Schließungen und Verbote

Corona-Alarm in Baden-Württemberg: Teil-Lockdown gilt schon ab Montag - mit radikalen Maßnahmen

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland nimmt weiter drastisch zu. Bund und Länder haben deshalb weitreichende Maßnahmen beschlossen, die an Lockdown im Frühjahr erinnern.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart (BW24* berichtete) und viele weitere Städte und Kreise im Land haben angesichts steigender Infektionszahlen bereits Mitte Oktober strengere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg* ergriffen. Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Stuttgart* hat die kritische Marke von 50 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen längst überschritten, weshalb Stuttgart zum Risikogebiet* erklärt wurde - einen erneuten Lockdown in der Stadt oder gar im ganzen Land schloss die Landesregierung bislang jedoch rigoros aus.

Am heutigen Mittwoch haben die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel per Videokonferenz über weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie beraten - auch über einen erneuten Lockdown. Die zuvor beschlossenen Beschränkungen wie das Verhängen von Sperrstunden und die Einschränkung von Kontakten haben sich als nicht ausreichend erwiesen: Die Infektionszahlen sind seitdem weiter stark gestiegen. Zuletzt meldete das Robert-Koch-Institut einen neuen Rekord mit fast 15.000 Corona- Neuinfektionen binnen eines Tages - der bisherige Höchstwert seit Beginn der Pandemie.

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann* hat an der Videokonferenz mit Kanzlerin Merkel teilgenommen. Das Coronavirus in Baden-Württemberg* verbreitet sich aktuell immer schneller. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz erhöht sich täglich: Der Wert liegt aktuell bei 89,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Innenminister Thomas Strobl hatte deshalb bereits einen radikalen Kurz-Lockdown von einer Woche vorgeschlagen*, sollten die Zahlen nicht sinken. Schon vor Beginn des heutigen Treffens wurden baldige massive Beschränkungen als wahrscheinlich eingestuft - darunter auch die Schließung der Gastronomie sowie verschärfte Kontaktbeschränkungen, die dem Lockdown im Frühjahr gleichen. Darüber berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Lockdown Baden-Württemberg: Radikale Maßnahmen wegen steigenden Corona-Zahlen beschlossen

Aus dem Entwurf des Beschlusspapiers, das der dpa vorliegt, ging bereits hervor, dass der Bund mit drastischen Beschränkungen des gesellschaftlichen Lebens gegen die massiv steigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland vorgehen will. Ab kommendem Montag, 2. November, sind laut Beschluss von Bund und Ländern verschiedene Maßnahmen vorgesehen, die in ihrem Ausmaß dem Lockdown im April ähnlich sind und die bis Ende des Monats gelten sollen.

Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland zu minimieren, müssen Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen ab Montag schließen. Die Lieferung und Abholung von Speisen ist weiterhin gestattet. Außerdem sollen touristische Übernachtungsangebote innerhalb Deutschlands bis Ende November verboten werden. Übernachtungen bei Reisen sind dann nur noch erlaubt, wenn sie einem notwendigen Zweck dienen.

Auch die Kontaktbeschränkungen werden zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg ab kommendem Montag stark ausgeweitet. Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist ab dem 2. November nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Haushalts gestattet, dabei dürfen sich maximal zehn Personen zusammenfinden. Diese Beschränkung gilt in ganz Deutschland und ist zudem verbindlich: Verstöße werden von den Ordnungsbehörden mit Geldbußen bestraft. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage inakzeptabel, so der Beschluss weiter.

Baden-Württemberg beschließt Teil-Lockdown - Gastronomie, Fitnessstudios, Kinos und Theater schließen

Weiter werden Veranstaltungen zu Unterhaltungszwecken bis Ende November untersagt, um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen. Sowohl Theater, Opern und Konzerthäuser müssen ab dem 2. November bis Ende des Monats schließen. Von dieser Regelung ist auch der Freizeit- und Amateursportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder sowie Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen betroffen. Messen, Kinos und Freizeitparks müssen ebenfalls schließen.

Trotz steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg bleiben Schulen, Kindertagesstätten und der Einzelhandel weiterhin geöffnet. Laut Beschluss des Bundes und der Länder sollen jedoch weitere Schutzmaßnahmen in diesen Bereichen eingeführt werden. So müsse sichergestellt werden, dass sich in den Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhalte. Unter Hygieneauflagen und der Vermeidung von langen Schlangen durch eine Steuerung des Zutritts ist der gesamte Einzelhandel dann nicht von dem Teil-Lockdown im November betroffen. Auch Friseur-Salons dürfen unter den geltenden Hygienemaßnahmen geöffnet bleiben - nicht jedoch Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoostudios.

Lockdown Baden-Württemberg: Unternehmen, die schließen müssen, sollen finanziell unterstützt werden

Weil die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg drastisch zunimmt und auch viele Arbeitsplätze - insbesondere solche in geschlossenen Räumen - ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen, müssen Arbeitgeber laut Beschluss ihre Angestellten vor Infektionen schützen. Wo immer umsetzbar soll Home Office ermöglicht werden.

Die Bundesregierung will zudem Unternehmen entschädigen, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus schließen müssen. Das berichtet die dpa und bezieht sich auf Regierungskreise. Finanz- und Wirtschaftsministerium haben in der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder vorgeschlagen, dass kleine Firmen 75 Prozent ihres Umsatzes als Entschädigung erhalten sollen. Größere Unternehmen sollen demnach 70 Prozent erhalten. Der genaue Betrag orientiere sich am Umsatz des Vorjahresmonats.

Angesichts der bedrohlichen Lage stellte Winfried Kretschmann bereits ein Lockdown-Ultimatum*. Wenn die Maßnahmen nicht innerhalb von zehn Tagen wirkten, folge ein erneuter Lockdown, sagte der Ministerpräsident vor knapp zehn Tagen. Ende Oktober erneuerte Kretschmann seinen Appell und forderte die Bürger in Baden-Württemberg auf, Kontakte zu vermeiden*. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

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