Betrugsfälle bei Discounter

Betrüger nutzen Lidl App, um hunderte Euro von fremden Konten abzubuchen - „es wird massiv betrogen“

Ein Kunde hat die Lidl App auf seinem Smartphone geöffnet und hält den QR-Code zum Bezahlen an der Kasse bereit.
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Lidl Pay offenbart kurz nach der Einführung einige Sicherheitslücken.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Die neue Lidl App und der damit verbundene Bezahldienst Lidl Pay hat offenbar eklatante Sicherheitslücken, wie einige Nutzer beklagen. Kriminelle nutzen demnach fremde Kontodaten, um damit einzukaufen. Hunderte von Euro werden abgebucht.

Neckarsulm - Erst im April ging die Bezahlapp von Lidl bundesweit an den Start. Wie sich nach kurzer Zeit nun herausstellt, offenbart die Anwendung eklatante Sicherheitslücken. Kriminelle sind Berichten zufolge an die Kundendaten gelangt, und nutzen diese für einen Einkauf beim Discounter. Die Betroffenen bemerken dabei oft erst später den Betrugsfall.

Um die Lidl App nutzen zu können, müssen sich Nutzer mit ihren persönlichen Daten registrieren. In der Anwendung sollen sie - für den späteren Einkauf - außerdem auch ihre Kontodaten hinterlegen. Einem Bericht des Online-Portals Supermarktblog zufolge, haben Unbekannte diese Daten von anderen Personen gehackt, und bei Lidl Einkäufe in Höhe von hunderten Euro getätigt. Meistens handelt es sich dabei wohl um Gutscheinkarten von Lidl.

Lidl-Kunden erfahren meist erst einige Tage später von der illegalen Abbuchung

Die Kunden des Discounters Lidl, der seinen Sitz im baden-württembergischen Bad Wimpfen hat, erfahren meist erst viel später von der illegalen Abbuchung. Die Benachrichtigung vom Unternehmen, dass Geld vom Nutzer-Konto abgebucht wurde, dauert mehrere Tage. Das Geld lässt sich zwar zurücküberweisen. Betroffene berichten jedoch, dass sich infolgedessen Inkasso-Unternehmen gemeldet hätten.

Kritik äußerte sich im Netz besonders an den unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen der App. Eine Überprüfung, ob das Konto tatsächlich zum Nutzer gehört, erfolgt dabei bei der Lidl-App nicht - im Gegensatz etwa zu Payback Pay. Der Online-Bezahldienst arbeitet mit einer „Kontrollüberweisung“, bei der dem Nutzer ein Cent-Betrag überwiesen wird. Diese Überweisung kann dann online bestätigt werden. Bei der Lidl App müssen Nutzer lediglich ihre E-Mail-Adresse verifizieren und ihre vollständige Adresse angeben.

Lidl kann „einzelne“ Betrugsfälle nicht ausschließen

Auf Anfrage von BW24 erklärt Lidl, dass man die marktüblichen Sicherheitsmaßnahmen für die Zahlung mit Lidl Pay eingeführt habe. Diese hätten sich in der Vergangenheit bewährt. „Vollständig ausschließen lassen sich Betrugsfälle unabhängig von der Bezahlmethode nie“, so eine Lidl-Pressesprecherin.

Betroffene Kunden kritisieren die Lidl-Pay-Anwendung scharf. „Bei eurer App kann jeder x-Beliebige irgendeine Kontonummer angeben, ohne sich ausweisen oder sonst zertifizieren zu müssen!“, schreibt ein Nutzer auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Angesichts der Sicherheitslücken fordert ein weiterer Nutzer: „Ihr müsst Lidl Pay sofort pausieren und dann nachbessern, es wird massiv betrogen.“

Betrugsfälle mit der Lidl-Pay-App: Ein Fall bei Stuttgarter Polizei bekannt.

Lidl indes weist darauf hin, dass „ausschließlich Einzelfälle bekannt“ seien, in denen es zu „Unregelmäßigkeiten“ gekommen sein könnte. Betroffenen rät das Unternehmen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Die Bearbeitung durch einen Inkassopartner werde gestoppt, sobald sich der Betrugsverdacht erhärte.

Wie der Supermarktblog berichtet, ist das Phänomen der Polizei in Berlin bekannt. Seit dem 1. Juni 2021 würde es statistisch im Betrugsdezernat des Landeskriminalamts erfasst. Es lägen jedoch noch keine validen Zahlen vor. In der Landeshauptstadt Stuttgart sind die Betrugsfälle im Zusammenhang mit der Lidl-Pay-App ebenfalls bekannt. Auf Anfrage von BW24 konnte ein Polizeisprecher des Präsidiums in Stuttgart bisher einen Fall bestätigen.

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