Regionale Lebensmittel

Kaufland, Lidl und Co.: Label „Regional“ ist häufig eine Lüge

Eine Frau schiebt in einer Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl einen Einkaufswagen durch die Regalreihen.
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Auch einige Lidl-Produkte tragen ein „Regional“-Label.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Discounter wie Lidl preisen manche ihrer Produkte als regional. Doch weil das Label nicht geschützt ist, nehmen es die Supermärkte mit der Regionalität oft nicht so genau.

Bad Wimpfen - Artgerechte Eier vom Bauernhof nebenan, Bio-Äpfel von den Obstwiesen ganz in der Nähe - Supermärkte bewerben ihre Produkte gern mit dem Label der Regionalität. Die Kunden greifen oft zu, in dem Glauben, damit die lokale Landwirtschaft zu unterstützen. Doch nicht immer sind die Produkte so regional, wie sie angepriesen werden. Denn die Hinweise wie beispielsweise „aus der Heimat“ sind rechtlich nicht geschützt. Supermärkte können deshalb selbst bestimmen, was als „regional“ gilt.

Um beim Kunden mit Nachhaltigkeit zu punkten, haben Supermärkte mittlerweile eigene Labels entwickelt, unter anderem auch die Schwarz-Gruppe. Zuletzt bekamen etwa Lidl- und Kaufland-Produkte eine Kennzeichnung, mit der es Kunden leichter gemacht werden soll, den Verpackungsmüll zu trennen. Auf den Produkten des Discounters und Vollsortimenters finden sich darüber hinaus auch eben jene „Regional“-Labels. Nicht immer kommen die Produkte aber aus der unmittelbaren Umgebung.

Bei einem Lidl-Produkt wurde Regionalität nur suggeriert

„Jeder Hersteller, jeder Händler kann sagen: Meine Kriterien sind die und die und deswegen bewerbe ich ein Produkt als ‚regional‘. Da guckt niemand hin und kontrolliert, ob diese Standards auch eingehalten werden“, erklärt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg gegenüber der rbb-Magazinsendung Super.Markt. Von daher rät die Expertin, die Werbung der Supermärkte genau anzusehen. Ein Beispiel von Lidl Deutschland zeigt, wie Regionalität nur suggeriert wird.

Auf eine Packung Eier schreibt das Unternehmen Lidl etwa: „Aus Solidarität: Mit dem Kauf dieser Eier unterstützen Sie unsere Landwirte“. Wie aus dem Magazinbeitrag hervorgeht, stammten die Eier aber weder aus demselben Bundesland, in dem sie vertrieben wurden, noch aus Deutschland - sondern aus den Niederlanden.

Die Aufschrift „unsere Landwirte“ suggeriere jedoch Regionalität, so Verbraucherschützerin Annett Reinke. Der Discounter wurde für diese Behauptung daher auch bereits abgemahnt. Lidl musste infolgedessen eine Unterlassungserklärung abgeben.

Eine Lidl-Kundin kritisierte erst zuletzt abgepacktes Fleisch aus Uruguay

Ein Blick auf das Regionalfenster auf der Produktverpackung kann dem Kunden dabei oft Aufschluss darüber geben, woher das Produkt tatsächlich stammt. Meist, so Anett Reinke, sei ersichtlich, dass das Produkt eine weitere Transportreise hinter sich habe, beispielsweise vom Süden in den Norden Deutschlands gefahren worden und damit nicht „direkt von hier“ sei. Das Regionalfenster ist jedoch nur eine freiwillige Angabe für die Hersteller.

Kunden von Lidl ist das Thema der Regionalität erst zuletzt negativ aufgefallen. Eine Lidl-Kundin empörte sich über abgepacktes Fleisch beim Discounter. Ihre Kritik richtete sich gegen Rindfleisch, dass aus Uruguay stamme. „Warum, Lidl, listet ihr nicht regionales Rindfleisch, quasi vom Nachbarn nebenan? Ressourcenschonend und besser für die Umwelt wäre es allemal“, so die Kundin.

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