Güterbahnhof Moabit

Lidl in Berlin will Parkplatz auf Holocaust-Mahnmal bauen

Am Güterbahnhof in Moabit soll auf einem Holocaust-Mahnmal ein neuer Lidl-Parkplatz entstehen.
+
Am Güterbahnhof in Moabit gibt es ein Holocaust-Mahnmal: Hier will Lidl einen Parkplatz bauen
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen

Der Discounter Lidl stellte einen Bauantrag: Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Berlin soll der Neubau einer Filiale entstehen - auf einem Holocaust-Mahnmal.

Berlin/Neckarsulm - Die Geschichte Deutschlands ist dunkel: Vor 70 Jahren wurden im Dritten Reich Millionen von Menschen verschleppt und ermordet. Auch in Berlin, genauer gesagt am Güterbahnhof Moabit, gab es einen Ort des Schreckens: Hier starteten die Transporte der jüdischen Berliner in die Ghettos und Lager im Osten.

Mehr als 30.000 Männer, Frauen und Kinder wurden zwischen 1941 und 1943 von dem Bahnsteig deportiert. Heute steht hier ein Mahnmal, um an diese schrecklichen Taten zu erinnern. Doch genau an diesem Ort möchte nun der Discounter Lidl einen Parkplatz bauen.

Antrag für Lidl-Neubau auf Holocaust-Mahnmal wurde am Jahrestag der Reichspogromnacht gestellt

Was nach einem schlechten Witz klingt, ist die traurige Wahrheit. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat Berlin diese Geschichte schon vor 20 Jahren ein wenig vergessen: Damals erwarb der Discounter Lidl aus dem baden-württembergischen Neckarsulm am Güterbahnhof Moabit ein Grundstück.

Seither steht hier ein Supermarkt mit einem großen Parkplatz. Ein Teil des früheren Bahnsteigs, von dem die Menschen deportiert wurden, ist schon jetzt von dem Parkplatz überbaut. Nun plant die Schwarz-Gruppe, auf dem Rest einen Neubau mit Parkplatz zu errichten - auf denkmalgeschütztem Gelände

Der Bauantrag für den Neubau einer Lidl-Filiale sowie der Vergrößerung des Parkplatzes wurde am 9. November 2020 eingereicht. Dieses Datum sagt Geschichtsinteressierten sicherlich etwas. Es ist der Jahrestag der Reichspogromnacht: An diesem Tag im Jahr 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte, Nazis misshandelten, verhafteten und töteten Tausende Juden.

Laut des Tagesspiegels ist auf dem Antrag zu erkennen, dass Lidl sein neues Gebäude in Moabit genau an den schmalen Weg setzen will, an dem die Menschen einbiegen mussten, um sich auf dem Bahnsteig aufzustellen. Je nach Höhe des Neubaues würde dieser schmale Weg komplett im Schatten liegen.

Außerdem würde ein zusätzliches, ebenfalls geschütztes Grundstück zum Großteil überbaut werden. „Damit würde ein weiterer Teil der früheren Rampe, die jetzt noch als ein etwa 140 Meter langes Teilstück erkennbar ist, verschwinden“, schreibt der Tagesspiegel.

Güterbahnhof Moabit: Eventuell muss Lidl mit dem kompletten Standort umziehen

Am vergangenen Donnerstag wurde über die Pläne von Lidl in der digitalen Bezirksverordnetenversammlungen beraten: Der Stadtrat für Stadtentwicklung und stellvertretende Bezirksbürgermeister Ephraim Gothe (SPD) erteilte ihnen eine Absage. Lidl darf also nicht bauen. Stattdessen will Gothe dafür sorgen, dass das Grundstück in Landesbesitz übergeht. Er habe sogar von der Option gesprochen, Lidl komplett von diesem Standort zu vertreiben.

Dass am Güterbahnhof Moabit überhaupt ein Mahnmal steht, ist vor allem Bürgern aus Moabit sowie Geschichtsinteressierter zu verdanken: Der Verein Gleis 69 setzte sich im Jahr 2017 dafür ein, dort eine Gedenkstelle zu errichten.

Der geplante Neubau einer Filiale ist nicht das erste Mal, dass Lidl negativ auffällt. Vor allem aufgrund des Coronavirus geriet der Discounter in letzter Zeit in das Visier von Kritikern. So beobachtete eine Kundin einen Vorfall mit einem Security-Mitarbeiter: Dieser ließ ein Rentnerpaar nicht in den Laden, weil die beiden aufgrund von Rollator und Krücken keinen Einkaufswagen schieben konnten. Andere Kunden wenden sich enttäuscht von Lidl ab, weil sie kein Verständnis für die Mengenbeschränkungen beim Einkauf haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare