Personalpolitik in der Kritik

Eskalation bei Lidl: Discounter-Chef muss gehen - zu viele Frauen in Führungspositionen befördert?

Handwerker erledigen letzte Arbeiten an einem Lidl-Lebensmittelmarkt in Virginia Beach (USA).
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Lidl-Chef Klaus Gehrig muss seinen Posten räumen.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Klaus Gehrig war seit vielen Jahren der Chef des Discounters Lidl und hat die Kette in Deutschland groß gemacht. Nun muss er nach einem Streit mit dem Lidl-Gründer Dieter Schwarz das Feld räumen.

Neckarsulm - Die Pressemitteilung, die die Schwarz-Gruppe veröffentlichte, hatte es in sich: Klaus Gehrig, langjähriger Manager von Lidl und Kaufland, muss seinen Posten räumen. Der 73-Jährige gilt als der Mann, der dem Unternehmen zu der heutigen Größe verholfen hat.

Mit rund 125 Milliarden Euro Umsatz belegt die Schwarz-Gruppe den vierten Platz in der Liste der weltgrößten Einzelhändler. Klaus Gehrig hatte noch weitere Pläne für das Unternehmen: Unter ihm wurde die Aufspaltung von Lidl in Nord und Süd ins Spiel gebracht. Dass der Manager nun trotz seines langjährigen Erfolgs gehen muss, liegt offenbar daran, dass er es sich mit Gründer Dieter Schwarz verscherzt hat.

Lidl: Chef stand offenbar wegen Personalpolitik in der Kritik

Wie das Manager Magazin berichtet, soll einer der Gründe Klaus Gehrigs Unwille gewesen sein, von der Macht zu lassen. Gehrig kam bereits 1976 vom direkten Konkurrenten Aldi zur Schwarz-Gruppe. Nach vielen Jahren als Lidl- und Kaufland-Chef verkündete er, erst mit 75 Jahren in den Ruhestand gehen zu wollen. Später soll er allerdings Vertrauten gegenüber deutlich gemacht haben, doch lieber erst mit 85 Jahren die Führung abzugeben.

Ein weiterer Grund soll Klaus Gehrig Personalpolitik gewesen sein, die dem Lidl-Gründer Schwarz nicht gefallen hat. Vor allem jüngere Frauen seien dem Managermagazin zufolge von ihm für Spitzenpositionen bevorzugt worden sein. Wie das Magazin berichtet, sollen viele junge Managerinnen wie Julia Kern (32), Olivia Rabys (32), Stephanie Griesbaum (36), Annabell Ehm (27) und nicht zuletzt auch Melanie Köhler (30) ihre steilen Karrieren Gehrig zu verdanken haben.

Lidl: Bereits im Mai deutete sich ein Bruch im Managment an

Letztere verließ das Unternehmen allerdings im vergangenen Mai. Bereits da deutete sich ein Bruch an. Denn Melanie Köhler sollte auf Wunsch von Klaus Gehrig seine Nachfolgerin werden.

Weil sich der langjährige Chef nicht bezüglich einer ihm wichtigen Personalie mit dem 81-jährigen Inhaber Dieter Schwarz einigen konnte, habe er die Schwarz-Gruppe verlassen wollen, teilte das Unternehmen nun in der kurzen Pressemitteilung mit. Ob es sich dabei um Melanie Köhler handelte, blieb unklar.

Lidl- und Kaufland-Inhaber Dieter Schwarz hat den Nachfolger bereits bestimmt

Wie das Managermagazin berichtet, soll die hohe Anzahl an Frauen in Spitzenpositionen bei einigen Führungskräften für große Verärgerung gesorgt haben. Die internen Zerwürfnisse dürften Inhaber Dieter Schwarz nicht entgangen sein.

Der designierte Nachfolger von Klaus Gehrig steht bereits fest. Künftig soll Gerd Chrzanowski, sein Stellvertreter, die Führung des Gesamtunternehmens übernehmen. Bisher hatte er die Lidl-Leitung in Bad Wimpfen innegehabt.

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