Weiter Transportweg

Lidl stellt Sortiment um und löst heftige Kritik aus

Mehrere Sixpacks des Mineralwassers „Volvic“ stehen in einem Regal.
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„Volvic“ statt „Vittel“: Lidl hat mit der Wahl seines neuen Wasserlieferanten den Ärger der Deutschen Umwelthilfe auf sich gezogen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Lidl hat Ersatz für das umstrittene „Vittel“-Wasser gefunden. Künftig verkauft der Discounter „Volvic“ - und erntet mit dieser Entscheidung gleich wieder massiv Kritik.

Bad Wimpfen - Zum Sortiment von Lidl gehören neben Lebensmitteln auch Getränke. Ein Mineralwasser in den Regalen sorgte dabei erst kürzlich für heftige Diskussionen. Ein umstrittenes Nestlé-Produkt wird bei Lidl nicht mehr verkauft: Der Vertrag mit dem Mineralwasser von „Vittel“ lief aus. Der Konzern stand aber schon lange in der Kritik, weil die Förderung das Grundwasser vor Ort bedrohte und Umweltverschmutzung nach sich zog.

Für Lidl war damit allerdings klar, dass eine Alternative im Angebot gefunden werden musste. Wie die Lebensmittelzeitung berichtet, hat der Discounter aus Bad Wimpfen diese nun offenbar gefunden. Künftig wird Mineralwasser des Großkonzerns Danone in den Regalen stehen. Aus Vittel wird in Zukunft also „Volvic“. Anstatt sich mit der Entscheidung aus der Schusslinie zu bringen, erregt Lidl damit aber erst Recht Aufmerksamkeit. Die Deutsche Umwelthilfe ist alles andere als begeistert über die Wahl.

Lidl ersetzt Vittel-Wasser - und sorgt mit Auswahl für erneuten Ärger

Eigentlich bemüht sich der Discounter Lidl nach Kräften, seine Filialen verantwortungsbewusst zu führen und umweltverträglich zu gestalten. Um klimaneutral zu werden, übt Lidl sogar Druck auf Lieferanten aus. Geht es nach der Deutschen Umwelthilfe, hat das Management aber bei der Entscheidung für das Danone-Wasser Volvic nicht genau genug hingeschaut. Denn das Wasser müsse „sogar noch 400 Kilometer weiter transportiert werden“ als das von Vittel, lautet die Kritik. Ein längerer Weg bedeutet im Umkehrschluss natürlich einen höheren CO2-Ausstoß und damit Belastungen für das Klima. Auch ruhr24* berichtete über den fragwürdigen Ersatz der Weltmarke bei Lidl.

Das ist aber nicht der einzige Störfaktor für die Deutsche Umwelthilfe. Sie hätte es laut Lebensmittelzeitung begrüßt, wenn Lidl den Wechsel für einen Umstieg auf „klimafreundliche Mehrwegflaschen“ genutzt hätte. Stattdessen steht Volvic ebenso wie Vittel in Einweg-Plastikflaschen in den Regalen der Filialen. Lidl gehört zu den größten Plastiksündern Deutschlands und ist verantwortlich für rund drei Milliarden Einweg-Plastikflaschen jährlich“, kritisiert die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Das zeigt vor allem eins: Den Umwelt- und Klimaversprechungen von Lidl ist nicht zu trauen.“ An Danone perlt die Kritik derweil ebenso ab wie an Lidl.

Kritik an Volvic: Lidl verteidigt Entscheidung für neuen Wasserlieferanten

Laut Danone stellt das Plastik der Volvic-Flaschen nämlich die „ökologisch sinnvollste Verpackung“ dar. Das Material sei „zu 100 Prozent recycelbar“ und bestünde vollständig aus Altplastik, schreibt die Lebensmittelzeitung. Lidl stützt sich zudem auf Untersuchungen, die vollständig recycelbaren Plastikflaschen eine bessere CO2-Bilanz ausstellen als Glasflaschen.

Die Deutsche Umwelthilfe ist allerdings mit ihrer Kritik nicht allein. Die Verbraucherorganisation „foodwatch“ hat Volvic gerade erst für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ nominiert. Damit werden Produkte ausgezeichnet, die den Verbraucher besonders dreist belügen. Foodwatch geht es um das „Klimaneutral zertifiziert“-Label auf den Volvic-Flaschen, das durch den Transport und das Material nicht der Realität entspreche.

Zudem steht Volvic aus genau denselben Gründen am Pranger wie bereits Vittel. Auch dieser französische Ort, aus dem das Wasser herkommt, klagt über einen sinkenden Grundwasserspiegel sowie versiegende Bäche und Flüsse, berichtet etwa Euronews. Unternehmen wie Fischzuchten stehen dort deshalb vor dem Aus. *ruhr24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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