Smartphone statt Münze

Lidl und Co. testen völlig neue Art, den Einkaufswagen zu entsperren

Ein Einkaufswagen mit dem Lidl-Logo an dem Griff.
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In Zukunft könnten Einkaufswagen bei Lidl mit mehr Technik ausgestattet werden.
  • vonEva Kaczmarczyk
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Discounter wie Lidl testen eine neue Art, den Einkaufswagen zu entsperren. Eine Münze oder ein Chip dürften in Zukunft wohl nicht mehr nötig sein.

Neckarsulm - Er ist beim Gang in den Supermarkt nicht mehr wegzudenken: der Einkaufswagen. Seit seinem ersten Einsatz im Jahr 1937 in den Humpty-Dumpty-Supermärkten von Sylvan Goldman in den Vereinigten Staaten von Amerika hat der praktische Einkaufshelfer eine steile Karriere hingelegt. So erleichtert er nicht nur den Transport der Waren innerhalb des Ladens und auf dem Parkplatz, er sorgt diversen Experten zufolge auch dafür, dass der Kunde mehr einkauft, das Einkaufserlebnis grundsätzlich entspannter findet und somit auch eine langfristigere Kundenbindung erbringt.

Bislang konnte der Kunde den Wagen mit einem Chip oder einer Münze auslösen und benutzen. Das soll sich womöglich bald ändern. Supermärkte und Discounter wie Edeka, Aldi oder auch Lidl, mit Sitz in Neckarsulm, gehen in die erste Testphase für Pfandschlösser per App an ihren Einkaufswagen. Bereits im Januar mussten sich Kunden von Lidl und Co. auf einige Änderungen einstellen.

Lidl und Co.: Münzschlitz am Einkaufswagen soll dennoch weiterhin bleiben

Ist dies nun das Aus für den klassischen Einkaufschip, den viele Kunden an ihrem Schlüsselbund mit sich herumtragen? Das Technik- und Verbraucherportal Chip.de hat Discounter wie Lidl befragt und eine deutliche Antwort erhalten. Der Münzschlitz an den Einkaufswagen bleibe auch weiterhin erhalten, da gerade ältere Menschen ihn noch benötigten.

Händler, Verbraucher und Experten machen sich seit Jahren Gedanken über digitale Lösungen fürs Einkaufen. Denn das Auslösen eines Wagens scheitert oftmals daran, dass keine passende Münze im Geldbeutel vorhanden ist, während man das Smartphone in der Regel ständig dabei hat. Da dieses bereits erfolgreich in Sachen kontaktlose Bezahlung getestet wurde, liegt der Schritt zum „Smart-Lock“ am Einkaufswagen nun nahe.

Das Pfandsystem, welches ursprünglich einmal eingeführt worden war, weil zu viele Wagen abhandenkamen, soll künftig per App funktionieren, welche ganz einfach auf das Smartphone geladen werden kann. Viele Nutzer haben hier bereits positive Erfahrungen gemacht, was Coupons und das kontaktlose Bezahlen betrifft. Millionenfach wurden die Apps der Discounter bereits heruntergeladen und offenbar von der breiten Masse positiv aufgenommen.

Discounter wie Lidl und Co. sammeln Erfahrungen mit Einkaufswagen-Entsperrung per App

Eine erste Version des „Smart-Trolleys“ wird dem Bericht zufolge bereits seit Jahren in der Firma Wanzl entwickelt, welche ursprünglich auch für das moderne Design der heutigen Einkaufswagen verantwortlich ist. Das neue Schloss könne künftig per Smartphone oder Smartwatch entriegelt werden. Wanzl ist auch für die Software verantwortlich, die sich problemlos in nahezu jede App des Discounters integrieren lassen soll.

Obwohl die Testphase mit Erfolg angelaufen ist, werden Bedenken laut. Ältere Menschen kämen mit dem smartphonebasierenden System nicht gut klar, lautet die Kritik häufig. Und so wird der Münzschlitz bei den Einkaufswagen auch in Zukunft nicht verschwinden. „Wir wollen mit Testphasen erste Markterfahrungen sammeln und schauen, wie das insgesamt ankommt“, heißt es von der Firma Wanzl gegenüber Chip.de. Ziel sei, „das Einkaufen leichter und zu einem Erlebnis zu machen“.

Technik an Einkaufswagen bei Lidl und Co. muss von Kunden erst angenommen werden

Dem Unternehmen sei bewusst, dass es noch Jahre dauern werde, bis sich der digitale Einkaufswagen flächendeckend und im Bewusstsein der Endkonsumenten verankert hat. Gerade hohe Kosten für die neuartige Technik und Software seien noch abschreckend. Die Branche befindet sich allgemein in der Modernisierung und gerade die Hürden durch die Corona-Pandemie zwingen die Unternehmen zum Umdenken. So wird beispielsweise kontaktloses Bezahlen statt des gewohnten Bargeldes seit Monaten genutzt, um Neuinfektionen mit dem Virus vorzubeugen.

Nicht nur in Sachen Homeoffice hat Deutschland Nachholbedarf. Aber Neuerungen setzen sich nur langsam durch. „Die Branche denkt sehr digitalfokussiert“, betont ein Mitarbeiter von Wanzl gegenüber Chip.de. Die Firma Wanzl sieht dies genauso und ist sich sicher, dass das digitale Pfandschloss in den Köpfen der Verbraucher bald ankommen wird. Ein zusätzlicher Anreiz könne ein kleines Dankeschön in Form eines Coupons sein, berichtete das Handelsmagazin stores + shops des EHI Retail Institutes.

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