Eigenes Logo

Lidl führt neue Eigenmarke ein, die für Discounter früher undenkbar war

  • Valentin Betz
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Wer sein Obst und Gemüse beim Gärtner nebenan kauft, tut Gutes für die Umwelt. Das wissen auch Discounter wie Lidl. Die Supermarktkette bietet deshalb jetzt noch regionalere Produkte an.

Bad Wimpfen - Das Thema Nachhaltigkeit gerät immer stärker in den Fokus der Gesellschaft. Menschen wollen mit gutem Gewissen einkaufen, das hat inzwischen auch die Wirtschaft erkannt. Das macht sich nicht nur bei Themen wie der Elektromobilität bemerkbar, sondern auch im ganz alltäglichen Bereich. So kämpft Kaufland mit einem neuen Service gegen die Öko-Katastrophe: Nachfüllstationen statt Plastikflut.

Für Discounter ist der Einsatz für mehr Nachhaltigkeit besonders erstaunlich, unterboten sich die Konkurrenten doch jahrelang mit Niedrigpreisen. Auch Lidl aus dem baden-württembergischen Bad Wimpfen baut inzwischen darauf, die Supermarktregale umweltfreundlicher zu gestalten. Wegen der Abholzung des Regenwaldes drohte Lidl Brasilien sogar mit einem Produkt-Boykott.

Neue Produkte bei Lidl: Discounter wird bei Obst und Gemüse zum lokalen Händler

Die Bemühungen von Discountern wie Lidl um eine umweltfreundliche Lieferkette sind ein positives Signal für mehr Nachhaltigkeit. Am besten ist es für die Umwelt jedoch, wenn Produkte erst gar nicht um die halbe Welt reisen müssen, um im Supermarktregal zu landen. Supermärkte setzen deshalb unter anderem auf regionales Obst und Gemüse, auch Lidl. Im Falle des Discounters der Schwarz-Gruppe hieß regional bislang aber bestenfalls aus demselben Bundesland, wie die jeweilige Filiale. Wie die Lebensmittelzeitung (LZ) berichtet, will Lidl das jetzt noch weiter einschränken: mit Produkten unter dem Logo „total lokal“ ganz aus der Nähe.

Regionale Produkte bei Lidl: In der Region um Bad Wimpfen testet der Discounter lokales Gemüse und Obst und gibt sich so als „Gärtner von nebenan“ (Symbolbild).

Eigentlich ist beim Discounter Lidl alles auf Effizienz getrimmt. Mit Produkten aus dem direkten Umkreis der Filialen ist das nur schwer vereinbar, weshalb der Schritt mit dem Logo „total lokal“ durchaus überrascht. Entsprechend beginnt Lidl das Angebot zunächst nur in einer Testregion um die Deutschlandzentrale in Bad Wimpfen. „Wir wollen die Präsenz von lokal erzeugten Produkten stärken und regionale Erzeuger unterstützen“, erklärte eine Lidl-Sprecherin der Lebensmittelzeitung.

Regionale Produkte bei Lidl: Kürzere Anfahrt, aber trotzdem höherer Preis

Der Test des Discounters Lidl beschränkt sich nicht nur auf eine anfangs kleine Region, sondern bezieht sich auch nur auf ein begrenztes Sortiment. Laut Lebensmittelzeitung werden Äpfel, Erdbeeren, Rhabarber, Spargel, Gurken, Tomaten und Salate künftig in bester Position in den Filialen positioniert. Dafür verdrängt Lidl sogar die Bio-Produkte neben konventionelle Artikel.

Allerdings hat das Engagement für mehr Regionalität auch seinen Preis. Lieferwege fallen zwar weg, preislich ist das lokale Gemüse trotzdem über dem Standard positioniert. Rhabarber ist beispielsweise pro Kilo 16 Cent teurer als Ware aus weiter entfernten Gebieten Deutschlands.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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