Skurriler Vorfall im Discounter

Lidl-Kunde von Security abgewiesen, weil er Brille nicht abnehmen will - „absolute Frechheit“

Kunden stehen mit Mundschutz und unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes vor einem Lidl-Supermarkt Schlange.
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Da er zusätzlich zur Maske Brille und Kappe trug, empfanden die Türsteher einer Lidl-Filiale einen Mann als auffällig.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Als er zum Lidl seines Vertrauens ging, trug ein Mann neben dem Mund- und Nasenschutz eine Brille und ein Käppi. Türsteher bezeichneten ihn als „vermummt“ und schickten ihn weg.

Neckarsulm/Schleiz - Eigentlich könnten Sicherheitskräfte froh sein, wenn sich Kunden an die Maßnahmen zum Infektionsschutz gegen das Coronavirus halten und eine Maske tragen. Zu viel Gesichtsbedeckung ist aber offenbar nicht angebracht, wenn es nach manchen Ordnungshütern geht. Alles andere als begeistert zeigten sich die Türsteher einer Lidl-Filiale in Schleiz (Thüringen), als sie einen Mann erblickten, der neben der Maske noch eine Brille und eine Kappe trug. Der Lidl-Kunde traute seinen Ohren nicht: Für die Sicherheitsleute wirkte er vermummt - weshalb sie ihn nicht in den Markt ließen. Dabei ist er Stammkunde in dem Laden.

Wie die Ostthüringer Zeitung berichtet, wiesen die Türsteher den Mann auf das Vermummungsverbot in Deutschland hin. „Ich sollte meine Brille, deren Gläser bei Sonnenschein dunkler werden, und meine Kappe absetzen“, sagte der 59-Jährige der Zeitung. Da er auf dem linken Auge nur 15 Prozent Sehkraft habe und ohne Brille fast blind sei, habe er sich geweigert. „Ich empfinde es als absolute Frechheit, wie man mit Stammkunden umgeht“, erklärt der abgewiesene Kunde. „Auch die Geschäftsstellenleiterin, die mich sehr gut kennt, ließ mich nicht in den Laden, weil sie meinte, sie hätte keine Handhabe gegen den Sicherheitsmann.“ Dieser wiederum konnte sich laut Angaben des Mannes nicht einmal ausweisen.

Lidl-Eklat: Unternehmen will „Mitarbeiter noch einmal bezüglich der Corona-Maßnahmen schulen“

Für den Lidl-Kunden war der Tag danach gelaufen. Doch das Beste kommt noch. Während er wegen seiner angeblichen Gesichtsvermummung weggeschickt wurde, ließen die Türsteher seine Frau eine halbe Stunde später in ganz ähnlicher Montur - anstatt Käppi jedoch Kapuze - in die Lidl-Filiale, wie er der Ostthüringer Zeitung berichtete. Was genau an seinem Outfit so verdächtig war, kann der Mann nicht verstehen. Gut, die Kappe und die Brille waren von Versace - aber was tut das zur Sache? Seinen ausgefallenen Versace-Look hat er nach eigenen Angaben deshalb, da er früher im Musikbusiness tätig war und seine Frau als Friseurin arbeitet.

Als die Zeitung Lidl mit dem skurrilen Vorfall konfrontierte, erwiderte eine Vertreterin der Pressestelle von Lidl Deutschland: „Bei dem beschriebenen Vorfall in Schleiz handelt es sich um einen Einzelfall, den wir sehr bedauern.“ Man werde sich bei dem Kunden entschuldigen und die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sowie die Kollegen von Lidl noch einmal bezüglich der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen schulen.

Corona-Maßnahmen: Werden sie, wie bei Lidl, auch allgemein zu streng kontrolliert?

In den Augen vieler Menschen werden die Corona-Maßnahmen zu streng kontrolliert. Immer wieder kommt es zu Vorfällen, die kontrovers diskutiert werden. Ähnlich übertrieben wie die Kontrolle in Thüringen erschien auch ein Vorfall Stuttgart, bei dem Polizisten einen 17-Jährigen bei einer nächtlichen Corona-Kontrolle mit gezogenen Waffen verfolgten.

Ein Corona-Regel-Wirrwarr entsteht unter anderem auch durch den Föderalismus und die damit einhergehende Autonomie der einzelnen Länder bei ihren Entscheidungen. Angesichts der weiter steigenden Corona-Neuinfektionen will jetzt allerdings der Bund das Management der Corona-Krise in die Hand nehmen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) befürwortet die Regeln, die für ganz Deutschland gleichermaßen gelten sollen, jedoch nicht. So zeigte er sich regelrecht genervt von den geplanten einheitlichen Corona-Regeln des Bundes.

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