Kleines Raumwunder

„Alle lieben Bruno“: Start-up „Kuckoo-Camper“ geht mit Mini-Wohnwagen durch die Decke

Eine Frau sitzt in einem Campingstuhl, mit einer Tasse in der Hand vor einem Mini-Camper, ein Hund liegt neben ihr.
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Klein aber oho: Der Mini-Camper „Bruno“ ist ideal für Abenteurer und Outdoor-Fans.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Das Start-up „Kuckoo Camper“ baut in Handarbeit Mini-Wohnwagen. Aus einer Idee ist in kürzester Zeit ein Unternehmen geworden, das nicht nur in Deutschland Fans gewonnen hat.

Löchgau - Mit der Hand streicht die Frau über das Holz, schaut neugierig in das Innere des Wagens. Gemeinsam mit ihrem Mann klettert sie in den Mini-Camper. Das Paar ist extra von Bruchsal nach Löchgau gefahren, um sich „Bruno“ einmal live anzuschauen. „Wir haben in einer Schweizer Zeitung von dem Camper erfahren und waren begeistert“, erzählt die Frau.

Denn der Mini-Wohnwagen ist etwas Besonderes. Jeder Winkel wird genutzt, jede Funktion ist bis ins kleinste Detail durchdacht.„Da steckt viel Liebe und Hingabe drin“, sagt Peter Schneewolf, Gründer des Start-ups „Kuckoo-Camper“, gegenüber BW24 und blickt stolz auf das kleine Gefährt. Gemeinsam mit Dani Blum und Markus Gärtner hat der ehemalige Werbefachmann das Unternehmen ins Leben gerufen. Dass ihr „Bruno“ allerdings so durch die Decke geht, hätten die drei Männer nicht gedacht.

Löchgauer-Start-up „Kuckoo Camper“ startet trotz Pandemie durch

Wie so oft bei Start-ups entstand auch die Idee für „Bruno“ aus dem Zufall heraus. Dani Blum wollte mit seiner Familie mit einem VW T3 in den Urlaub fahren. Doch der Platz reichte nicht, die Camper auf dem Markt gefielen ihm allerdings auch nicht. Also baute er kurzerhand einen Prototyp eines Mini-Campers. Peter Schneewolf sah Fotos des Projekts und war sofort Feuer und Flamme. An einer Fräse in seinem Betrieb baute er die Teile nach. Auch sein Geschäftspartner Markus Gärtner war sofort mit an Bord.

Die Gründer von Kuckoo-Camper (v.l.): Peter Schneewolf, Dani Blum und Markus Gärtner vor ihrem Mini-Wohnwagen „Bruno“.

Aus der Idee, ein paar Wagen zu bauen, entstand ein neues Unternehmen. Im April 2021 wurde „Kuckoo Camper“ schließlich ins Handelsregister eingetragen. Mittlerweile werden die Wohnwagen nicht nur im Landkreis Ludwigsburg gebaut. Auch in Nürnberg, Hamburg und in der Schweiz arbeitet „Kuckoo“ mit Partnern zusammen.

„Kuckoo“ wurde genau zur richtigen Zeit ins Leben gerufen. Peter Schneewolfs Firma „aida Werbung“ war durch Corona etwas gebeutelt. Ihre Idee mit den Mini-Wohnwagen hingegen kam zum perfekten Zeitpunkt. Da Fernreisen durch Grenzschließungen und Lockdowns nicht möglich waren, erlebte das Camping einen wahren Boom. „Ich habe es selbst auf den Campingplätzen gemerkt. Der Andrang war extrem“, erzählt der „Kuckoo“-Gründer unserer Redaktion. Der Mini-Camper spricht viele Outdoor-Fans an. „Mit Bruno ist man spontan, muss nicht lange im Voraus einen Stellplatz buchen.“

Mini-Camper aus Baden-Württemberg: Jedes Detail ist ein Stück Handarbeit

Von Anfang an konnte sich das junge Unternehmen vor Anfragen kaum retten. Und das, ohne je Werbung geschaltet zu haben. „Wir dachten nicht, dass es so viel wird“, gibt Peter Schneewolf zu. Im ersten Jahr hätten sie geplant, zehn Wagen zu bauen. „Jetzt sind es im ersten dreiviertel Jahr schon über 60 Stück. Für nächstes Jahr planen wir, etwa 150 Wagen zu bauen.“

Das bedeutet viel Arbeit für das sechsköpfige Team in Löchgau. Denn „Bruno“ entsteht komplett in Handarbeit. Mit der CRC-Fräse werden die Stücke zugesägt, anschließend von Hand zusammengesetzt. „Dann fängt die Arbeit erst richtig an“, sagt Peter Schneewolf. Schleifen, versiegeln, Epoxid-Harz aufbringen, Glasfasergewebe anbringen, lackieren - alle Schritte finden in den Hallen in Löchgau statt. „Bis der Wagen dasteht, vergehen etwa vier Stunden“, schätzt Schneewolf. „Dann kommen noch mindestens 50 Stunden Handarbeit hinzu.“

Camper werden immer größer und größer. Viele vergessen dabei allerdings, dass in rund acht Jahren keine Verbrenner mehr gebaut werden. Wer soll dann diese Wagen ziehen, die drei Tonnen wiegen?

