. Die Zahl ist sogar noch niedrig angesetzt. Denn häufig tragen Katzen sogar bis zu viermal im Jahr Junge aus.

Kommune als Vorreiter - weitere Gemeinden sollen nachfolgen

Umso wichtiger war es für die Ditzinger Gemeinde, eine langfristige Lösung für das Problem zu finden. Die Verordnung soll verhindern, dass künftig noch mehr Katzen herumstreunen. Die Regelung ist bereits am 1. Juli 2021 in Kraft getreten. Seither sind die Katzenhalter dazu verpflichtet, ihre freilaufenden Katzen beim Tierarzt kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Zudem müssen die Tiere mit einem Mikrochip oder einer Tätowierung am Ohr gekennzeichnet und im Haustierkatalog des Vereins Tasso oder bei Findefix, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert werden.

Mit der Katzenschutzverordnung ist der Ort einer der ersten in ganz Baden-Württemberg, der solch eine Vorschrift erlässt. Nur in den Gemeinden Berglen im Rems-Murr-Kreis und Schramberg im Landkreis Rottweil sind bereits am 1. Januar 2020 ähnliche Verordnungen in Kraft getreten. Im Laufe des Jahres 2020 verabschiedeten auch Mönsheim, Heimsheim, Weissach und Ehrenkirchen-Norsing.

Auch in größeren Kommunen ist ein solches Katzenschutzgesetz im Gespräch. In Waiblingen, Mannheim, Heidelberg und Stuttgart sind die Debatten dazu angelaufen. „Es hätte einen enormen Vorbildcharakter für andere Städte, wenn die Landeshauptstadt eine Katzenschutzverordnung erlassen würde“, sagt die Julia Stubenbord.

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