Wohnanlage in Tamm

Lassen E-Autos das Stromnetz kollabieren? Kleinstadt in Baden-Württemberg macht Experiment

Ladestationen für E-Autos reihen sich in einer Tiefgarage aneinander.
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Mit mehr E-Autos steigt auch der Strombedarf. Die Angst vor einer Netzüberlastung ist groß - aber offenbar unbegründet (Symbolbild).
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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E-Autos erobern allmählich die Straßen in Baden-Württemberg. Damit steigt der Strombedarf. Ein Experiment im Kreis Ludwigsburg konnte die Angst vor einer Netzüberlastung jetzt entkräften.

Tamm - Das Interesse an E-Autos in Baden-Württemberg nimmt zu. Besonders im vergangenen Jahr konnten die neue Antriebstechnik viele Autofahrer überzeugen. Der E-Auto-Boom in Baden-Württemberg sorgte dafür, dass sich die Zahlen fast verdreifachten.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 4.11.2021 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Allerdings machen mehr E-Autos auf deutschen Straßen noch keine Mobilitätswende. Damit sich die Fahrzeuge durchsetzen, müssen weitere Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehört unter anderem eine optimale Ladeinfrastruktur, damit E-Autos überall und flexibel Strom tanken können. Es gibt aber noch weitere kritische Faktoren. So könnte die Strompreis-Explosion das E-Auto bedrohen. Eine große Sorge gilt zudem der Stromversorgung an sich. Viele E-Autos, die gleichzeitig aufladen, belasten auch das Netz. Im Kreis Ludwigsburg wurde dazu jetzt ein Experiment abgeschlossen.

Experiment in Baden-Württemberg: E-Autos fordern Stromnetz heraus

Baden-Württemberg ist mit seiner Angst vor zu hohen Belastungen für das Stromnetz durch E-Autos nicht alleine. Das Vereinigte Königreich hat deshalb schon konkrete Maßnahmen angekündigt. Das Land will aus Angst vor Blackouts den Strom für E-Autos beschränken. Anstatt es bei einer diffusen Angst zu belassen, wollte es der Verteilnetzbetreiber Netze BW genau wissen und startete ein Experiment.

Laut Stuttgarter Nachrichten stellte der Konzern den Bewohnern der Wohnanlage Pura Vida in der Gemeinde Tamm 45 E-Autos für 16 Monate. Zusätzlich richtete die Netze BW 58 Ladepunkte in der Tiefgarage ein, die insgesamt 85 Stellplätze umfasst. Das Ergebnis war für den Verteilnetzbetreiber erfreulich: Eine Überlastung konnte durch das Experiment nicht festgestellt werden.

Experiment mit E-Autos in Baden-Württemberg: Stromnetz hält der Probe stand

Das ist laut Netze BW auch darauf zurückzuführen, dass die 58 Ladepunkte praktisch nie gleichzeitig genutzt wurden. Zu Spitzenzeiten waren es tatsächlich nie mehr als 13 gleichzeitig, wodurch eine Leistung von 98 Kilowatt aufgerufen wurde. Im Verlauf des Experiments stieg zudem das Vertrauen der Bewohner aus Tamm in die E-Autos. Während sie anfangs noch häufig, aber kurz Strom tankten, luden sie später seltener aber dafür mehr Energie.

Nach Angaben des Konzerns lassen sich die Ergebnisse des Experiments gut auf andere Wohnanlagen in ganz Deutschland übertragen. Allerdings war auch ein Lademanagementsystem verantwortlich dafür, dass keine Überlastung des Stromnetzes eintrat. Hätten nämlich wirklich alle E-Autos in Tamm gleichzeitig geladen, entspräche das einer Leistung von 638 Kilowatt. Um das zu meistern wäre eine Trafostation in der Größe einer Einzelgarage notwendig gewesen.

Das Lademanagementsystem in der Wohnanlage in Tamm fing hingegen den hohen Strombedarf zu den Stoßzeiten zwischen 18 und 22 Uhr auf. Die Leistung des Netzes wurde dann heruntergefahren, sodass der Ladevorgang der E-Autos dreieinhalb Stunden benötigte. Normalerweise würden die Fahrzeuge eine Stunde kürzer am Netz hängen, aber mehr Energie fressen. Weil die E-Autos aber meist erst wieder am nächsten Morgen bewegt werden, fällt eine längere Ladedauer nicht ins Gewicht. Laut Netze BW konnte durch das Experiment nicht nur bewiesen werden, dass die Stromnetze viele E-Autos verkraften können. Es führte auch zu einem gestiegenen Interesse der Bewohner in Tamm.

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