„Corona-Helden“

Lidl würdigt Mitarbeiterinnen mit Superhelden-Werbung: „Wie geil ist das denn?“

Das Werbevideo mit Lidl-Woman stößt nicht nur auf positive Resonanz.
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Das Werbevideo mit Lidl-Woman stößt nicht nur auf positive Resonanz.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Ein Lidl-Werbeclip, in dem Kassiererinnen als Superheldinnen dargestellt sind, kommt bei den Kunden des Discounters gut an. Andere hingegen kritisieren die Werbung

Heilbronn - Als die „stillen Helden in der Krise“ sind die zahlreichen Supermarkt-Mitarbeiter in Deutschland bezeichnet worden. Seit das Coronavirus in Baden-Württemberg ist und das öffentliche Leben nahezu stillgelegt hat, sind es unter anderem die Supermärkte, die in der Pandemie als „systemrelevant“ gelten und weiterhin die Türen geöffnet haben. Weil insbesondere die Mitarbeiter angesichts des Kundenandrangs einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, werden sie - neben Ärzten und Pflegekräften - als „Corona-Helden“ gefeiert.

Offenbar dieses Narrativ hat Lidl nun für ein kurzes Video in Szene gesetzt. In dem neuesten Werbeclip des Discounters, der auf Facebook mit dem Titel „Lidl-Woman“ gepostet wurde, ist eine Frau in einem Superheldinnen-Kostüm zu sehen, das stark an Wonder Woman erinnert - einer Figur aus dem DC Comic-Verlag. Mit den Worten „Ich muss gehen. Die Nacht neigt sich dem Ende“ beginnt das Video und zeigt die Superheldin, die sich in einem Wald mit einer „Gefährtin“ über die Unwägbarkeiten der bevorstehenden Herausforderung unterhält. Die Superheldin steht schließlich vor einer Lidl-Filiale - nachdem sie einen goldenen Lidl-Schlüssel überreicht bekommen hat - in herkömmlicher Arbeitskleidung und führt eine Gruppe von weiteren Mitarbeitern in die Frühschicht.

Lidl postet das Video auf der eigenen Facebook-Seite:

„Die wahren Helden packen in den Filialen täglich mit an – und packen dabei immer noch eine Schippe darauf. Sie brennen für ihre Jobs und ziehen mit dem Team an einem Strang, um immer das Beste geben zu können. Für Kunden und Kollegen“, schreibt der Discounter über das mit dem Hashtag #superheldengibtsnichtnurimkino gekennzeichnete Video - und weist zusätzlich dezent auf den Link zur Bewerberplattform hin.

Mitarbeiter im Supermarkt haben in der Corona-Krise keinen einfachen Job. Auch die Beschäftigten des Discounters der Schwarz-Gruppe kriegen mitunter die Wut der Kunden ab. Bekannt wurde unter andere der Fall eines Lidl-Kunden, der wegen der Plexiglas-Scheibe an der Kasse ausrastete und kritisierte, dass die Kassiererinnen dahinter kein Mund-Nasen-Schutz tragen würden. Erst kürzlich packte aber auch eine Lidl-Kassiererin aus, die sich beschwerte, dass Kunden den Arbeitsalltag der Mitarbeiter erheblich erschweren würden.

Lidl-Werbeclip: Die Reaktionen darauf fallen nicht nur positiv aus

Die Reaktionen auf den Superheldinnen-Clip fallen auf Facebook überwiegend positiv aus. „Einfallsreich und super gemacht. Musste direkt schmunzeln“, schreibt ein Nutzer an die Marketing-Abteilung der Lidl-Zentrale gerichtet. Mit „Demnächst im Kino!!! Lidl-Woman und die Öffnung von Kasse 2. Echt geiler Spot! Nice gemacht!“ und „Wie geil ist das denn Bitte“ kommentierten andere Nutzer.

Es gibt allerdings auch kritische Töne, die das Video als Schönfärberei der wirklichen Umstände für viele Lidl-Mitarbeiter sehen. „Finde das Video etwas anmaßend und übertrieben“, schreibt etwa ein Nutzer und weist darauf hin, dass die Mitarbeiter oft „gestresst und überfordert“ wirkten. Auch ein weiterer Facebook-Nutzer geht auf diesen Aspekt ein: „Etwas drüber“, urteilt er, „Wenn Werbebotschaften und Realität so weit voneinander entfernt sind, schadet es der Reputation doch eher. Es wirkt trotz guter Produktion deshalb leider lächerlich. Sorry Lidl.“

Lidl und Kaufland haben es nicht nur bei warmen Worten belassen

Ein weiterer Nutzer schreibt schlussfolgernd: „Wenn ihr eure Mitarbeiter wertschätzen wollt, dann hättet ihr das Geld für den Spot direkt an Sie auszahlen können.“ Ein anderer fordert: „Eine Gehaltserhöhung für die Helden der Arbeit wäre gerecht.“

Bei warmen Worten und Hollywood reifen PR-Maßnahmen ist es indes nicht ganz geblieben. Die Schwarz-Gruppe hat ihre insgesamt rund 140.000 Mitarbeiter in den Filialen mit Sonderzahlungen in der Corona-Krise durchaus belohnt. Für die Mitarbeiter gab es bis zu 250 Euro - in Form eines Lidl- oder Kaufland-Einkaufsgutscheins.

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