Laxer Umgang mit Corona-Regeln

Lidl-Filiale im Kreis Tübingen soll Mitarbeitern FFP2-Masken verboten haben

Eine Lidl-Filiale in Herten
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Ein Lidl-Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen den Discounter.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Erneut gerät eine Lidl-Filiale, in der es zu einem Corona-Ausbruch kam, in die Schlagzeilen. Ein Mitarbeiter wirft der Marktleitung laxen Umgang mit Hygiene-Regeln vor.

Tübingen - Ein „regelrechtes Verbot von FFP2-Masken“, keine Corona-Tests und keine Freistellungen trotz offensichtlicher Corona-Symptome - es sind schwere Vorwürfe, die ein Mitarbeiter der Lidl-Filiale in Gomaringen (Kreis Tübingen) erhebt. Der Beschäftigte wirft der Marktleitung der Filiale vor, zu lax mit den Hygienevorgaben im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg umgegangen zu sein. Zu Ostern war es in besagter Filiale zu einem Infektionsausbruch gekommen, bei dem es neun bestätigte Fälle gab.

Für den Beschäftigten sei das angesichts des unvorsichtigen Umgangs mit Corona-Vorgaben in den Mitarbeiterbereichen keine Überraschung gewesen. „Es gab kein Hygienekonzept“, sagt der Mitarbeiter gegenüber dem Schwäbischen Tagblatt. FFP2-Masken seien praktisch verboten gewesen, weil deren Gebrauch vorgeschriebene Pausen nach sich ziehe. Noch zu Beginn des Monats April seien die Mitarbeiter zudem keinen regelmäßigen Corona-Tests unterzogen worden. Gerade zu diesem Zeitpunkt stiegen die Inzidenzzahlen jedoch wieder drastisch an.

Vorwurf gegen Lidl: Minijobber bekommen Quarantänezeit als Minusstunden aufgebrummt

Der Mitarbeiter der Gomaringer Filiale wirft der Leitung vor, Kollegen angehalten zu haben, trotz deutlicher Symptome, die auf eine Corona-Ansteckung hindeuten, weiterzuarbeiten. Bereits Mitte April war ein Fall in einer anderen Filiale in Nördlingen (Bayern) bekannt geworden. Auch dort stand die Anschuldigung im Raum, dass Lidl-Mitarbeiter trotz Corona-Infektion weiter gearbeitet haben sollen.

Wie die Lidl-Zentrale gegenüber des Schwäbischen Tagblatts erklärt, sei eine „umfassende Kontaktverfolgung eingeleitet und vorsorglich das gesamte Filialpersonal bezahlt freigestellt“ worden, unmittelbar nachdem der erste Corona-Fall in der Gomaringer-Filiale bekannt geworden war. Laut dem Beschäftigten galt das offenbar aber nur für die Tarifangestellten im Betrieb. Minijobbern hingegen sei die gesamte Zeit, die sind in der Quarantäne waren, als Minusstunden angerechnet worden.

Lidl-Mitarbeiter berichtet vom steigenden Druck in der Branche

Der Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will, berichtet zudem von dem derzeitigen Druck in der Branche. Der Discounter sei in der Corona-Krise ein sicherer Arbeitgeber, und die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt derzeit groß. Vor diesem Hintergrund könne Lidl leicht mit Druck gegenüber seinen Angestellten auftreten. „Es interessiert niemanden, was hinter den Kulissen passiert.“

Die Lidl-Zentrale derweil unterstreicht, alles Nötige für den Schutz der Mitarbeiter zu tun. Alle Beschäftigen in Gomaringen seien in einem örtlichen Testzentrum getestet worden. Die Mitarbeiter hätten medizinische Masken erhalten, zudem würden Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen. Mittlerweile gebe es auch zweimal wöchentlich zwei Selbsttests zur freiwilligen Verfügung.

Auch Lidl-Mitarbeiter selbst wurden von Kunden für ihren laxen Umgang mit Corona-Regeln kritisiert

Vereinzelt fallen auch die Mitarbeiter des Unternehmens damit auf, wie nachlässig sie mit den Corona-Vorgaben umgehen - sehr zum Leidwesen der Besucher. Zuletzt rastete ein Lidl-Kunde wegen der Plexiglas-Scheibe an der Kasse aus. Er beschwerte sich darüber, dass das Kassenpersonal dahinter ohne Mund-Nasen-Schutz arbeiten würde. Die Wirkung der Plexiglas-Scheibe allein ist seit Langen umstritten.

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