Streit beim Lebensmittelhändler

Lidl-Mutter räumt auf: Nach dem Chef der Schwarz-Gruppe muss weitere Vorständin gehen

Lidl-Zentrale Neckarsulm
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Chaos bei Lidl-Mutter: Nach dem Chef der Schwarz-Gruppe hat eine Vorständin den Handelskonzern verlassen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Es brodelt bei der Schwarz-Gruppe. Nachdem bereits der Chef der Lidl-Mutter, Klaus Gehrig, entlassen wurde, musste jetzt auch Vorständin Annabel Ehm gehen.

Neckarsulm - Die Schwarz-Gruppe, die aus den Discountern Lidl*und Kaufland besteht, ist der viertgrößte Handelskonzern der Welt. Entsprechend hat der Chef des Konzerns eine nicht unerhebliche Macht - getroffene Entscheidungen wirken sich auf Lidl-Standorte weltweit* aus, ebenso wie auf Filialen von Kaufland.

Entsprechend verwundert es eigentlich wenig, dass die Position des Chefs der Schwarz-Gruppe große Herausforderungen mit sich bringt. Doch jahrzehntelang ging es bei der Lidl-Mutter eher ruhig und harmonisch zu. Seit 1976 lenkte Klaus Gehrig als Chef neben Lidl-Gründer Dieter Schwarz* die Geschicke des Handelskonzerns und machte den Discounter zum härtesten Konkurrenten von Aldi.

Doch mit der Harmonie scheint es vorbei zu sein. Die Lage bei der Lidl-Mutter eskaliert, Chef Klaus Gehrig musste bereits gehen (BW24* berichtete). Anlass dafür waren wohl Personalentscheidungen des Chefs der Schwarz-Gruppe sowie die Frage nach dessen Nachfolge. Der Streit mit Lidl-Inhaber und Gründer Dieter Schwarz hat jetzt zu einer weiteren Veränderung geführt: Auch Vorständin Annabell Ehm musste wohl gehen, wie das Handelsblatt berichtet.

Streit bei Lidl-Mutter: Nach Chef der Schwarz-Gruppe geht wohl auch Vorständin

Demnach habe die Schwarz-Gruppe bestätigt, dass Annabel Ehm das Unternehmen verlassen habe. Die erst 28-Jährige leitete bei der Lidl-Mutter als Vorständin die Bereiche Interne Prüfung und Beratung. Warum sie den Handelskonzern verließ, erklärte die Schwarz-Gruppe offenbar nicht. Laut Handelsblatt galt Vorständin Annabel Ehm allerdings als Protegé des bereits entlassenen Chefs Klaus Gehrig.

Das Handelsblatt vermutet deshalb, dass Lidl-Inhaber Dieter Schwarz mit der weiteren Personalentscheidung schnellstmöglich Ruhe in die Führung der Lidl-Mutter bringen wollte. Vorständin Annabel Ehm gehörte zudem einem Kreis junger Nachwuchsmanagerinnen an, die in den vergangenen Jahren überraschend schnell Karriere bei der Muttergesellschaft von Lidl gemacht hatten - was intern für viel Unruhe gesorgt haben soll.

Vorständin Annabel Ehm gehörte zudem dem zwölfköpfigen Führungsgremium der Schwarz Unternehmens Treuhand KG an, die sämtliche Stimmrechte der Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland bündelt. Das Gremium ist mit einem Aufsichtsrat vergleichbar, der auch mit Externen besetzt ist und über strategische Linien des gesamten Konzerns berät. Ehm war in diese Machtposition auf Wunsch des Ex-Chefs Klaus Gehrig gekommen.

Aufräumen bei Lidl-Mutter: Discounter durch Streit vorübergehend ohne Führung?

Die Streitigkeiten bei der Schwarz-Gruppe bleiben auch für den Discounter Lidl nicht ohne Folgen. Vorübergehend hat zwar Lidl-Inhaber Dieter Schwarz wieder die Rolle des Chefs übernommen. Als langfristige Lösung ist aber Gerd Chrzanowski vorgesehen - Stellvertreter von Klaus Gehrig und aktuell noch Chef von Lidl.

Damit Gerd Chrzanowski aufrücken kann, will Lidl-Inhaber Dieter Schwarz schnellstmöglich den Posten des Lidl-Chefs neu besetzen, konkret nennt das Handelsblatt Ende Juli, wenn die Schwarz-Gruppe die neuen Geschäftszahlen veröffentlicht. Zeitlich steht der Handelskonzern also unter Druck. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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