Firmensitz in der Kurstadt

Neue Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen: Bürger wütend - „können uns Wohnen nicht mehr leisten“

Altstadt von Bad Wimpfen aus der Vogelperspektive
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Bad Wimpfen ist für seine malerische Altstadt bekannt. Durch die Ansiedlung der neuen Lidl-Zentrale müssen sich Bewohner auf Veränderungen einstellen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Eigentlich ist Bad Wimpfen ein sehr beschauliches Städtchen. Doch in der Idylle wird jetzt ein großes Lidl-Imperium hochgezogen - zum Leid mancher Bewohner.

Neckarsulm - Über viele Jahre hatte Lidl Deutschland seinen Firmensitz, genau wie Kaufland, in Neckarsulm. Das wird sich bald ändern. Rund acht Kilometer entfernt, am Rande der Kurstadt Bad Wimpfen, gehen die Bauarbeiten der neuen Deutschland-Zentrale von Lidl auf die Zielgerade. Hier entstehen fünf gigantische Bürogebäude auf vier Hektar Land, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Rund 1.500 Mitarbeiter haben darin Platz. Aktuelle Baustellenbilder zeigen, dass bereits alle Gebäude stehen. Noch im Jahr 2021 heißt es, sollen die Lidl-Angestellten einziehen.

Während der Bad Wimpfener Bürgermeister Claus Brechter den Neubau als „Chance für die Gemeinde“ sieht und sich auf die Zusammenarbeit freut, können andere Ortsansässige dem Projekt weitaus weniger abgewinnen. Dass der Handelsriese Lidl sich gerade im beschaulichen Bad Wimpfen mit seinen gerade mal knapp 7.400 Einwohnern ausbreitet, ist so manchem Bürger ein Dorn im Auge.

Neue Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen: Bewohner bangen um Miet- und Immobilienpreise

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, beobachtet vor allem die Bürgerinitiative Wimpfener Stadtentwicklung (WiSe) das Lidl-Projekt genau. „Einen Teil der besonderen Atmosphäre der Stadt war dem guten Miteinander verschiedener Bevölkerungsschichten zu verdanken“, sagte die WiSe der Stuttgarter Zeitung. „Nun fallen viele gute, engagierte bisherige Mitbürger durch das ‚Beverly-Hills-Raster‘.“

Damit spielt die Bürgerinitiative auf gut bezahlte Lidl-Mitarbeiter an, die sich bald im Ort ausbreiten und Miet- und Immobilienpreise nach oben treiben könnten. Am Ende könnten sich viele Menschen im „Normalverdienstsektor“ kein Wohnen in Bad Wimpfen mehr leisten, so die Initiative. Auch kritisiert sie, dass die Firmenzentrale mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar sei. Man hätte dies von vorneherein mitdenken sollen, um zu viel Verkehr in der Stadt zu vermeiden, heißt es von Seiten der WiSe. „Wir befürchten, dass der Verkehr in unserer sowieso schon überbelasteten Kommune unerträglich wird.“

Neue Lidl-Zentrale - Wohnsitz des Aufsichtsratschefs Grund für die Standort-Wahl Bad Wimpfen?

Wieso die neue Firmenzentrale von Lidl ausgerechnet im kleinen, unberührten Bad Wimpfen angesiedelt wird, ist manchen ein Rätsel. Rund 50 Jahre lang hatte das Unternehmen Lidl, das wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, seinen Sitz in Neckarsulm.

Dort hatte es Lidl-Chef Dieter Schwarz, einer der geheimnisvollen Milliardäre aus Baden-Württemberg, im Jahr 1970 angesiedelt, nachdem er die Firma von seinem Vater übernommen hatte. Ob der neue Standort damit zu tun hat, dass Klaus Gehrig, Leiter der Schwarz-Gruppe und Aufsichtsratschef von Lidl und Kaufland, in Bad Wimpfen, wohnt? Darüber kann wohl nur spekuliert werden, ausgeschlossen ist es jedoch nicht.

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