Peter Schneewolf, Mitgründer von „Kuckoo-Camper“

Die Liebe zum Detail sieht man „Bruno“ schon von außen an. Jedes Scharnier, jedes Fenster, jede Halterung - alles ist durchdacht. „Wir haben uns bewusst keine anderen Camper angeschaut. Wir waren uns alle drei einig: Wir wollen etwas Neues erfinden“, erzählt Peter Schneewolf gegenüber BW24. Und das ist ihnen gelungen: Gerade einmal 4,45 Meter misst der Mini-Camper in der Länge, 1,94 Meter in der Breite. Mit seiner Höhe von 1,85 Meter passt der Wohnwagen in jede Garage und jeden Carport. Seine Größe ist es auch, die ihn für Outdoor-Fans so interessant macht.

Raumwunder auf drei Rädern: Im Mini-Camper ist alles vorhanden

Kein „Bruno“ gleicht dem anderen. Über einen Konfigurator auf der Webseite des Unternehmens kann man sich den Mini-Camper zusammenstellen. Die Auswahl scheint grenzenlos. Farben, Design, Lackierung, Innenraum - jedes Detail kann von den Kunden ausgesucht werden. Trotz seiner überschaubaren Größe bietet der Camper aber einiges an Platz. „Wir haben Kunden aus der Schweiz, die jedes Wochenende zu sechst mit unserem Camper wegfahren. Auf dem Camper bauen sie dann ein Dachzelt auf, in dem die vier Kinder schlafen. Die Eltern samt Hund schlafen im Innenraum“, so Peter Schneewolf. Anders könne es sich sein Kunde nicht leisten, so oft wegzufahren. Dank „Bruno“ ist das möglich.

Eine große Liegefläche im Inneren des Mini-Campers lädt zum Träumen ein.

Auch an Komfort mangelt es „Bruno“ trotz seiner Maße nicht. Der Schlafbereich misst 1,40 Meter auf 2 Meter. Eine kleine Küche lässt sich sowohl innen, als auch außen nutzen. Drei große Fenster bringen Licht in den Innenraum. Kunststoff findet sich im Wagen so gut wie keiner und nur da, wo es wirklich nötig ist. Denn einen nachhaltigen Camper zu bauen, war den Machern besonders wichtig. Wer einen Fuß in den Camper setzt, riecht es auch sofort: der Duft von geöltem Echtholz.

Leichter, kleiner und ideal für E-Autos: „Emma“ soll das Start-up in die Zukunft führen

Dieses naturnahe und nachhaltige Konzept setzt „Kuckoo Camper“ auch von der breiten Masse ab. Denn anders als viele Wohnwagen-Hersteller setzt das Start-up nicht auf Größe und „unnötigen Schnickschnack“. „Camper werden immer größer und größer“, sagt Schneewolf. „Viele vergessen dabei allerdings, dass in rund acht Jahren keine Verbrenner mehr gebaut werden. Wer soll dann diese Wagen ziehen, die drei Tonnen wiegen?“

Durch seine kompakte Größe und sein geringes Gewicht benötigt man für „Bruno“ lediglich den normalen Autoführerschein. Mit ihm finden Camper überall ein Plätzchen.

„Kuckoo“ ist für die E-Mobilität gewappnet, setzt von Anfang an auf leichtere Campinganhänger. Und nicht nur das: Im hinteren Teil der Fertigungshallen steht schon ihr neuester Schatz. „Emma“ soll noch leichter und kleiner als ihr Bruder „Bruno“ werden und wäre daher ideal für E-Autos. „Er wird nur um die 300 Kilogramm wiegen“, verrät Peter Schneewolf unserer Redaktion. „Selbst ein Fiat 500 könnte Emma ziehen.“ Aktuell ist „Emma“ aber noch nicht marktreif. „Wir tüfteln noch“, so Schneewolf. Das Grundkonzept steht allerdings schon. „Emma“ bekommt etwa eine große Seitenklappe. Liegt man auf der Matratze, ist es fast so, als wäre man im Freien.

Mit ihren Campern wollen Schneewolf und seine Partner auch etwas zurückgeben. Für jeden verkauften „Bruno“ werden fünf Bäume in Nicaragua (Zentralamerika) gepflanzt. „Jeder Kunde erhält dann ein Zertifikat mit ihren Namen“, erklärt Peter Schneewolf.

Aus Start-up wurde ein Familienunternehmen: „Alle lieben Bruno“

Noch stolzer als auf „Bruno“ scheint Peter Schneewolf allerdings auf etwas anderes zu sein: „Kuckoo ist ein richtiges Familienunternehmen geworden“, erzählt er. Beide Söhne packen mit großer Begeisterung mit an. Auch die Kinder von Markus Gärtner sind mit an Bord. „Alle lieben Bruno, gehen gern mit ihm in den Urlaub und bauen an ihm. Meinen Söhnen war das immer sowas von egal, was ich hier beruflich gemacht habe.“ Das habe sich mit „Bruno“ schlagartig geändert. „Es ist schon schön zu sehen, dass man als Eltern nicht alles falsch gemacht hat“, sagt Peter Schneewolf lachend.

Außerdem: Wer einen „Bruno“ haben möchte, muss aktuell etwas Geduld mitbringen. Die Lieferzeit beträgt laut Peter Schneewolf rund drei Monate. Mehr als zwölf Camper im Monat schaffen sie aktuell nicht. „Mehr wird auch nächstes Jahr nicht machbar sein.“ Aber bei so viel Liebe zum Detail lohnt sich das Warten doch.

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