Abholzung des Amazonas

Lidl droht Brasilien mit Boykott: Produkte könnten aus Regalen verschwinden

  • Valentin Betz
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Brasilien will ein Gesetz, das Rodungen im Regenwald legalisiert. Lidl und andere europäische Supermarktketten drohen mit Boykott. Das hätte auch für die Produkte im Discounter Folgen.

Bad Wimpfen - Der Lebensmittelhandel hat längst nichts mehr mit dem Tante-Emma-Laden um die Ecke zu tun. Vielmehr ist es ein globales Geschäft, das sich auch auf diesem Maßstab auswirkt. Das bekam der Discounter Lidl erst kürzlich bei seinen Lieferketten zu spüren. Wegen des Staus im Suez-Kanal fehlte ein Aktionsprodukt bei Lidl.

Mit wachsender Globalisierung wird für Handelsketten wie die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland gehört, auch der Umweltschutz wichtiger. Bei Kaufland bekommen Kunden deshalb blaue Kassenbons, die umweltschonender sind als der herkömmliche, auf Thermopapier gedruckte Einkaufszettel. Wie wichtig Umweltschutz den Handelsriesen ist, zeigt ein offener Brief an den nationalen Kongress in Brasilien, den unter anderem auch Lidl unterzeichnet hat. Der Anlass: Die Abholzung des Amazonas.

Lidl und andere Supermarktketten sind schockiert - Gesetz in Brasilien gefährdet Amazonas

Der Regenwald im Amazonas bietet nicht nur einer großen Artenvielfalt eine Heimat, sondern ist als CO2-Speicher auch bedeutend für den Klimawandel. Doch bereits im vergangenen Jahr brannten große Flächen im brasilianischen Pantanal. Die Regierung um Staatschef Jair Bolsonaro nimmt darauf wenig Rücksicht, im Gegenteil: Ein Gesetz soll die Landnahme durch Farmer im Regenwald sogar nachträglich legalisieren.

Das schockiert nicht nur Umweltschützer. Wie Spiegel Online berichtet, haben sich zusammen mit Lidl 40 europäische Supermarktketten in einem offenen Brief an den brasilianischen Kongress gewandt. Sie sprechen sich vehement gegen das Gesetz aus - und drohen mit ernstzunehmenden Konsequenzen, sollte es trotzdem in Kraft treten.

Wegen der Zustände im brasilianischen Regenwald droht Lidl, bestimmte Produkte aus dem Sortiment zu werfen.

Der Gesetzentwurf sei für den Amazonas potenziell „eine noch größere Bedrohung“ als die Waldbrände 2020, so die Unternehmen. Im Schnitt wurden vergangenes Jahr im Regenwald pro Tag eine Fläche in der Größe von mehr als 4.000 Fußballfeldern abgeholzt, schreibt Spiegel Online. In dem offenen Brief von Lidl und anderen Supermarktketten betonen die Unterzeichner die Bedeutung des Amazonas für das globale Ökosystem und den Schutz des Planeten.

Lidl und andere Supermarktketten drohen mit Produkt-Boykott, sollte Brasilien nicht einlenken

Der bestehende Schutz des Amazonas im brasilianischen Gesetz „war bislang entscheidend für unsere Unternehmen darauf zu vertrauen, dass unsere Geschäftsbeziehungen mit Brasilien im Einklang mit unserer Verpflichtung zu sozialer Verantwortung und Verantwortung gegenüber der Umwelt stehen“, schreiben Lidl und die anderen Supermarktketten in ihrem Brief.

Sollte das neue Gesetz zur Legalisierung von Rodungen des Amazonas in Brasilien in Kraft treten, wollen die Unterzeichner nicht tatenlos bleiben. „Wenn diese Maßnahme verabschiedet wird, haben wir keine andere Wahl, als unsere Unterstützung und Nutzung der brasilianischen Lieferkette zu überdenken“, heißt es. Ein tatsächlicher Boykott von Produkten aus Brasilien hätte nicht nur Folgen für die Regale in Supermärkten von Lidl, sondern auch für die Preise. Brasilien gilt als bedeutender Exporteur von Rindfleisch, Soja und Kaffee nach Europa. Manch ein Produkt könnte demnach verschwinden, einige teurer werden.

Lidl setzt sich schon länger für die Nachhaltigkeit ihrer Produkte aus Brasilien ein. Seit 2017 fördert die Supermarktkette die Umstellung auf gentechnikfreies und nachhaltiges Soja aus dem südamerikanischen Land. 2020 unterzeichnete Lidl ein Manifest gegen illegalen Landraub beim Sojaanbau in Brasilien. Bis 2025 will Lidl sogar entwaldungsfreie Lieferketten.

Rubriklistenbild: © dpa/Fotocollage

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