Hoher Druck auf Mitarbeiter

Schwere Vorwürfe: Lidl angeklagt - wegen Suizid eines Mitarbeiters

Lidl-Filiale in Rathenow
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Die Discounterkette Lidl wurde in Frankreich wegen des Suizids eines Mitarbeiters angeklagt. Der Vorfall liegt mehr als sechs Jahre zurück.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die baden-württembergische Discounter-Kette Lidl sieht sich aufgrund eines Mitarbeiter-Suizids heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Der Vorfall liegt bereits über sechs Jahre zurück.

Bad-Wimpfen/Aix-en-Provence - Die Discounter-Kette Lidl mit Sitz im baden-württembergischen Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) ist mit rund 10.800 Filialen der größte Discounterkonzern der Welt. In den vergangenen Monaten setzte sich das Unternehmen mehrfach für gute Zwecke ein. Beispielsweise drohte Lidl Brasilien mit einem Boykott, da das Land die Rodungen im Regenwald legalisieren wollte. Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen spendete Lidl zudem 10 Millionen Euro an Hochwasser-Opfer.

Erst kürzlich erhoben Menschenrechtsaktivisten jedoch schwere Vorwürfe gegen Lidl wegen „Versklavung“ und „Zwangsarbeit“. Die Discounterkette aus Baden-Württemberg soll nachweislich mit Textilunternehmen aus China zusammengearbeitet haben, die Uiguren als Zwangsarbeiter auf den Baumwollfeldern der Region Xinjiang beschäftigten. Nun sieht sich der weltbekannte Lebensmittelhändler erneut heftigen Vorwürfen ausgesetzt, wie unter anderem der Spiegel berichtet. In diesem Fall geht es um den Selbstmord eines ehemaligen Mitarbeiters im französischen Aix-en-Provence.

Lidl: Discounter wegen Suizid eines Mitarbeiters angeklagt - „sehr starker Druck“ auf Angestellte

Die Discounterkette Lidl betreibt neben Deutschland in 31 weiteren Ländern Filialen, so auch in Frankreich. Dort ist das Unternehmen aus Baden-Württemberg nun wegen eines Tötungsdeliktes angeklagt. Der Vorfall liegt allerdings bereits mehr als sechs Jahre zurück. Im Jahr 2005 nahm sich ein damals 33-Jähriger, der bei Lidl als Techniker in der französischen Stadt Rousset angestellt war, das Leben. Laut dem Spiegel wurde Lidl deshalb bereits Ende 2020 von einem Berufungsgericht in Aix-en-Provence verurteilt. Das Unternehmen habe seine Obhutspflichten versäumt, hieß es.

Lidl musste Strafen von 35.000 Euro an die Witwe, 30.000 Euro an den Sohn und 25.000 Euro an die Mutter des Verstorbenen zahlen. Das Gericht verwies auf einen „sehr starken Druck“, der auf dem 33-Jährigen und anderen Lidl-Mitarbeitern vonseiten des Managements gelastet habe, berichtet der Spiegel. Die Lidl-Mitarbeiter waren laut dem Nachrichtenmagazin nicht in einer Filiale, sondern in einem Lagerhaus in Frankreich angestellt. Dort sei der tägliche Arbeitsumfang für die einzelnen Angestellten „unangemessen“ gewesen. Das zeigte sich auch daran, dass Lidl nach dem Suizid des 33-Jährigen drei neue Mitarbeiter einstellte, um seine Aufgaben zu übernehmen.

Lidl kommentiert erneute Anklage nicht - man stehe der Justiz zur Verfügung

Die erneute Anklage gegen die Discounterkette Lidl nach dem Selbstmord des 33-Jährigen wurde vom Anwalt der Mutter und des Bruders des Verstorbenen bestätigt. Das baden-württembergische Unternehmen wollte sich jedoch nicht zur erneuten Anklage in diesem Fall äußern. Man stehe der Justiz in Frankreich zur Verfügung, hieß es, wolle laufende Verfahren jedoch nicht kommentieren. Am Lidl-Standort in Rousset kam es offenbar zu weiteren ähnlichen Vorfällen. Ein Mitarbeiter sei von einer ehemaligen Filialleiterin regelrecht „tyrannisiert“ worden, schreibt der Spiegel. Auch deshalb erhoben die Behörden Anklage gegen Lidl.

Bei psychischer Belastung oder suizidalen Gedanken helfen oftmals persönliche Gespräche mit Familienmitgliedern oder Freunden. Zusätzlich bietet das Land Baden-Württemberg unter der kostenfreien Rufnummer 0800 377 377 6 täglich von 8 bis 20 Uhr professionelle Hilfe an. „Jede und jeder bekommt dort im Bedarfsfall professionelle Hilfe – schnell und unbürokratisch“, sagte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne).

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