„Hätte vermieden werden können“

Lidl-Mitarbeiter sollen trotz Corona-Infektion gearbeitet und andere angesteckt haben

Eine Kassiererin sitzt in einem Supermarkt hinter einer Plexiglasscheibe.
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Mitarbeiterinnen von Lidl sollen nach einem positiven Corona-Test einfach weitergearbeitet haben, sagt eine Kollegin (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Als sich Mitarbeiter in einer Lidl-Filiale mit dem Coronavirus infizierten, hätte die Leitung handeln müssen, sagt eine Angestellte. Stattdessen hätten infizierte Arbeitskräfte weitergearbeitet, so der Vorwurf.

Nördlingen/Neckarsulm - Während Umbauarbeiten in einem Lidl-Markt in Nördlingen (Bayern) haben sich mehrere Angestellte Berichten zufolge mit dem Coronavirus infiziert. Anstatt in Quarantäne zu gehen, haben sich jedoch offenbar manche Mitarbeiter anders entschieden. Als die Filiale nach dem einwöchigen Umbau wieder geöffnet wurde, hätten zwei positiv getestete Mitarbeiterinnen einfach weitergearbeitet, ohne dass die Leitung der Filiale reagierte. So schildert es jedenfalls eine Lidl-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Die Lidl-Zentrale in Deutschland wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Wie die Lidl-Angestellte gegenüber der Augsburger Allgemeinen berichtete, habe es in der Woche des Umbaus, der von 22. bis 28. März vorgenommen wurde, am 25. März den ersten positiven Corona-Fall unter den Mitarbeitern gegeben. Schnell steckte die Person auch andere Lidl-Mitarbeiter an. „Grundsätzlich ist Lidl ein guter Arbeitgeber“, so die Arbeitskraft gegenüber der Zeitung. „Jedoch nicht unter Corona-Bedingungen.“ Weil sie um ihren Job fürchte, wolle sie ihren Namen nicht nennen.

Corona-Ausbruch bei Lidl in Nördlingen: „Leitung hätte sofort handeln müssen“

Wie die Frau mitteilte, sollen bei der Wiedereröffnung der Lidl-Filiale nach dem Umbau in Nördlingen am Montag, 29. März, die Tests von drei weiteren Mitarbeiterinnen positiv gewesen sein. Eine davon sei nach Hause gegangen, die anderen hätten unbeeindruckt weitergearbeitet - und riskierten damit womöglich eine Ansteckung ihrer Kunden. „Es hätte vermieden werden können, dass sich so viele anstecken oder in Quarantäne müssen, wenn die Leitung sofort gehandelt hätte und transparent mit dem Ausbruch umgegangen wäre“, sagte die Frau der Augsburger Allgemeinen.

Ganz anders als die anonyme Mitarbeiterin schildert den Fall ein Sprecher von Lidl. „Alle Kontaktpersonen haben sich umgehend in die behördliche vorgeschriebene Quarantäne begeben“, sagte der Sprecher auf Anfrage der Zeitung. Darüber hinaus habe Lidl alle Kontaktpersonen ersten Grades nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts sowie weitere mögliche Kontaktpersonen vorsorglich von der Arbeit freigestellt. Seine Maßnahmen zum Infektionsschutz bezeichnet das Unternehmen als „etabliert“ und „anerkannt“.

Lidl wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Zu keinem Zeitpunkt hat Gefahr einer Infektion für die Kunden bestanden“

Aufgrund des Hygienekonzepts habe „zu keinem Zeitpunkt die Gefahr einer Infektion für Kunden bestanden“, so Lidl - und stützt sich dabei auf vorhandene 360-Grad-Plexiglasscheiben, die zwischen Verkäufern und Kunden angebracht seien. Das zuständige Gesundheitsamt bestätigte fünf Corona-Fälle sowie die Quarantäne von elf Kontaktpersonen. Es lägen aber „keine konkreten Hinweise auf eine fehlende Umsetzung der betrieblichen Maßnahmen vor“, heißt es. Das Gewerbeaufsichtsamt sei deshalb nicht hinzugezogen worden.

Wer den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte bestimmte Regeln befolgen. Häufig werden die Coronavirus-Symptome unterschätzt. Ob dies bei den Lidl-Mitarbeiterinnen, die angeblich nicht in Quarantäne gingen, auch der Fall war, darüber lässt sich nur spekulieren. Was sich in der Lidl-Filiale in Nördlingen abgespielt hat, wissen am Ende wohl nur die, die vor Ort waren.

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