Supermärkte wollen weniger Barzahlung

Lidl und Co.: Kunden sollen auf Barzahlung verzichten - doch viele kommen der Forderung nicht nach

Eine EC-Karte wird an den Bezahl-Terminal an der Kasse eines Supermarktes gehalten.
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Laut einer Studie bezahlen deutsche Kunden bei Lidl und Co. noch immer lieber mit Bargeld statt mit Karte oder Smartphone.
  • Julian Baumann
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Bequem mit der Kredit- oder Bankkarte zahlen gehört bereits zu Normalität. Viele Deutsche vertrauen dennoch auf Bargeld - Supermärkte wie Edeka, Lidl und Co. wollen diese Angewohnheit austreiben.

Neckarsulm - Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sollten direkte Kontakte nach Möglichkeit vermieden werden. Auch Supermärkte und Discounter wie Lidl, Kaufland und Co. weisen im Kassenbereich der Filialen seit Pandemie-Beginn daraufhin, dass die Kunden möglichst kontaktlos oder mit Karte zahlen sollen. Inzwischen ist der technische Fortschritt bei den Bezahlsystemen so weit ausgebaut worden, dass man auch einfach mit dem Smartphone bezahlen kann. Eigentlich wird das Bezahlen damit nicht nur in der Pandemie sicherer, sondern ist auch deutlich einfacher. Man spart sich den Gang zur Bank und muss auch nicht vor jedem Einkauf checken, ob man genug Bargeld bei sich führt.

In anderen europäischen Ländern gehört das Bezahlen mit Kredit- oder Bankkarte bereits zum Alltag. In Deutschland trauen sich viele Kunden jedoch noch nicht wirklich und bezahlen nach wie vor lieber mit Scheinen oder Münzen. Dies ergab eine Umfrage im Auftrag des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna, wie waz.de berichtet. In den Filialen der Discounter-Kette Lidl aus dem baden-württembergischen Neckarsulm (Kreis Heilbronn) wird im Kassenbereich ebenfalls auf ein möglichst kontaktloses Bezahlen hingewiesen - dasselbe gilt auch für die Filialen der Drogeriekette dm aus Karlsruhe. Doch das scheint laut den Ergebnissen der Studie bislang nicht zu fruchten.

Lidl und Co.: Alternative Bezahlmethoden - Deutschland schneidet bei Studie schlecht ab

Durch die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg hat sich der Kaufvorgang für viele Produkte und Waren deutlich geändert. Nahezu jede Kette betreibt inzwischen einen Online-Shop, bei dem man Ware kaufen und bezahlen kann, ohne das Haus zu verlassen. Wenn sich die Deutschen dennoch auf den Weg in die nächste Supermarktfiliale - beispielsweise zu Lidl - machen, vertrauen sie jedoch nach wie vor auf das Bargeld in ihren Portemonnaies. Das ergab zumindest die Studie von Klarna, die mit 9.000 Konsumenten durchgeführt wurde, wie waz.de berichtet. In den skandinavischen Ländern wird dagegen bereits hauptsächlich mit Karte oder Smartphone bezahlt.

Der Discounter Lidl, der wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, ist nicht nur der größte Lebensmittelhändler Deutschlands, sondern hat auch massiv in andere Länder expandiert. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg betreibt auch Filialen in Skandinavien - beispielsweise in Dänemark, Schweden und Finnland, wie aus einer Karte auf der Lidl-Homepage hervorgeht. Schweden, Finnland und Norwegen zählen laut der Studie zu den weltweiten Spitzenreitern in Sachen kontaktloses Bezahlen. Deutschland ist dagegen weit hinten dran, nur 38 Prozent möchten ihre Einkäufe mit der Karte begleichen. Laut der Studie zahlt jeder zweite Kunde in Deutschland (49 Prozent) am liebsten mit Bargeld, wie waz.de berichtet.

Bezahlen bei Lidl und Co.: Besonders Frauen bevorzugen Zahlung mit Bargeld, zeigt Studie

Aus der Studie von Klarna geht außerdem hervor, dass Frauen beim Bezahlen in Lidl-Filialen oder anderen Supermärkten besonders auf Bargeld setzen. 52 Prozent der befragten Frauen in Deutschland zahlen bar, bei den Männern sind es 45 Prozent. Das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone wird dagegen noch weniger genutzt, berichtet waz.de. In Australien und den Niederlanden (je 17 Prozent), in Großbritannien (14 Prozent) und in den USA (13 Prozent) wird noch am häufigsten per Smartphone, durch Gesichtserkennung oder per Fingerabdruck bezahlt. Bei den deutschen Kunden entschieden sich nur jeweils zwei Prozent für diese Möglichkeiten.

Die Discounter-Kette Lidl setzt bereits auf moderne Einkaufsvorgänge. Die Bezahlapp „Lidl Pay“ ging bundesweit an den Start und auf dem Bildungscampus in Heilbronn testen Lidl und Kaufland bereits Filialen ohne Kassierer. Dennoch scheinen die Kunden bei den Bezahlvorgängen größtenteils noch auf altbewährte Methoden zu setzen. Über den Grund kann bestenfalls spekuliert werden. Möglicherweise haben einige Konsumenten Angst, zu viel Geld auszugeben, wenn die Scheine und Münzen nur virtuell und nicht greifbar über die Ladentheke wandern. „Während viele andere Länder die Weichen für die Zukunft stellen, droht Deutschland im internationalen Vergleich abgehängt zu werden“, heißt es laut waz.de in der Studie.

Kürzlich achtete ein Kunde von Lidl wohl auch nicht auf die vielen Hinweise zum kontaktlosen Bezahlen. Er rastete wegen einer Plexiglas-Scheibe an einer Lidl-Kasse aus.

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